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Deutschland / Welt VW will mehr Leiharbeiter übernehmen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW will mehr Leiharbeiter übernehmen
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22:22 21.02.2017
Kanzleramtsminister Peter Altmaier besuchte VW und die Betriebsversammlung.  Quelle: dpa/Archiv
Wolfsburg

Die Erfolgsbeteiligung von 2905 Euro ist ein Bruttobetrag. Ein Abschlag von rund 1600 Euro brutto wurde bereits Ende November an die Mitarbeiter gezahlt. Mit dem Mai-Entgelt erhalten sie nun weitere 1300 Euro. Im vergangenen Jahr waren 3950 Euro Prämie an die VW-Mitarbeiter geflossen, berichtet die "Wolfsburger Allgemeine". Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh bedankte sich ausdrücklich beim Konzernvorstandsvorsitzenden Matthias Müller. „In diesen Zeiten ist das ein wirklich fairer Betrag.“ Er wisse, so Osterloh, dass Müller die Leistung der Belegschaft zu schätzen weiß.

VW prüft Batteriefertigung in Salzgitter

Volkswagen erwägt im Zuge seines Umbaus den Einstieg in eine Massenfertigung von Batteriezellen in Salzgitter. Das bekräftigte Betriebsratschef Bernd Osterloh am Dienstag auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg.

Er fügte hinzu: "Soweit dies wirtschaftlich tragbar ist." Der Autobauer hatte auch als Reaktion auf den Dieselskandal angekündigt, die Elektromobilität massiv auszubauen. Bisher werden Batteriezellen als wichtige Komponente vor allem in Asien produziert. Der Ausbau der Elektromobilität ist auch Teil eines "Zukunftspaktes" bei VW, den Management und Arbeitnehmervertreter vereinbart hatten.

Osterloh sagte laut Mitteilung: "Zum Zukunftspakt gehört auch das Erproben der Herstellung von Batteriezellen im industriellen Maßstab. In einem zweiten Schritt ist in Salzgitter der Einstieg in die Massenfertigung von Batteriezellen geplant, soweit dies wirtschaftlich tragbar ist."

VW will mehr Leiharbeiter übernehmen

Bei der Marke Volkswagen können sich offenbar auch mehr Zeitarbeiter Hoffnungen auf eine Festanstellung machen als bisher bekannt. Bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg hat Markenchef Herbert Diess nach Angaben von Teilnehmern am Dienstag die Übernahme von etwa der Hälfte der aktuell mehr als 4000 befristet Beschäftigten angekündigt. Bisher hatten Arbeitnehmervertreter befürchtet, dass der Konzern mittelfristig alle Verträge auslaufen lassen wolle.

Das Schicksal der Leiharbeiter war einer der Knackpunkte beim jüngsten Streit um den sogenannten Zukunftspakt. Anfang Februar hatte der Betriebsrat dem Management vorgeworfen, vom gemeinsam vereinbarten Weg zum Umbau der Marke VW abzurücken. Dieser Streit scheint nun erst einmal beigelegt. Der Vorstand habe in einem Brief zugesagt, dass man „wieder auf den Vertragsstand zurückkomme“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh am Dienstag vor 10.000 Beschäftigten nach Angaben seines Sprechers.
Kleinteiliger Kompromiss

Im November hatten sich beide Seiten darauf verständigt, dass weltweit 30.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen, um die Profitabilität zu erhöhen. Die Kosten sollen bis 2020 um 3 Milliarden Euro sinken. Im Zuge des Umbaus soll VW bis zum Jahr 2025 zum Weltmarktführer bei Elektroautos werden – in diesem Bereich will der Konzern 9000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Der Betriebsrat hatte zwischenzeitlich die Befürchtung, Markenchef Diess wolle den Personal­abbau schneller vorantreiben als vereinbart. Der Vorstand agiere „zutiefst unsozial“ und „vergifte die Volkswagen-DNA“, hieß es noch vor anderthalb Wochen in einem Schreiben des Betriebsausschusses der Arbeitnehmervertretung an die VW-Mitarbeiter: „Die Grundwerte bei Volkswagen werden mit Füßen getreten.“

