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Boehringer will Kosten in Deutschland einsparen

Preisdruck Boehringer will Kosten in Deutschland einsparen

Boehringer Ingelheim muss sparen. Der Pharmahersteller spürt steigenden Preisdruck, schärfere Konkurrenz und reagiert: Der Zuwachs an Mitarbeitern wird deutschlandweit gestoppt. Betroffen von den Maßnahmen sind alle Standorte – auch der in Hannover.

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Sparprogramm bei Boehringer: Auch der Standort in Hannover ist betroffen.

Quelle: dpa

Hannover. Der zweitgrößte deutsche Pharmahersteller Boehringer Ingelheim hat sich ein ambitioniertes Sparprogramm verordnet – und nimmt dabei auch den jüngsten Konzernstandort in Hannover nicht aus. Die Kosten sollen bundesweit um 15 Prozent verringert und Neueinstellungen möglichst vermieden werden. „Wir müssen uns Freiraum verschaffen. Dieser Freiraum wird uns ermöglichen, weiterhin intensiv in organisches und nachhaltiges Wachstum zu investieren“, erklärte Boehringer-Chef Andreas Barner am Montag in Ingelheim am Rhein.

Im ersten Halbjahr 2014 hat das Familienunternehmen überraschend stark an Umsatz verloren – nicht nur durch Währungskurseinflüsse, sondern auch im operativen Geschäft. Um etwa 8 Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro schrumpften die Erlöse. Dabei musste Boehringer nach eigenen Angaben mit steigendem Preisdruck und Marktveränderungen kämpfen. „Das Jahr ist von zahlreichen Umbrüchen und Herausforderungen geprägt“, sagte Barner.

Gleichzeitig baute der Pharmahersteller kräftig Personal auf – fast 1000 Stellen wurden allein in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten geschaffen. Im 2012 eröffneten Forschungszentrum für Tierimpfstoffe in Hannover wuchs die Belegschaft im gleichen Zeitraum um fast 50 Prozent auf derzeit 90 Beschäftigte. Die Zielzahl von 100 Mitarbeitern für das Jahr 2017 haben die Hannoveraner damit drei Jahre früher schon fast erreicht. Man strebe beim Personal nun eine „Konsolidierungsphase“ an, teilte Boehringer mit. An der Zielzahl für Hannover werde jedoch nicht gerüttelt, sagte eine Sprecherin. Die Tierforscher müssen jedoch wie ihre Kollegen in den klassischen Pharmabereichen sondieren, wo sie sparen können.

Die Sparte Tiergesundheit ist im Vergleich zum Kerngeschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten ein kleines Segment im Konzern – aber ein wachsendes. Im ersten Halbjahr legte der Bereich währungsbereinigt um 6 Prozent auf 536 Millionen Euro zu. Gut ein Drittel entfällt auf Schweinepräparate, wie sie auch in Hannover erforscht werden.

Boehringer macht derzeit ein klassisches Problem forschender Pharmaunternehmen zu schaffen: Bei einstigen „Blockbustern“ – Medikamenten mit Milliardenumsatz – laufen die Patente aus, was Nachahmerpräparate auf den Markt drängen und die eigenen Umsätze und Margen einbrechen lässt. Gleichzeitig fehlt es aber an Innovationen, die rechtzeitig auf den Markt kommen, um diese Verluste zu kompensieren.

Trotz des strikten Kostenmanagements bleibe die Einführung neuer Produkte deshalb erste Priorität, sagte Barner. Außerdem sollen in diesem Jahr weltweit rund 643 Millionen Euro in Sachanlagen investiert werden – fast die Hälfte in der Bundesrepublik. Der Boehringer-Konzern beschäftigte 2013 weltweit rund 47 500 Mitarbeiter. In Deutschland waren es Ende Juni 2014 etwa 14 000 Beschäftigte.

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