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Deutschland / Welt "Autohersteller haben sich den Markt verdorben“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt "Autohersteller haben sich den Markt verdorben“
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02:15 19.07.2017
Von Jens Heitmann
Neuwagen frisch vom Band stoßen auf immer weniger Interesse bei Privatkunden. Vor allem jungen Käufern ist das persönliche Wunschauto nicht wichtig. Quelle: Ingo Wagner
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Hannover

Parallel hat sich die Zahl der Eigenzulassungen von Herstellern und Händlern auf knapp 31 Prozent erhöht, auf die beim späteren Verkauf hohe Rabatte gewährt werden.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Die Autobauer hätten die Privatkäufer über die Jahre zu Schnäppchenjägern erzogen, sagt CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer: „Sie haben sich damit ihren eigenen Markt verdorben.“

2007 gilt als Startpunkt

Als Startpunkt für die Rabbatitis gilt in der Branche der 1. Januar 2007, als die Bundesregierung die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent angehoben hatte. Hersteller und Importeure hätten diese Anhebung in vollem Umfang an ihre Kunden weitergegeben - daraufhin sanken die Neuzulassungen um 9 Prozent.

Um den Einbruch in Grenzen zu halten, wurden Neuwagen vermehrt auf die Händler zugelassen - im Anschluss wurden die Fahrzeuge als „junge Gebrauchte“ angepriesen. Die Kunden profitierten von diesem kurzzeitigen Eigentümerwechsel mit hohen Preisabschlägen, die Hersteller wurden auf diese Weise die auf Halde produzierten Autos los. Aktuell betragen die Rabatte nach CAR-Angaben für sogenannte Tageszulassungen zwischen 20 und 35 Prozent.

Nur für kurze Zeit hat sich die Entwicklung noch einmal umgekehrt: Als die Bundesregierung die Verschrottung alter Pkw 2009 mit einer Prämie belohnte, sanken die gewerblichen Neuzulassungen um ein Viertel, die private Nachfrage kletterte um rund die Hälfte auf knapp 63 Prozent. Aber schon im Jahr darauf sackte die Quote auf knapp 43 Prozent - seither weist der Trend nach unten.

Der Verzicht auf das persönliche Wunschauto zugunsten eines fertig konfigurierten neuen Fahrzeugs falle insbesondere jüngeren Käufern nicht schwer, sagt Dudenhöffer: „Die Alten bleiben lieber beim ,echten’ Neuwagen.“ Bei den nachrückenden Generationen gelte das Auto nicht länger als Statussymbol: „Es ist zu einem Gebrauchsgegenstand geworden.“

555 Autos auf 1000 Einwohner

Gleichwohl sind auf Deutschlands Straßen zurzeit 45 Millionen Pkw unterwegs - so viele wie noch nie: Auf 1000 Einwohner kommen 555 Autos. Dass angesichts dieser Relation die Nachfrage auf hohem Niveau stagniere, hält man beim Verband der Automobilindustrie für normal. „Es geht damit nur noch um die Erneuerung der Flotte“, sagt eine Sprecherin des Verbandes.

Hersteller und Händler hätten sich auf das neue Geschäftsmodell inzwischen eingestellt, heißt es in der Branche. Die Autobauer könnten ihre Listenpreise hoch halten - und dennoch zusätzliche Käufer erreichen. Anstatt auf Neuwagen hohe Rabatte geben zu müssen, böten junge Gebrauchtwagen den Händlern „die Chance, Fahrzeuge mit geringen Nachlässen auf den Angebotspreis verkaufen zu können“, heißt es in einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft.

Zwischen der EU-Kommission und der Bundesregierung bahnt sich ein Streit an: Brüssel wirft Deutschland vor, nur mangelhaft den Abgasskandal aufzuarbeiten. Verkehrsminister Dobrindt hält dem Vorwurf entgegen, EU-Vorschriften korrekt angewendet zu haben. Doch die reichten nicht eben nicht aus.

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