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Deutschland / Welt Bilfinger verlangt Schadensersatz von Roland Koch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bilfinger verlangt Schadensersatz von Roland Koch
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20:00 23.02.2018
„Keinerlei Schuld bewusst“: Roland Koch.   Quelle: Foto: dpa
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Mannheim

Der Industriedienstleister Bilfinger verlangt Schadenersatz von früheren Vorständen.Unter ihnen ist auch der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Das beschloss der Aufsichtsrat des kriselnden Unternehmens am Dienstag. Allen Vorstandsmitgliedern, die zwischen 2006 und 2015 amtierten, aber vor 2015 in das Gremium eintraten, werden Pflichtverletzungen vorgeworfen, hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse.

Der Aufsichtsrat habe seine Entscheidung „als Ergebnis seiner im März 2016 eingeleiteten Untersuchung“ getroffen. Die fraglichen Vorgänge fallen in die Amtszeit der Vorstandsvorsitzenden Herbert Bodner (1999 bis 2011 sowie 2014/15) und Roland Koch (2011 bis 2014). 

Der frühere hessische Ministerpräsident Koch reagierte „mit Befremden“ auf die Vorwürfe „gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen“. Sein Sprecher sagte, Koch sei sich keinerlei Schuld bewusst. Das Unternehmen habe über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben.

Zwölf Manager betroffen

„In welcher genauen Höhe Schadensersatzansprüche bestehen und inwieweit diese tatsächlich durchgesetzt werden können, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest“, hieß es in der Bilfinger-Mitteilung weiter. Mit Blick auf die früheren Vorstände verlautete gestern aus Unternehmenskreisen: „Der Verdacht liegt nahe, dass die kein System hatten und sehenden Auges in die Probleme reingegangen sind“. In dem genannten Zeitraum waren insgesamt zwölf Manager als Vorstände für Bilfinger tätig.

Als Beispiele für das unterstellte Fehlverhalten wurden in den Kreisen etwa der Erwerb der Helmut Mauell GmbH im Jahr 2012 genannt oder auch Nigeria-Geschäfte des Konzerns. Konkret wirft der Konzern den früheren Managern „Pflichtverletzungen bei der Implementierung eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems“ vor. Compliance bezeichnet Richtlinien für eine saubere Unternehmensführung.

Zudem sollen einzelne Ex-Vorstände Verstöße „im Zusammenhang mit M&A-Projekten in der Vergangenheit“ begangen haben. Als M&A (Mergers & Acquisitions) werden Fusionen und Zukäufe zusammengefasst. Den verursachten Schaden bezifferte Bilfinger nach vorläufigen Berechnungen auf einen „niedrigen dreistelligen“ Millionenbetrag. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um rund 100 Millionen Euro. Wie die dpa erfuhr, will das Unternehmen die früheren Mitarbeiter zunächst außergerichtlich informieren und zur Zahlung auffordern.

Der amtierende Vorstand um Konzernchef Tom Blades will zudem nun untersuchen lassen, ob auch Aufsichtsratsmitglieder ihre Pflichten verletzt haben. Bilfinger steht seit 2014 unter Aufsicht durch das US-Justizministerium. Die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger war bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria in einen Korruptionsfall verwickelt, der erst 2010 aufgedeckt wurde. Das Unternehmen musste 2013 eine Strafe von 32 Millionen US-Dollar zahlen und eine Überwachung seines Compliance-Systems hinnehmen, das solche Fälle verhindern soll. Dazu kamen weitere Altfälle ans Licht. 

Von Wolfgang Jungund Benedikt von Imhoff

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