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Deutschland / Welt Brauchen wir das Bargeld noch?
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09:23 23.02.2016
„Es wird Bargeld geben“: Ob der 500-Euro-Schein überlebt, steht allerdings zur Debatte. Quelle: Joe Krefft
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Frankfurt/Main

In einigen Ländern scheint es fast so weit zu sein. Viele Schweden und Dänen haben kein Bargeld mehr im Portemonnaie. Sie bezahlen entweder mit Karte oder mobil über eine App mit ihrem Handy - ob im Supermarkt, auf dem Flohmarkt, im Taxi oder in der Kneipe. Noch sind Geschäfte verpflichtet, Bargeld anzunehmen. Doch auch das steht zur Debatte. Ähnlich ist es in Neuseeland: Als die Notenbank des Landes vor fünf Monaten eine neue, besser gegen Fälschung geschützte 100-Dollar-Note vorstellte, tat sie dies mit dem Hinweis, im Hinblick auf die bargeldlose Gesellschaft sei dies womöglich die letzte.

In Deutschland hängen die Menschen dagegen an Schein und Münze. Sie zahlen nach wie vor vor allem bar: Bei 79 Prozent der Transaktionen, wie die Bundesbank anhand Daten von 2014 errechnet hat. Gut die Hälfte der Umsätze im Einzelhandel werden mit Bargeld abgewickelt. Die Angst vor dem Diebstahl sensibler Bankdaten lässt die Mehrheit der Deutschen vor Geldgeschäften per Smartphone zurückschrecken. Generell sehen laut einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC fast neun von zehn Deutschen die Gefahr, dass dabei Daten gehackt und missbraucht werden.

Bargeld solle auch nicht abgeschafft werden, betonten Politiker und die Europäische Zentralbank unisono. Es gehe vielmehr darum, die Finanzierung von Terror und Kriminalität zu erschweren. Deswegen soll auch die größte Euro-Banknote auf den Prüfstand - der lilafarbene 500-Euro-Schein. „Der ist ein Instrument für illegale Aktivitäten“, sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, jüngst. Das hat unter anderem praktische Gründe: Je größer der Wert der Scheine, desto geringer ist der Transportaufwand für Kriminelle.

Ob ein Ende des größten Scheins wie auch ein Verbot größerer Bargeschäfte tatsächlich Geldwäsche, Terrorfinanzierung und andere kriminelle Machenschaften eindämmen können, ist umstritten. Geldwäsche laufe längst weit überwiegend bargeldlos über Scheinfirmen, argumentiert beispielsweise der Experte für Schattenwirtschaft an der Universität Linz, Friedrich Schneider.

In einigen Ländern mit hoher Inflation geht die Debatte sogar in die umgekehrte Richtung. Angesichts der galoppierenden Inflation in Venezuela - 181 Prozent im vergangenen Jahr - wünschen sich die Menschen größere Scheine. Der größte, der 100-Bolivar-Schein, ist keine 10 Cent mehr wert. Wenn zum Beispiel 80 000 Bolivar (100 Dollar) zu zahlen sind, macht das 800 Scheine.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hält die Diskussion für eine „Phantomdebatte“: „Es wird Bargeld geben und in welcher Scheingröße, muss am Ende die EZB entscheiden. Aber davon wird die Welt nicht untergehen“.

dpa

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