Kompromiss im Streit um Zukunftspakt

Angesichts des großen Trommelwirbels wirkt der jetzt gefundene Kompromiss recht kleinteilig: Die Auflösung einer dritten Schicht an einer Montagelinie sei nun vom Tisch, hieß es gestern. Gleiches gelte für ein Schreiben an die Personalleiter, mit dem der interne Arbeitsmarkt „blockiert“ werden sollte. Zudem habe der Vorstand die Anweisung „einkassiert“, dass Leistungsbeurteilungen schlechter ausfallen sollen, um Geld zu sparen.

Bei der Betriebsversammlung plädierten nun beide Seiten dafür, den Blick wieder nach vorn zu richten. Der Zukunftspakt sei eine „große Errungenschaft“, sagte Osterloh. Volkswagen komme bei der Neuausrichtung gut voran, erklärte Markenchef Diess. „Gemeinsam haben wir ein starkes Jahr 2016 hingelegt und trotz Gegenwind viel erreicht.“ Auch für das laufende Jahr dürfe man optimistisch sein.     

Altmaier zu Gast bei VW

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) hat mit Blick auf die Verhandlungen um die Zukunft von Opel vor negativen Folgen für den Automobil-Standort Deutschland gewarnt. "Wenn wir zulassen, dass ein Traditionsunternehmen wie Opel plötzlich in eine Situation kommt, wo nicht klar ist, wie die Entwicklungsperspektive der Zukunft ist, dann schadet es dem Automobil-Standort Deutschland insgesamt", sagte Altmaier nach Teilnehmerangaben am Dienstag als Gastredner auf einer VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg.

"Und deshalb sollten wir gemeinsam dafür kämpfen, dass auch die Kolleginnen und Kollegen von Opel weiter gute Autos in Deutschland bauen und verkaufen." Die Bundesregierung sei mit "sehr viel Einsatz" dabei mitzuhelfen, "dass die Enden zueinander kommen". Die Politik kämpft um den Erhalt der Arbeitsplätze bei der General-Motors-Tochter Opel, falls das Unternehmen vom französischen Autobauer Peugeot-Citroën übernommen wird. Nach dem Bekanntwerden der Übernahmepläne gibt es von PSA Peugeot-Citroën aber noch keine Garantie für die Jobs und die drei deutschen Opel-Standorte.

Zu VW sagte Altmaier, dass die Bundesregierung an der Seite von VW stehe – gerade jetzt, wo es schwierig sei und der Skandal aufgearbeitet werden müsse. "Ich unterstütze den Betriebsrat bei seiner Forderung nach einer Batterieproduktion in Deutschland." Themen seiner Rede in Wolfsburg seien zudem Elektroautos und die Digitalisierung, Managergehälter sowie die Vereinbarung von Familie und Beruf gewesen.

Von dpa/RND/zys/jen

Emder VW-Werk senkt Planungszahlen für Passat

Wegen schwächelnder Nachfrage reduziert VW die Planungszahlen für die Passat-Produktion im ostfriesischen Emden. In diesem Jahr sollen rund 237 000 Neuwagen vom Band laufen, 9000 weniger als ursprünglich geplant, sagte ein Werksprecher am Dienstag. Dies hatte zuvor die "Emder Zeitung" berichtet. Mögliche Auswirkungen auf die Produktion des neuen Modells Arteon stünden noch nicht fest. Ob die Emder Planungszahlen auch für das Jahr 2018 nach unten korrigiert werden müssten, lasse sich schwer vorhersagen. Die Absatzflaute führt jetzt im März und April zu insgesamt acht Schließtagen, an denen die Produktion ruhen soll.

dpa