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Bahn lässt Eon auf Bauruine sitzen

Kraftwerk Datteln 4 Bahn lässt Eon auf Bauruine sitzen

Seit Jahren darf das neue Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Nordrhein-Westfalen nicht ans Netz – jetzt will mit der Deutschen Bahn auch noch der Großkunde abspringen.

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Fast fertig: Am Kraftwerk in Datteln herrscht trotzdem Stillstand.

Quelle: Bernd Thissen

Datteln. Die Freude an ihren Kraftwerken haben die Energieversorger längst verloren: Weil Ökostrom in den Netzen generell Vorfahrt genießt und weiter Windmühlen und Solaranlagen installiert werden, verdienen die alten Meiler kaum noch Geld. Nur eines ist noch ärgerlicher: ein nagelneues Kohlekraftwerk, für dessen Strom ein Großkunde äußerst auskömmliche Preise zahlen will - und das dennoch nicht an den Start gehen darf. Vor diesem Problem steht Eon in Datteln (Nordrhein-Westfalen) mittlerweile seit sechs Jahren.

Als der Energiekonzern 2007 seine Neubaupläne für ein Steinkohlekraftwerk mit 1100 Megawatt bekannt gab, war der Optimismus noch groß: Die Anlage sollte so modern und effizient sein wie kaum eine zweite und gleich drei alte und schmutzige Blöcke ersetzen. Mit der Deutschen Bahn stand ein Abnehmer für rund ein Drittel der Leistung parat - von 2011 an sollte Datteln 4 ein Viertel des Stroms liefern, den der Schienenkonzern in Deutschland benötigt. Seit 2009 aber geht nichts mehr voran.

Wegen massiver Fehler im Genehmigungsverfahren erklärte das Oberverwaltungsgericht Münster den Bebauungsplan für ungültig. Zu diesem Zeitpunkt war das Kraftwerk aber fast schon fertig - von den geplanten 1,2 Milliarden Euro hatte der Konzern bereits eine Milliarde investiert. Seither verdienen in Datteln nur die vielen Juristen viel Geld, die das Projekt noch retten sollen. Zuletzt soll die Hoffnung wieder gestiegen sein, heißt es im Umfeld von Eon. Möglicherweise könne schon in wenigen Wochen mit dem Weiterbau begonnen werden.

Doch schon steht der Konzern vor einem neuen Problem: Jetzt sucht offenbar die Bahn nach einem Hebel, um aus dem Vertrag auszusteigen. Nach einem undementierten Bericht des „Handelsblattes“ ist dem Großkunden der einst vereinbarte Strompreis inzwischen zu hoch - am Terminmarkt kostet eine Megawattstunde heute 20 Euro weniger als noch 2007.

Offiziell argumentiere die Bahn allerdings anders, heißt es. Weil sich der Energiekonzern Anfang 2016 aufspaltet, müssen die Lieferverträge von Eon auf die neu gegründete Kraftwerksgesellschaft Uniper umgeschrieben werden. Diesen Umstand möchte die Bahn offenbar nutzen, um entweder ganz aus dem teuren Vertrag herauszukommen oder zumindest die Preise deutlich nach unten zu drücken. Um die Ernsthaftigkeit ihres Ansinnens zu unterstreichen, verhandelt die Bahn bereits mit dem Eon-Konkurrenten Steag. Für Uniper sind das zum Start keine guten Nachrichten - entweder erbt man eine Bauruine oder unzureichend dotierte Lieferverträge mit einem Großkunden.

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