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Deutschland / Welt Bierbranche vor beispielloser Fusion
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19:56 16.09.2015
In Honduras der Marktführer: Imperial von SAB Miller. Quelle: dpa
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Berlin/Brüssel

Es wäre ein Megadeal - und eine der größten Übernahmen überhaupt in der Wirtschaftsgeschichte. Der belgische Bier-Gigant AB Inbev will mit seinem schärfsten Rivalen SABMiller aus Großbritannien zusammengehen. Werden die Kaufpläne konkret und finden sie die Zustimmung der Wettbewerbshüter, entstünde der mit Abstand mächtigste Braukonzern der Welt. Gemeinsam wären beide Gruppen - schon heute die Nummer eins und zwei im Biergeschäft - bereits Ende 2014 auf einen globalen Marktanteil von mehr als 30 Prozent gekommen.

AB-Marken wie Beck's, Budweiser und Stella Artois kämen unter ein Dach mit bekannten SAB-Namen wie Foster's, Pilsner Urquell und Grolsch. Der noch Drittplatzierte Heineken (Paulaner, Desperados) aus den Niederlanden geriete - auch im Kampf um weitere Marktanteile vor allem um die Biertrinker in Schwellenländern - stärker unter Druck.

In der Gerüchteküche hatte es schon länger gebrodelt. Nun bestätigten die Belgier und die Briten am Mittwoch entsprechende Kontakte: SABMiller solle grundsätzlich ein Angebot erhalten - über die Einzelheiten wisse man jedoch noch nichts, hieß es aus London. Die Aktien beider Konzerne schossen in die Höhe, zum möglichen Kaufpreis gab es aber noch keine Angaben. Nach früheren Berichten des "Wall Street Journal" könnte es um umgerechnet 94 Milliarden Euro gehen.

Es wäre der Höhepunkt einer jahrelangen Konsolidierungswelle. AB Inbev könnte seine Ertragskraft und seine Einkaufsmacht gegenüber Rohstoff-Lieferanten stärken. Ob der Deal wirklich klappt, sei noch nicht sicher, schränkte der Konzern ein. Die schiere Dimension der Pläne sorgte aber für Aufsehen: Zusammen kommen die zwei weltgrößten Brauer schon heute auf einen Börsenwert von 250 Milliarden US-Dollar (221 Mrd Euro), SABMiller allein auf etwa 80 Milliarden Euro.

Der Biermarkt ist heftig umkämpft. 2014 war SABMiller seinerseits mit dem Versuch gescheitert, Heineken zu übernehmen. Die Nachkommen des Brauerei-Gründers Gerard Adriaan Heineken wollten "das Erbe und die Identität von Heineken als unabhängiges Unternehmen bewahren", wie es damals hieß.

Warum aber gerät das Übernahme-Karussell nun wieder derart in Schwung? Es gibt mehrere Gründe. Zum einen sind die weltweiten Branchenriesen regional höchst unterschiedlich aufgestellt. Zum anderen herrscht vor allem in Westeuropa ein harter Preiskampf. Und in den USA bedrängen Craft-Brauereien - unabhängige Hausbrauereien - die etablierten Konzerne. Ihr Marktanteil in dem Milliardengeschäft liegt laut Branchenstudien bereits bei knapp unter zehn Prozent - Tendenz steil ansteigend. Das wiederum drückt auf die Gewinne der Großen.

Auch in Deutschland toben Verteilungskämpfe. Der Bierausstoß ist seit Jahren rückläufig, Wachstum über Preiswettbewerb geht zulasten der Renditen. Größere Auswirkungen für den deutschen Biertrinker und die Vielfalt des Angebots hierzulande hätte der belgisch-britische Deal aber wohl nicht, schätzt Niklas Other, Herausgeber des Fachmagazins "Inside Getränke": "Beide Konzerne treten hier eher getrennt auf. Das hätte also eher keine direkte Bedeutung für Deutschland."

Weltweit steigt der Bierausstoß in Schwellenländern wie China oder Brasilien und auch in einigen Entwicklungsländern. Das meiste Bier wird längst im Reich der Mitte getrunken. Die Weltproduktion stieg allerdings 2013 nur um 0,6 Prozent - ein Rückgang gegenüber den Raten der letzten Jahre, wie aus Analysen der Barth-Haas-Gruppe hervorgeht.

Der globale Biermarkt wird von einer Fünfergruppe dominiert. Neben AB Inbev und SABMiller sind dies Heineken, Carlsberg aus Dänemark und die chinesische CRB-Gruppe. Über die Hälfte allen Bieres wird von ihnen gebraut. Sie sind jedoch unterschiedlich aufgestellt. AB Inbev - vor allem in Nord- und Südamerika stark - würde mit der Übernahme von SABMiller seine Position in Europa ausbauen. Marken wie Pilsner Urquell und Tyskie stehen für die Stärke des Konzerns in Osteuropa.

Und die deutschen Brauereien? Sie spielen international keine große Rolle. Unter den größten Bierkonzernen der Welt tauchte Ende 2014 gemessen am Ausstoß der erste deutsche Vertreter auf Rang 21 auf: die Radeberger-Gruppe. Auf Platz 25 folgte Oettinger, an 32. Stelle die Bitburger-Gruppe. AB Inbev erzielte 2014 einen Bierausstoß von 411,5 Millionen Hektolitern, der ganze deutsche Markt kam auf 95,6 Millionen.

dpa

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