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Wie sieht es aus nach einem Jahr Frauenquote?

Bescheidene Bilanz Wie sieht es aus nach einem Jahr Frauenquote?

Kulturwandel braucht seine Zeit: Am 1. Mai 2015 trat das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" in Kraft. Mit der Gleichberechtigung für Frauen in Aufsichtsräten und Vorstandsetagen geht es nur langsam voran.

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Die Frauenquote wurde am 1. Mai 2015 eingeführt.

Quelle: dpa

Berlin. Für Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) war es der bisher wichtigste Erfolg im Gerangel mit dem Koalitionspartner. Am 1. Mai 2015 trat das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen" in Kraft. Ein Jahr später, Ministerin Schwesig kehrt genau an diesem Sonntag nach ihrer Babypause zur Arbeit zurück, kann sie bestenfalls eine gemischte Bilanz zum Thema Frauenquote ziehen. 30 Prozent war das eher bescheidene Ziel, und nicht einmal das ist erreicht.

Das Gesetz, so das Schwesig-Ministerium, soll dazu beitragen, "den Anteil von Frauen an Führungspositionen signifikant zu erhöhen und einen Kulturwandel in den Unternehmen anzustoßen." Aber von Anfang an war klar: "Eine neue Arbeits- und Unternehmenskultur entsteht nicht von heute auf morgen." Nach einem Jahr muss sogar konstatiert werden: Es dauert wohl noch länger als erwartet.

23,7 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten

Die Initiative "Frauen in die Aufsichtsräte" (FidAR) stellte im Januar 2016 fest: Von damals 103 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen haben nur 60 ein Planziel für die Führungsetage festgelegt. Die vorgeschriebene Quote von 30 Prozent im Aufsichtsrat ist längst nicht von allen Unternehmen erreicht. Zum Jahresbeginn lag der Durchschnitt bei 23,7 Prozent.

FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow ist trotzdem einigermaßen zufrieden mit der Entwicklung - in den Aufsichtsräten. Anders sieht es mit Teil zwei des Gesetzes aus: Denn mindestens so wichtig wie die 30-Prozent-Quote in den größten Konzernen sind die Vorgaben für mehr als 3500 Unternehmen, die sich selbst Zielgrößen für den Frauenanteil in Vorstand, Aufsichtsrat und weiteren Führungsetagen geben müssen. Hier geht wenig voran.

Auch für die gut 100 Großen gilt diese Vorschrift, sie müssen sich über die Aufsichtsräte hinaus für Vorstände und die beiden oberen Führungsebenen Zielvorgaben zur Frauenquote setzen. Nur die Hälfte hat dies bisher für die Vorstände getan, und nicht selten heißt die Vorgabe: Null. Diese Unternehmen haben keine Frauen im Vorstand und werden so bald auch keine haben.

"Der Gesetzgeber muss da noch mal ran"

Schulz-Strelow räumt ein: "Da ist sehr wenig Bewegung drin. Die Zielvorgabe funktioniert noch nicht." Ob man wirklich schon von einem Kulturwandel sprechen kann, sieht sie jetzt skeptischer als noch vor einem halben Jahr. Auch in der ersten und zweiten Führungsebene sieht sie teils nur marginale Verbesserungen. Daraus leitet sie die Forderung ab: "Der Gesetzgeber muss da gegebenenfalls noch mal ran."

Positiver sieht erwartungsgemäß der Bundesverband der Deutschen Industrie die Entwicklung. Holger Lösch, Mitglied der BDI- Hauptgeschäftsführung, sagt: "Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren kontinuierliche und deutlich spürbare Fortschritte gemacht." Anfang 2016 habe der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 30 Dax-Unternehmen im Schnitt bei rund 27 Prozent gelegen, Anfang 2011 waren es nur 13 Prozent. Es werde aber noch mehrere Jahre dauern, bis die Quote in jedem einzelnen Unternehmen erreicht sei. Und eine "Zielgröße Null" für Vorstand, Geschäftsführung oder Aufsichtsrat sei im Gesetz ausdrücklich vorgesehen.

dpa

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