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Edeka darf sich bedienen

Edeka und Tengelmann Edeka darf sich bedienen

Seit Monaten wartet die Handelsbranche auf dieses Votum aus Berlin. Das ist jetzt gefallen: Gabriel wird die umstrittene Übernahme der angeschlagenen Kette Tengelmann durch Edeka per Ministererlaubnis genehmigen - mit Auflagen. Er fordert Job-Garantien.

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Umstritten: Geplante Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch den Handelsriesen Edeka.

Quelle: dpa

Berlin/Hannover. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will dem Handelsriesen Edeka die umstrittene Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann per Sondergenehmigung erlauben – aber nur unter harten Auflagen. So müsse Edeka bei dem Kauf garantieren, dass die rund 16 000 Arbeitsplätze bei Kaiser’s Tengelmann mindestens für fünf Jahre „weitgehend“ sicher seien und die Mitarbeiter tariflich bezahlt würden, sagte Gabriel am Dienstag.

Erfüllt Edeka alle Bedingungen, hält es der SPD-Chef für gerechtfertigt, das Nein der Wettbewerbshüter vom Bundeskartellamt mit einer Ministererlaubnis zu überstimmen. Deutschlands größter Einzelhändler Edeka wähnt sich nun so gut wie am Ziel und begrüßte die Vorentscheidung als guten Tag für die Kaiser’s-Beschäftigten und den Wirtschaftsstandort Deutschland: „Die heutige Entscheidung sichert 16 000 Arbeitsplätze, entlastet die Sozialhaushalte und fördert den deutschen Mittelstand in Familienhand“, teilte der Edeka-Konzern mit, der bereits heute 25 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels kontrolliert.

Tengelmann schreibt seit Jahren rote Zahlen

Tengelmann schreibt seit Jahren rote Zahlen und ist heute nur noch in den Großräumen Berlin, Rhein-Ruhr und München aktiv.

Gabriel will es Edeka aber nicht leicht machen. Edeka darf in den kommenden fünf Jahren keine der rund 450 Filialen an selbstständige Kaufleute abgeben, anschließend sind für zwei Jahre betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. In allen drei Regionen müssten die Auflagen durch verbindliche Tarifverträge abgesichert sein, ließ Gabriel weiter wissen. Dazu gehöre auch, dass die Birkenhof-Fleischwerke, die Edeka schließen wollte, für drei Jahre als Ganzes erhalten bleiben. Unterm Strich würde für einen Zeitraum von sieben Jahren die Beschäftigung von 16 000 Mitarbeitern tariflich gesichert.

Gabriel: "Es gibt keine Hintertür"

Edeka müsse alle Bedingungen erfüllen, sonst werde er keine Ministererlaubnis „unter aufschiebenden Bedingungen“ erteilen, betonte Gabriel: „Das bedeutet, dass die in der Ministererlaubnis genannten Bedingungen erfüllt sein müssen, bevor der beabsichtigte Verkauf von Kaiser’s Tengelmann an Edeka vollzogen werden kann.“ Gabriel sagte: „Es gibt also keine Hintertür.“

Das Bundeskartellamt hatte den Kauf der rund 450 Läden durch Edeka Anfang April aus Wettbewerbsgründen abgelehnt. Um das Veto auszuhebeln, beantragten die Supermarktketten bei Gabriel eine Ministererlaubnis. Auch die Monopolkommission war gegen die Übernahme. Edeka, Tengelmann sowie die Mitbewerber haben nun 14 Tage Zeit, sich zu den Auflagen zu äußern. Danach wird Gabriel endgültig entscheiden.

Sollte der Deal wie geplant zustande kommen, würden die Tengelmann-Filialen und wohl auch ein Fleischwerk im Raum Berlin und der Edeka Minden-Hannover zugeschlagen. Die größte der sieben Edeka-Regionalgesellschaften dürfte um gut 120 Läden mit 5500 Beschäftigten und mehr als einer halben Milliarde Euro Umsatz wachsen. Damit würden die Mindener ihre Führungsposition in der Hauptstadt drastisch ausbauen.

Schon heute kommt die Edeka Minden-Hannover in Berlin auf mehr als 160 Geschäfte und 8000 Mitarbeiter. Zwischen niederländischer und polnischer Grenze zählt der Händlerverbund mehr als 1500 Läden, 16 Milliarden Euro Umsatz und 67 000 Beschäftigte. Allein 31 000 von ihnen arbeiten in Niedersachsen.

Die größten Lebensmittelhändler in Deutschland

Der Lebensmittelhandel in Deutschland ist hartumkämpft und wird von einer Handvoll großer Ketten dominiert. Die größten Unternehmen in Deutschland (nach Umsatz „Food/Lebensmittel“ im Inland 2014):

1. Edeka-Gruppe (einschließlich Netto): 47 Milliarden Euro
2. Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland): 27,7 Milliarden Euro (geschätzt)
3. Rewe-Gruppe (einschließlich Penny): 27,6 Milliarden Euro (geschätzt)
4. Aldi-Gruppe: 22,6 Milliarden Euro (geschätzt)
5. Metro-Gruppe (Real, Metro): 10,8 Milliarden Euro (geschätzt)
....
13. Tengelmann-Gruppe (Kaiser’s Tengelmann): 1,98 Milliarden Euro

Quelle: „Lebensmittelzeitung“/Trade Dimensions

Tim Braune und Lars Ruzic

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