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Deutschland / Welt Bei VW hakt die Touran-Fertigung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bei VW hakt die Touran-Fertigung
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08:26 12.10.2015
Zu hohe Vielfalt der Fahrzeugvarianten? Touran-Fertigung im VW-Werk in Wolfsburg.  Quelle: Jochen Lübke
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Wolfsburg

Zusätzlich zu den Belastungen durch die Abgas-Affäre macht Volkswagen eine stockende Fertigung am Stammsitz in Wolfsburg zu schaffen. „Die Produktion ist zu komplex, die Vielfalt der Fahrzeugvarianten zu hoch“, zitierte die „Welt am Sonntag“ einen Insider aus dem Konzern. Demnach soll von den Verzögerungen vor allem der Familien-Van Touran betroffen sein. 

Ein VW-Sprecher sprach von einer aktuell sehr komplexen Situation in der Fertigung. „Der Hochlauf eines Modells ist immer eine Herausforderung“, sagte er. Man sei aber zuversichtlich, dass Volkswagen die selbst gesetzten Ziele und Termine einhalten werde. Die große Zahl an angebotenen Modellen und die komplizierten Strukturen bei VW gelten - unabhängig von der Diesel-Affäre - als eine der größten Baustellen des Autoherstellers mit weltweit 600 000 Beschäftigten. Konzernchef Matthias Müller will Entscheidungsprozesse vereinfachen.

"Fehler nicht verschweigen"

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD) betonte am Wochenende, VW müsse bei der Aufarbeitung der Affäre um per Software manipulierte Abgaswerte in die Offensive gehen. „Mit Fehlern muss man klug und besonnen umgehen, darf sie nicht verschweigen, sondern muss die Ursachen angehen und die Folgen beseitigen.“ Um die schwere Krise zu überstehen, müssten nun alle Unternehmensteile bei Europas größtem Autobauer den geforderten Kulturwandel mit Leben füllen. Ob nach dem Abtritt von Konzernchef Martin Winterkorn und anderen Managern noch weitere personelle Konsequenzen folgen könnten, wollte Weil nicht ausschließen - genauso wenig wie mögliche Jobverluste wegen rückläufiger Absatzzahlen.

Der beurlaubte Entwicklungsvorstand der Volkswagen-Marke Audi, Ulrich Hackenberg, bestreitet nach Informationen der „Bild am Sonntag“ indes jegliche Verantwortung im Abgas-Skandal. Das gehe aus einem Bericht der VW-Konzernrevision hervor. Danach hatte Hackenberg in einem Schreiben an den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn darauf verwiesen, dass die „Berichtswege“ in der Angelegenheit an ihm vorbei gelaufen seien und er deswegen keine Kenntnisse von den Vorgängen hatte. Winterkorn soll Hackenberg zuvor gebeten haben, die Verantwortung in der Affäre um die Manipulation von Diesel-Abgaswerten zu übernehmen. Das habe dieser jedoch abgelehnt. Angeblich wehrt sich Hackenberg gegen seine Suspendierung.

Großkunden fordern Transparenz

Die Krise lässt bereits eine Debatte um mögliche Sparmaßnahmen aufkommen. Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte, „dass der Vorstand jeden Einschnitt, den er bei der Belegschaft vornimmt, in gleicher Relation auch sich selbst abverlangt“. Im Zweifel müsse dann alles auf den Prüfstand, was Kosten verursacht. „Und so, wie ich unseren Vorstand kenne, wird er mit gutem Beispiel vorangehen und sich der Situation im Verhalten anpassen.“ In die Debatte sind dabei unter anderem Freiflüge im Firmenjet geraten, die diversen Topmanagern im Konzern zustehen. Das „gehe gar nicht“, sagte ein Aufsichtsrat.

Gewerbliche Großkunden wie die Deutsche Post sorgen sich ebenfalls um die Entwicklung bei VW. Weil Teile der eigenen Flotte vom Diesel-Skandal betroffen sein könnten, forderte Post-Chef Frank Appel eine „volle Transparenz“ von dem Autokonzern. Von den rund 90 000 firmeneigenen Fahrzeugen kämen etwa 20 000 von VW, fast alle seien Dieselmodelle, sagte Appel in einem Interview. Die Deutsche Post ist einer der größten Kunden der hannoverschen Marke VW Nutzfahrzeuge und hat vor allem Transporter und Caddy im Einsatz. Der „Bulli“ hat allerdings keine Motoren mit Manipulationssoftware an Bord.

Von Jan-Henrik Petermann/dpa

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