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China sucht Schuldige für Börsencrash

Kurssturz am Aktienmarkt China sucht Schuldige für Börsencrash

Die milliardenschweren Hilfen zur Stützung der chinesischen Börsen haben nicht gewirkt. Nun ändert Peking seine Strategie - und präsentiert der Öffentlichkeit Sündenböcke.

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Die Regierung will ihre Versuche aufgeben, mit Stützungskäufen den Aktienmarkt positiv zu beeinflussen. Stattdessen müssen Verantwortliche für das Desaster an den Börsen her.

Quelle: dpa

Peking. Der Absturz der Aktienkurse in China hat viele auf dem falschen Fuß erwischt - Anleger wie vermeintliche Anlageexperten. Entsprechend groß ist der Bedarf an Erklärungen. Die bisherigen unterscheiden sich nicht grundlegend von Analysen vorheriger Börsencrashs: Von der Sorge um die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist die Rede, von „Blasenbildung“ und „überfälliger Korrektur“ oder schlicht von allgemeiner Panik. Der formal immer noch kommunistischen Führung des Landes war das ungestüme Wirken anonymer Marktkräfte aber wohl nicht ganz geheuer; daher suchte sie nach Schuldigen - und ist fündig geworden: Ein Journalist, ein Beamter der Börsenaufsicht und vier Wertpapierhändler wurden festgenommen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Mit der Präsentation der Sündenböcke, deren „Geständnisse“ teilweise im Fernsehen übertragen wurden, ändert Peking offenbar seine Strategie im Kampf gegen die seit Monaten andauernden Börsenturbulenzen. Nach Informationen der „Financial Times“ will die Regierung nun ihre Versuche aufgeben, mit Stützungskäufen den Aktienmarkt positiv zu beeinflussen. Stattdessen müssen Verantwortliche für das Desaster an den Börsen her.

Staatsmedien schilderten so am Montag ausgiebig das angebliche Geständnis eines Finanzjournalisten des chinesischen Magazins „Caijing“. Er wird mit der Aussage zitiert, mit der Verbreitung von falschen Informationen für „schwere Unruhen“ gesorgt zu haben, die für Investoren „große Verluste“ zur Folge hatten. Ebenfalls ein Geständnis abgelegt hat angeblich ein Beamter der chinesischen Börsenaufsicht CSRC, der wegen Insiderhandel und der Annahme von Bestechungsgeldern beschuldigt wird. Dieser habe ausgesagt, seine Position genutzt zu haben, um einer Aktiengesellschaft dabei zu helfen, den Kurs ihrer Aktie zu steigern.

Aber auch Internetnutzer wurden als Verursacher für den Börsencrash ausgemacht. Wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wurden 197 Online-Aktivisten bestraft, weil sie über die Börsenturbulenzen und die Explosionskatastrophe in Tianjin im Internet „Gerüchte verbreitet“ haben sollen. Dem Bericht zufolge hat die Polizei die Beschuldigten verfolgt, weil diese eine „Panik auslösen“ und die „Öffentlichkeit täuschen“ wollten. Als Beispiel nannte Xinhua einen Nutzer, der behauptet habe, dass sich in Peking ein Mann wegen der Börsenunruhen aus einem Fenster in den Tod gestürzt habe. Vor zwei Jahren wurde in China ein neues Gesetz eingeführt, wonach die Verbreitung von Gerüchten mit eine Freiheitsstrafe von drei Jahren geahndet werden kann, wenn Beiträge im Internet mehr als 500 Mal geteilt oder 5000 Mal angesehen werden.

Von Jörn Petring

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