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Deutschland / Welt Calenberger Kreditverein ist Unikat in der Hypothekenbank-Branche
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Calenberger Kreditverein ist Unikat in der Hypothekenbank-Branche
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23:45 23.06.2011
Von Albrecht Scheuermann
Bankchef mit Ritterrüstung: Jens Zotzmann leitet die kleinste deutsche Hypothekenbank. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Die Bank dürfte es eigentlich nicht mehr geben – so aus der Zeit gefallen wirkt sie auf den ersten Blick. Vorstandschef Jens Zotzmann spricht von einer „langweiligen Bank“, aber dafür hat der Calenberger Kreditverein in Hannover zu viele Besonderheiten.

Das geht schon mit dem Namen los: Vollständig heißt sie Calenberg-Göttingen-Grubenhagen-Hildesheim’scher ritterschaftlicher Kreditverein. Damit dürfte das Institut ein heißer Kandidat für die Bank mit dem längsten Namen sein. Zudem handelt es sich um Deutschlands kleinste Hypothekenbank – und, viel skuriler, um eine von nur zwei Banken, bei denen das Zeitalter der Ritter immer noch nicht ganz zu Ende ist. Das andere Geldhaus hat seinen Sitz ebenfalls in Niedersachsen, es ist das Ritterschaftliche Kreditinstitut Stade.

Träger des Kreditvereins sind auch heute noch die Calenberg-Göttingen-Grubenhagen’sche und die Hildesheim’sche Ritterschaft, beides uralte öffentlich-rechtliche Körperschaften, die auch über die Zusammensetzung des Verwaltungsrats entscheiden. Und so haben fünf von sechs Mitgliedern das adelige „von“ in ihrem Namen.

Damit hat die Bank ihre Traditionen seit der Gründung 1825 über alle Umbrüche hinweg bis heute bewahrt – und das gilt auch für den Unternehmenszweck. „Der Kreditverein verfolgt in erster Linie den Zweck, der Land- und Forstwirtschaft möglichst günstigen Realkredit zu gewähren. Die Erzielung von Gewinn ist insoweit nicht Hauptzweck des Geschäftsbetriebes“, heißt es in der Satzung.

Das steht nicht nur auf dem Papier. Auch heute entfällt auf die Kunden aus der Landwirtschaft mehr als die Hälfte des Kreditvolumens, und diese erhalten auch im Gegensatz zu anderen Kunden eine Zinsrückvergütung. Gewinnausschüttungen gibt es dagegen nicht.

Dass es sich tatsächlich um eine sehr spezielle Bank handelt, hat sogar der deutsche Gesetzgeber akzeptiert. Im vor einigen Jahren erneuerten Pfandbriefgesetz findet sich für die beiden Ritterbanken aus Niedersachsen eine Ausnahme von den allgemeinen Kapitalvorschriften – und sie werden als einzige Banken im Gesetz ausdrücklich genannt.

2010 war das beste Jahr in der Geschichte des Calenbeger Kreditvereins

Das alles wirkt recht eigentümlich, aber andererseits ist der Calenberger Kreditverein kein Museumsstück, sondern ein durchaus lebensfähiges Unternehmen. Die Bank hat 2010 laut Vorstand Zotzmann das beste Jahr ihrer Geschichte erlebt – und in diesem Jahr liefen die Geschäfte ebenso gut weiter. Das Neugeschäft hat sich fast verdoppelt, auch die Ertragslage gibt zu Klagen keinen Anlass. Vor Steuern warf die Bank mit einer Bilanzsumme von 258 Millionen Euro 2010 einen Gewinn von 1,23 Millionen Euro ab.

Das Geschäft profitiert derzeit von der insgesamt guten Wirtschaftslage in der niedersächsischen Landwirtschaft. Die Bauern investieren fleißig – zum Beispiel in neue Photovoltaik-Anlagen auf den Stalldächern, und brauchen dafür Geld. Und der Trend zum Sachwert führt auch zu einer verstärkten Nachfrage nach Immobiliendarlehen.

Was bei anderen Banken die Ertragsrechnung erheblich belasten kann, ist für die hannoversche Zwergbank mit ihren zehn Mitarbeitern und etwa 1400 Kunden fast ein Fremdwort – Wertberichtigungen im Kreditgeschäft „Wir haben in unserem Geschäft mit der Landwirtschaft in 185 Jahren noch keinen Ausfall gehabt“, sagt der Bankchef.

Auch die zurückliegende Krise konnte der Bank wenig anhaben. Allerdings hat die Bank in der Zeit nach dem „Lehman-Schock“ eine wichtige Erfahrung gemacht: Eine allzu starke Abhängigkeit vom Kapitalmarkt kann große Nachteile haben. Schließlich müssen sich Hypothekenbanken in erster Linie durch die Ausgabe von Pfandbriefen Geld beschaffen. Doch in der damaligen Extremsituation machten Investoren wie Versicherungen, andere Banken oder Fonds einen großen Bogen um Wertpapiere aller Art – selbst wenn sie von einem soliden Institut wie dem Calenberger Kreditverein herausgegeben wurden.

Deshalb hat die Bank ein neues Geschäft begonnen. Unter der Bezeichnung „Calenberger Wertbrief“ sammelt sie Einlagen bei Privatanlegern ein. Die Laufzeiten gehen von einem bis zu fünf Jahren, die Verzinsung ist laut Zotzmann etwas höher als marktüblich. Bislang hat die Bank auf diesem Weg nur 3 Millionen Euro aufgenommen, aber das soll nicht das Ende der Fahnenstange sein. „Wir hatten letztes Jahr mit dem Kreditgeschäft alle Hände voll zu tun.“ Jetzt möchte die Bank auch im Einlagengeschäft stärker vorankommen. Zielmarke sind 30 Millionen Euro.

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