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Brauchen Lkw noch Fahrer, Herr Wissmann?

Auto-Verbandschef im Interview zur IAA Brauchen Lkw noch Fahrer, Herr Wissmann?

Im HAZ-Interview spricht der Auto-Verbandschef Matthias Wissmann über die IAA in Hannover und die Visionen, die die Branche in die Zukunft führen sollen.

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Quelle: Gregor Fischer

Hannover. Herr Wissmann, vor ein paar Monaten ist eine Lkw-Kolonne automatisch über die Autobahn gerollt - nur im ersten Wagen wurde der Fahrer wirklich gebraucht, in den anderen bremste, beschleunigte und steuerte die Automatik. Muss man da als Autofahrer nicht Angst kriegen?

Sie meinen das sogenannte Platooning. Das war ein erster Versuch auf öffentlichen Straßen, und er hat wunderbar funktioniert. Die Lkw sind elektronisch gekoppelt, dadurch wird ein geringerer Abstand der Fahrzeuge möglich. Das senkt den Verbrauch um bis zu 10 Prozent, der Straßenraum wird effektiver genutzt, und die Fahrer können sich um andere Dinge kümmern. In einigen Jahren kann der Lkw-Fahrer nebenbei Logistikaufgaben übernehmen oder einfach ausspannen. Das verändert völlig das Berufsbild.

Zur Person

Matthias Wissmann ist seit 2007 Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), der die IAA in Frankfurt und Hannover veranstaltet. Der 65 Jahre alte Jurist aus Ludwigsburg machte zunächst als CDU-Politiker Karriere und war von 1993 bis 1998 Bundesverkehrsminister.

Aber die Leute tun sich doch schon schwer mit den neuen Lang-Lkw - von vielen auch Monstertrucks genannt.

Das hat sich im Lauf des Pilotversuchs deutlich gebessert. Alle Fachleute sagen, dass er überzeugend läuft, und die Menschen sehen: Der Lang-Lkw nimmt niemandem etwas weg. Zwei Lang-Lkw können die gleiche Gütermenge wie drei herkömmliche Trucks transportieren - das spart 15 bis 25 Prozent Kraftstoff und damit CO2. Ich rechne für das nächste Jahr mit dem Regelbetrieb.

Und wann werden autonom fahrende Lkw Alltag sein?

Platooning wäre recht bald realisierbar, völlig autonomes Fahren ist ein ganz anderes Thema. Wir werden auf der IAA Nutzfahrzeuge nicht nur Visionen sehen, sondern vor allem praxisorientierte Anwendungen der Vernetzung - Lösungen, die die Sicherheit verbessern und den Verbrauch senken. Die IAA Pkw 2015 war die erste Automesse, die ganz unter das Thema Vernetzung gestellt wurde. Das setzen wir jetzt bei den Nutzfahrzeugen fort. Deutschland ist bei diesem Thema heute weltweit an der Spitze, das wird man auf der IAA ganz stark sehen.

Der Nutzfahrzeugkäufer gilt als besonders sparsam. Warum sollte er Geld für die neue Technik ausgeben?

Das wird er tatsächlich nur dann, wenn sie effizienter ist. Er wird aber schlicht nicht mehr konkurrenzfähig sein, wenn er nicht vernetzt ist. Gerade kleine und mittelständische Transportunternehmen können durch bessere Routenplanung und höhere Auslastung Geld sparen. Das ist ihre Chance gegen den enormen Wettbewerb aus Mittel- und Osteuropa. Für diejenigen, die mit veralteter Technik unterwegs sind, wird es auf Dauer schwierig.

Die IAA

2000 Aussteller aus 52 Ländern werden zur IAA Nutzfahrzeuge Messe erwartet, die am kommenden Donnerstag in Hannover eröffnet wird. Die Internationale Automobil-Ausstellung findet im jährlichen Wechsel statt: Jedes ungerade Jahr als IAA Pkw in Frankfurt und jedes gerade Jahr als IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Für das Wochenende 24. und 25. September bietet die IAA spezielle Familientickets an: Sie gelten für maximal drei Jugendliche unter 18 Jahren in Begleitung von zwei Erwachsenen und kosten 24 Euro.

