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Deutschland / Welt Weil: Manipulation bei VW "völlig inakzeptabel""
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Weil: Manipulation bei VW "völlig inakzeptabel""
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15:49 22.09.2015
Kann er VW-Chef bleiben? Martin Winterkorn steht in der Abgas-Affäre unter Druck. Stephan Weil hat die manipulierten Tests scharf kritisiert. Quelle: dpa
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Hannover

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Kontrolleur Stephan Weil hat die manipulierten Abgastests bei Volkswagen in den USA scharf kritisiert. "Eine Manipulation von Emissionstests ist völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen", sagte der SPD-Politiker, der als amtierender Regierungschef in Niedersachsen Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrates von VW ist, am Montag in Hannover. "Es muss selbstverständlicher Anspruch des VW-Konzerns sein, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten."

Wolfsburger Totalschaden: Die Analyse zum VW-Manipulationsskandal.

Er habe die "Nachricht über manipulierte Software im Zusammenhang mit Abgastests mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Die gegen VW in den USA erhobenen Vorwürfe wiegen schwer", sagte Weil. Er gehe davon aus, dass diese Vorfälle "schnell und gründlich aufgeklärt werden. Erst danach kann über mögliche Folgen entschieden werden."

Auch der Betriebsratschef von VW, Bernd Osterloh, hat ein entschiedenes Durchgreifen auch innerhalb des Konzerns gefordert. "Das muss jetzt mit aller Konsequenz und Offenheit aufgeklärt werden; und wir müssen Konsequenzen daraus ziehen", sagte er dem Magazin "Stern". Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Dudenhöffer: Winterkorn nicht mehr tragbar

Dudenhöffer, Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen, sagte dies der "Frankfurter Rundschau" (Montag). "In beiden Fällen würde ich sagen, dass Winterkorn an der Konzernspitze nicht mehr tragbar ist." Der "Westdeutschen Allgemeinen" sagte er: "Jeder Politiker könnte bei einer solchen Angelegenheit nicht in seinem Amt bleiben."

Volkswagen hatte am Sonntag eingeräumt, die Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA für Fahrzeugtests manipuliert zu haben. Die US-Umweltbehörde EPA führt eine Untersuchung gegen den Konzern unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act" verstoßen. Dem Dax-Konzern drohen deswegen schlimmstenfalls Strafzahlungen von mehr als 18 Milliarden Dollar und ein nicht abzuschätzender Imageschaden.

Aktienkurs bricht ein

Angesichts des Skandals um manipulierte Abgaswerte in den USA hat die Volkswagen-Aktie an der Frankfurter Börse am Montagvormittag rund 20 Prozent an Wert verloren. Zeitweise notierte sie mit 22,20 Prozent im Minus bei 126,35 Euro. Sie war bereits mit einem massiven Kurseinbruch in den Tag gestartet: Zu Handelsbeginn verlor sie bereits gut 13 Prozent.

Verkauf von Diesel-Autos in USA gestoppt

Angesichts des Skandals hat VW den Verkauf von Diesel-Autos mit Vierzylindermotoren in den USA vorerst gestoppt. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte entsprechende Medienberichte. Betroffen seien aktuelle Modelle der Marken VW und Audi. VW werde bis auf weiteres auch keine gebrauchten Fahrzeuge dieses Typs verkaufen.

Die Wolfsburger hatten am Sonntag eingeräumt, dass Abgaswerte von Diesel-Autos in den Vereinigten Staaten für Fahrzeugtests manipuliert worden waren. Die Börse reagierte zum Beginn der neuen Handelswoche prompt: Die VW-Vorzugsaktie brach am Morgen in Frankfurt ein. Analysten und Händler zeigten Unverständnis und Ungläubigkeit angesichts des Eingeständnisses von Volkswagen, mit Hilfe einer Software die Resultate von Abgastests bei Diesel-Autos in den USA geschönt zu haben.

Bei der US-Umweltbehörde EPA läuft eine Untersuchung gegen den Konzern unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act". Dem Dax-Unternehmen drohen daher schlimmstenfalls Strafzahlungen von mehr als 18 Milliarden Dollar und ein nicht abzuschätzender Imageschaden - nicht nur auf dem chronisch schwächelnden US-Markt, wo VW bisher enttäuschend abschneidet.

TÜV Süd: Abgas-Kontrollen in der EU klar geregelt

In Europa werden die Auto-Abgaswerte nach Angaben des TÜV Süd bereits während der Produktion streng überwacht. "Da gibt es klare Regeln", sagte ein Sprecher am Montag in München. Für alle Fahrzeuge, die in der EU zugelassen werden sollen, müssten die Hersteller externe Kontrollen sicherstellen. "Die Fahrzeuge werden nach dem Zufallsprinzip vom Band genomen und nachkontrolliert", sagte er. Allein der TÜV Süd nehme pro Jahr mehr als tausend dieser Kontrollen vor.

Volkswagen hatte am Sonntag eingeräumt, die Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA für Fahrzeugtests manipuliert zu haben. Die US-Umweltbehörde EPA führt eine Untersuchung gegen den Konzern unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act". 

Der TÜV Süd mit Sitz in München  ist mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro und mehr als 20 000 Beschäftigten eine der größten Prüforgansiationen der Welt.  Vor allem international wächst das Unternehmen seit Jahren. 

dpa/afp

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