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Bitcoin trotzt Drohungen aus China

Cyberwährung Bitcoin trotzt Drohungen aus China

Der Wert der Cyberwährung Bitcoin hat sich seit Jahresbeginn verfünffacht. Ankündigungen aus China, künftig vehement gegen das Cybergeld vorzugehen, sorgten nur für einen Dämpfer. Das eigene Geld in Bitcoins zu stecken, ist dennoch keine gute Idee.

Die Bitcoin-Münze ist nur ein Symbol – in Wirklichkeit existiert das Geld nur digital.

Quelle: dpa

Frankfurt. Der Kurs der digitalen Cyberwährung Bitcoin ist im September stark gefallen. Grund war die Ankündigung Chinas, künftig vehement gegen das digitale Zahlungsmittel vorzugehen. Offensichtlich will das Land verhindern, dass mithilfe des Bitcoins Kapitalverkehrskontrollen umgangen werden. Der Einbruch kann den Wertzuwachs allerdings nur trüben – seit Jahresbeginn ist der Kurs des Bitcoins­ trotzdem um mehr als 500 Prozent gestiegen. Finanzexperten raten Anlegern aber dringend, die Finger von der mythenumrankten Währung zu lassen. Ein Überblick:

Was ist Bitcoin überhaupt?

Bitcoin ist eine digitale Währung, die 2009 entstanden ist. Das Zahlungsmittel wird nicht zentral ausgegeben, sondern von sogenannten Bitcoin-Minern mittels einer Software generiert. Der Name setzt sich zusammen aus den Wörtern „Münze“ (Coin) und Zahlenreihen (Bits). Es gibt weder Bitcoin-Münzen noch -Scheine – wie etliche Fotos suggerieren – das Geld existiert allein als Ergebnis einer Rechenoperation des Computers.

Wie wird das digitale Geld geschaffen?

Bitcoins sind das Ergebnis hochkomplexer mathematischer Algorithmen. Beim sogenannten Schürfen („Mining“) errechnen Computer verschlüsselte Zeichenfolgen, die bestimmten mathematischen Bedingungen genügen müssen. Je mehr Bitcoins auf dem Markt sind, umso komplizierter wird ihre Errechnung. Deshalb brauchen die Computer auch immer mehr Leistung. Und weil der Strom in China so billig ist, wurden hier in der Vergangenheit die meisten Bitcoins geschürft. Der komplizierte Algorithmus sorgt dafür, dass maximal 21 Millionen Bitcoins produziert werden können – 16 Millionen davon wurden schon entdeckt. Man muss Bitcoins aber nicht selbst herstellen, man kann sie auch auf speziellen Börsen erwerben. An diesen Börsen können Bitcoin-Besitzer ihre Cyberwährung auch wieder in Euro oder Dollar umtauschen.

Kann man mit Bitcoin tatsächlich bezahlen?

In einigen Onlineshops kann man das. Zu den großen gehören Microsoft, Expedia und Dell. Aber auch in einigen wenigen Restaurants, Shops oder bei Dienstleistern kann man theoretisch mit Bitcoin bezahlen. Die Internetplattform BTC-Echo listet derzeit knapp 160 Akzeptanzstellen in Deutschland. In anderen Ländern ist der Bitcoin stärker verbreitet. So hat Japan die Kryptowährung im April dieses Jahres zum offiziellen Zahlungsmittel erklärt. Damit gehen aber auch stärkere Kontrollen einher.

Was ist das Problem an der Cyberwährung?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Währungen wird der Bitcoin nicht von einer Zentralbank ausgegeben. Befürworter schätzen genau das – denn der Bitcoin ist unabhängig von Banken, Zahlungsdienstleistern und staatlicher Regulierung. Nicht zufällig ist er kurz nach der Finanzkrise 2008 entstanden. Allerdings öffnet genau das auch Missbrauch Tor und Tür. So fürchten Kritiker, dass mithilfe des Bitcoins Geld gewaschen werden könnte. Außerdem könnten Kriminelle und Terroristen relativ unentdeckt ihre Machenschaften finanzieren. Japan hat mit der Legalisierung deshalb strenge Regeln eingeführt. So müssen sich Finanzdienstleister und Börsen bei Geschäften mit dem Onlinegeld künftig an staatliche Auflagen halten, wie sie auch für andere Währungen gelten. Sie sollen zum Beispiel Geldwäsche verhindern und in der Lage sein, ihre Kunden zu identifizieren. Außerdem müssen künftig Regeln zur Cybersicherheit eingehalten werden.

Warum raten Experten von Bitcoins als Geldanlage ab?

Die Cyberwährung unterliegt extremen Schwankungen. Wer Bitcoins kauft, muss also damit rechnen, dass sein Geld in nur wenigen Tagen nur noch die Hälfte wert ist. Der Bitcoin sei keine Währung, sondern vielmehr ein Spekulationsobjekt, sagte zum Beispiel kürzlich der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Vitor Constancio. Außerdem könnte die Blase bald platzen. Die Verfünffachung des Wertes seit Jahresbeginn hat ihren Ursprung vor allem in der Faszination für die mysteriöse Bitcoin-Story. Mit Fundamentaldaten sei der Anstieg kaum zu erklären, sagt Dirk Schrade von der Bundesbank.

Ist die Bitcoin-Methode ein Vorbild für die Finanzwelt?

Unbedingt. Die Technologie, die hinter dem Bitcoin und anderen digitalen Währungen steckt, nennt sich Blockchain. Vorstellen kann man sich das wie eine Art Superdatei, die zum Beispiel Überweisungen sicher abwickelt – ohne dass eine Bank dazwischengeschaltet werden muss. Weil die Blockchain-Technologie vor allem die Banken in Teilen überflüssig machen könnte, forschen die Institute selbst daran. 42 Großbanken haben sich dafür zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das sich R3 nennt. Der Gedanke: Wenn die Banken die Blockchain-Technologie nicht bereitstellen, wird es jemand anderes tun. Und dann sind sie erst recht abgehängt.

Von Anne Grüneberg/RND

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