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Das ist nicht bieder – das ist retro!

Alte Marken und neuer Schwung Das ist nicht bieder – das ist retro!

Mehr als 17 Millionen Paare verkaufte Birkenstock im vergangenen Geschäftsjahr, selbst Hollywood-Stars tragen die Korkschuhe. Die ehemaligen "Ökolatschen" profitieren vom Retro-Trend – und sind damit nicht allein in Deutschland.

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Imagewandel: Birkenstock-Sandalen galten lange als „Ökolatschen“. Inzwischen finden viele die Schuhe schick. 

Quelle: dpa

Die Firma Birkenstock muss Phoebe Philo dankbar sein. Seit die Céline-Designerin ihre Models bei der Vorstellung einer neuen Kollektion in den Kork-Schuhen über einen Pariser Laufsteg gehen ließ, ist es vorbei mit dem Bieder- image der „Ökolatschen“: Seither haben sich die Google-Suchanfragen nach der Marke fast verdreifacht. Selbst Hollywood-Größen tragen sie inzwischen an den Füßen. Mehr als 17 Millionen Paare verkaufte Birkenstock im vergangenen Geschäftsjahr, der Umsatz stieg um mehr als ein Fünftel auf 333 Millionen Euro.

„Alte Marken sind nur erfolgreich, wenn sie zeitgemäß wirken“, sagt Professor Martin Fassnacht, Inhaber des BWL-Lehrstuhls der Otto Beisheim School of Management. „Birkenstock steht für Gesundheit, Ökologie - man präsentiert diese Werte aber in einem modernen Look.“ Inzwischen reicht das Sortiment neben dem Klassiker mit breiten Schnallen zu Modellen mit Silberschnallen oder Kunststoff in Neonpink.

Der Erfolg von Birkenstock zeige: „Retro“ müsse einhergehen mit dem Willen zur Weiterentwicklung, sagt Anneke Neuhaus von der Frankfurt University of Applied Sciences. Das Vertrauen in eine Marke lasse sich dauerhaft nur erhalten, wenn Innovationen nicht vernachlässigt würden.

Nicht allen gelingt das - die Liste der Verlierer ist lang. Leica jedoch hat die Kehrtwende geschafft: Vor zehn Jahren stand der Kamerahersteller aus Wetzlar mit dem Rücken zur Wand. Das Unternehmen hatte den Einstieg in die Digitalfotografie verpasst. Es geriet in Existenznöte: Millionenverluste, Sparkurs, Hunderte verloren ihren Job. Der Erfolg kam mit der erfolgreichen M-Serie zurück. Im April verkündete das Unternehmen ein Rekordumsatz in Höhe von 365 Millionen Euro für 2015. Wer mit Leica fotografiert, trägt heute ein Statussymbol um den Hals. „Manche Leute kaufen wenige Produkte“, sagt Marketingexperte Sascha Friesike. „Aber für jene, die sie kaufen, sind sie bereit, viel Geld auszugeben.“

Zudem bestechen Retro-Marken oft durch ihre Einfachheit - bei der Technik, aber auch beim Design. „Heute werden Desserts in kleinen Gläschen serviert, damit die Gäste auch im Stehen miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Beisheim-Experte Fassnacht. Rund 40 Millionen Euro hat der Hersteller der „Weck“-Gläser im vergangenen Jahr umgesetzt. Den Großteil der Geschäfte macht man heute mit Gefäßen für das Gewerbe und die Gastronomie. Als Einmachgläser haben sie weitgehend ausgedient - auch wenn viele das „Einwecken“ noch mit der Marke in Verbindung bringen.

von David Fischer

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