Auch beim Antrieb wird die Revolution ausgerufen. Daimler wird in Hannover einen E-Truck zeigen, obwohl es bisher immer hieß, der Elektroantrieb spiele bei schweren Lkw keine Rolle.

Das ist ein beeindruckendes Konzeptfahrzeug - für den Verteilerverkehr und mit der Perspektive nächstes Jahrzehnt. Für Elektrobusse rechnen wir etwas früher mit dem Durchbruch. Letztlich wird es von der Entwicklung der Preise und Leistung der Batterien abhängen, wie schnell sich die Technik verbreitet. Vorerst jedenfalls - und noch für viele Jahre - wird der Diesel gerade auf der Langstrecke eine zentrale Rolle spielen.

Er ist aber schwer in Verruf gekommen.

Dass das Thema Diesel Vertrauen gekostet hat, ist uns allen klar. Aber bei allem berechtigten Ärger: Der Diesel ist sauberer, effizienter und leiser als er je war. Seit 1965 ist der Verbrauch schwerer Nutzfahrzeuge pro Tonnenkilometer - und damit der CO2-Ausstoß - um 60 Prozent gedrückt worden. Die Schadstoffemissionen wurden seit 1990 um 95 Prozent gesenkt. Und die Lkw sind seit 1980 um 90 Prozent leiser geworden. Wir erreichen heute Verbrauchs- und Abgaswerte, die vor zehn, 20 Jahren noch undenkbar waren. Das Nutzfahrzeug ist erheblich ökologischer, effizienter und leiser geworden - ohne übertriebene Regulierung übrigens. Der Diesel wird uns noch lange begleiten.

Aber seine Zeit läuft ab.

Es wird mit Hochdruck an alternativen Konzepten gearbeitet. Dazu gehört zum Beispiel auch Erdgas, wir brauchen europaweit ein Netz von Tankstellen. Elektro-und Hybridantrieb werden wir stark bei kleineren Transportern auf der IAA sehen. Gerade für die „letzte Meile“ ist das durchaus schon eine Lösung. In den nächsten fünf Jahren wird der Anteil erheblich zunehmen, weil immer mehr bezahlbare Fahrzeugkonzepte da sind. Das gilt auch für Busse mit E-Antrieb.

Man verbindet das Nutzfahrzeug mit überfüllten Straßen. Muss man sich nicht langsam mit den Grenzen des Verkehrswachstums befassen?

Wir brauchen weitere Effizienzsteigerungen, denn der Transportbedarf nimmt weiter zu. Ein Beispiel: Der Onlinehandel ist sehr dynamisch, das gilt auch für die nächsten Jahre. Das treibt den Boom bei Transportern. Gerade in den Städten brauchen wir sehr effiziente und möglichst emissionsfreie Lösungen.

Messebesucher interessieren sich ja eher für Blech und Chrom. Haben Sie keine Sorge, dass die IAA vor lauter Vernetzung und Vernunft ein bisschen blutleer wird?

Überhaupt nicht, denn bei den Nutzfahrzeugen standen schon immer die „inneren Werte“ im Vordergrund. Für alle Fans und Betreiber von Nutzfahrzeugen bleibt die IAA ein Muss, das ist doch klar. Die Mischung macht‘s, und die Emotionen gehören weiter dazu, gerade dadurch können wir die Zukunft gewinnen. Für die Hersteller ist dieser Wandel eine große Herausforderung - zum Beispiel, die Lebenszyklen von IT-Produkten und Fahrzeugen abzustimmen, und die verschiedenen Kulturen zu vereinen. Wer diesen Wandel meistert, wird unglaubliche Chancen haben.

Interview: Stefan Winter

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