Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Bund stellt Verkauf von Bundesschatzbriefen ein
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Bund stellt Verkauf von Bundesschatzbriefen ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:37 28.12.2012
Die Finanzagentur gibt die Bundeswertpapiere heraus, über die sich der Staat Geld leiht. Das wird sich künftig ändern: Nach mehr als vier Jahrzehnten verkauft der Staat ab 2013 keine Bundesschatzbriefe mehr. Quelle: dpa
Anzeige
Frankfurt/Main

Nach mehr als vier Jahrzehnten verkauft der Staat von 2013 an keine Bundesschatzbriefe mehr. Für Generationen von Sparern endet damit eine fast emotionale Beziehung zu den „Schätzchen“ genannten Papieren. Der Bund indes verweist nüchtern auf die hohen Kosten. Privatkunden müssen Bundesanleihen ab Januar über ihre Hausbank erwerben und dafür Gebühren zahlen.

1968 erdacht, entwickelte sich der Schatzbrief ab 1969 zum Klassiker unter den Bundeswertpapieren. Die erste Geldanlage des deutschen Staates für die breite Masse wurde zur Institution - wie der Weltspartag oder das Sparbuch fürs Kind. Doch Anfang Juli dieses Jahres teilte die Finanzagentur, die Schuldenverwalterin des Bundes, lapidar mit: „Ab 2013 wird der Bund keine neuen Serien von Bundesschatzbriefen und Ausgaben von Finanzierungsschätzen des Bundes mehr auflegen.“

Noch im Januar 2011 schwärmte die Frankfurter Behörde von der „beachtlichen Erfolgsgeschichte, die der Bundesschatzbrief seit über 40 Jahren und mehr als 500 Ausgaben schreibt“. Praktisch jedes Sparziel lasse sich mit einem solchen Investment verfolgen.

Der niedrige Mindestanlagebetrag (zunächst 100 D-Mark, später 50 Euro) und lange Zeit üppige Zinsen - in der Spitze fast zehn Prozent - überzeugten tausende Anleger. Seit der ersten Auflage am 2. Januar 1969 gab es 574 Ausgaben der „Bundesschätzchen“, 142 laufen noch. Der letzte Bundesschatzbrief wird am 1. September 2019 fällig.

Anfang Dezember 2012 verwaltete die Finanzagentur noch rund 300.000 sogenannte Einzelschuldbuchkonten, auf denen Privatkunden rund 7,3 Milliarden Euro angelegt hatten. Viele Sparer halten vor allem die über sechs oder sieben Jahre laufenden Bundesschatzbriefe. „Die Kosten des Privatkundengeschäfts standen insbesondere in jüngerer Vergangenheit in keinem ausgewogenen Verhältnis mehr zu seiner Bedeutung bei der Kreditaufnahme“, erklärte ein Sprecher der Bundesrepublik Deutschland-Finanzagentur GmbH.

In der jüngsten Krise büßten Bundeswertpapiere für Privatanleger an Attraktivität ein: Weil die Zinsen im Euroraum auf Rekordtief liegen, werfen solche Anlagen nur noch mickrige Renditen ab. Dagegen stürzen sich Banken, Versicherer und Fonds auf deutsche Schuldtitel, weil diese als einer der wenigen verbliebenen sicheren Häfen im Euroraum gelten. Investoren nahmen teils sogar Negativzinsen in Kauf.

Privatleute könnten auch nach der Einstellung des Vertriebs der klassischen Privatanlegerpapiere „in Bundeswertpapiere investieren“, erklärte der Finanzagentur-Sprecher: „Es steht ihnen mit den börsengehandelten Bundeswertpapieren, den fünfjährigen Bundesobligationen, den zwei Jahre laufenden Bundesschatzanweisungen oder den zehn- und dreißigjährigen Bundesanleihen weiterhin ein breites Anlagespektrum in sicheren Staatstiteln zur Verfügung.“

Viele Anleger stehen mit Börsen oder anderen Anleiheformen jedoch auf Kriegsfuß, wie Fidelity mit einer repräsentativen Umfrage untermauerte. YouGov fand im Auftrag des Vermögensverwalters unter 1000 Befragten heraus, dass Anleger, die Sicherheit und Rendite in Anleihen suchen, überwiegend auf Wertpapiere der Bundesrepublik Deutschland vertrauten. Jeder Vierte (26 Prozent) investierte mindestens ein Mal in Bundesanleihen. Von den über 55-Jährigen vertrauten 34 Prozent Vater Staat schon einmal Geld an. Dagegen kauften nur 16 Prozent der 25- bis 34-Jährigen Bundeswertpapiere.

Noch wirbt „Günther Schild“, das Maskottchen der Finanzagentur, für „die entspannendste Geldanlage Deutschland“. Privatkunden wird die Schildkröte mit ihrer Expertise („Mit Geld ist es wie mit Salat. Wenn ich es in Ruhe wachsen lasse, bringt es mir am meisten.“) aber bald nicht mehr ansprechen. Mit der Einstellung des Privatkundengeschäfts erübrige sich die Werbung, lässt die Frankfurter Behörde wissen: „Unser Testimonial, Finanzexperte Günther Schild, hat deshalb bereits vor einiger Zeit sein vorerst letztes Quartier am Sitz der Finanzagentur im Nordwesten Frankfurts bezogen.“

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wenn die Bundesbürger im kommenden Jahr einen Brief verschicken, werden sie sich an eine neue Zahl gewöhnen müssen: 58 Cent kostet das Porto dann für den Standardbrief. Zum ersten Mal seit 15 Jahren erhöht die Deutsche Post das Briefporto.

28.12.2012

Die Blechlawinen geraten ins Stocken: Autofahrer in Deutschland haben 2012 Tausende Stunden in langen Staus festgesteckt.

27.12.2012

Die Benzinpreise waren in diesem Jahr nicht nur so hoch wie noch nie, sie änderten sich auch täglich um beträchtliche Spannen. Offen ist, ob die Preismeldestelle beim Kartellamt im nächsten Jahr die häufigen Schwankungen eindämmen wird oder sie weiter verschärft.

28.12.2012
Anzeige