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Deutschland / Welt Heizölkäufer haben die freie Wahl
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00:15 17.12.2015
Schnell auf Nummer sicher gehen? Heizölkunden müssen nach Ansicht von Experten vorerst keine steigenden Preise fürchten. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Das Kartell, das einst die Preise diktierte, funktioniert nicht. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet inzwischen weniger als 40 Dollar (rund 37 Euro) – das ist der tiefste Stand seit elf Jahren.

Für Verbraucher sind das gute Nachrichten. Nach einer Studie der Verbraucherzentralen geben Unternehmen ihre Ersparnis beim Einkauf zwar nicht voll an die Kunden weiter, aber beim Heizöl schlägt der Preisverfall zum großen Teil durch. Tecson, ein Hersteller von Tankmesssystemen, ermittelte am Wochenende 46,6 Cent pro Liter im bundesweiten Durchschnitt – im Norden tendenziell etwas weniger, im Süden etwas mehr. Vor einem Jahr waren es 65 Cent, vor zwei Jahren 85 Cent.

„Die Verbraucher ordern munter“, sagt Klaus Bergmann, Gründer des Vergleichsportals Esyoil in Lüneburg. Damit machten sie nichts falsch, die Analyse zeige „überall im Land Kaufsignale“. Die Frage ist nur, ob diese Gelegenheit unbedingt genutzt werden muss, bevor die Preise wieder steigen – oder ob es sich sogar lohnt, auf noch günstigere Gelegenheiten zu warten.

Es gebe zwei Arten von Kunden, heißt es beim hannoverschen Mineralölhändler Team Energie: „Die einen pokern – die anderen wollen vor Weihnachten noch auf Nummer sicher gehen.“ Die Nachfrage sei in diesem Jahr spürbar geringer als sonst zu dieser Jahreszeit, sagt auch eine Sprecherin des Konkurrenten Mundt. Bestellungen kämen vor allem von Hausverwaltungen herein.

Auch die professionellen Beobachter sind hin- und hergerissen: „Natürlich kann man heute supergünstig sein Heizöl bestellen“, heißt es bei Tecson: „Dennoch ist weiteres Abwarten zu favorisieren.“ Esyoil-Chef Bergmann hat einen „simplen Rat an alle Kurzentschlossenen“. Verlangt der Tank demnächst eine Füllung, gilt: „Kaufen Sie! Der Preis ist spitze.“ Reicht die Reserve noch, ist damit aber keine Chance verpasst, denn: „Setzen Sie ruhig auf einen erneuten Abwärtsschwung.“ Wer mit der Bestellung bis zum letzten Moment wartet, hat nur ein Risiko: Kommt ein Kälteeinbruch, muss er sich mit vielen anderen Kurzentschlossenen beim Händler womöglich in eine lange Warteschlange einreihen.

Nachhaltig steigende Ölpreise erwartet zunächst kaum ein Experte. Die Opec wird erst im nächsten Sommer wieder eine gemeinsame Linie suchen. Andere Lieferanten wie Russland haben ebenfalls kein Interesse an Produktionskürzungen, der Iran wird nach dem Ende des Embargos bald wieder liefern, und die Konjunktur spricht nicht für steigende Nachfrage. Dagegen stehen Risiken wie die Unruhe im Nahen Osten und ein steigender Dollarkurs – die Währung, in der Rohöl bezahlt wird. Bergmann erwartet „in nicht allzu ferner Zukunft einen noch günstigeren Heizölpreis“.

Von Stefan Winter und Jens Heitmann

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