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Conti will wieder verstärkt Spezialreifen bauen

Rückkehr zu altem Geschäft Conti will wieder verstärkt Spezialreifen bauen

Der Continental-Konzern will seine Reifensparte breiter aufstellen – und dabei in Produktbereiche zurückkehren, die man einst abgestoßen hatte. In Zukunft sollen auch wieder Spezialreifen für Landwirtschafts-, Bergbaufahrzeuge und Flugzeuge zum Sortiment gehören.

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Rohlinge hängen im Conti-Werk Stöcken – bereit zur Runderneuerung. 

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. „Wir sehen überall Möglichkeiten zu expandieren“, sagte Reifen-Entwicklungschef David O’Donnell der HAZ. Das gelte nicht nur regional, sondern auch bei den Produktgattungen. So will der Ire den einst nahezu abgewickelten Bereich der Spezialreifen wieder stark machen. Conti habe einige attraktive Produktgruppen etwa bei Landwirtschafts-, Flugzeug- und Bergbaureifen ins Visier genommen. „Wir haben die Leute und das Werkzeug an Bord, das zu wuppen.“

Profitables Geschäft

Das Geschäft mit den – zum Teil mannshohen – Spezialreifen ist hochprofitabel. Conti-Konkurrent Michelin verdient damit regelmäßig Margen, die selbst die hochprofitablen Hannoveraner blass werden lassen. Sie selbst haben sich vor gut zehn Jahren allerdings von dem Geschäft getrennt. In den USA gingen Bau- und Landmaschinenreifen an den Konkurrenten Titan. In Europa übernahm der tschechische CGS-Konzern das Geschäft, der in diesem Segment bis heute die Rechte an der Marke Continental hält. Damals hielt die Conti das Geschäft für zu klein, um mit den Konkurrenten mithalten zu können. Außerdem befand sich das Reifengeschäft insgesamt im Sanierungsmodus.

Kapazitäten in den Werken sollen steigen

Die Zeiten sind lange vorbei. Inzwischen erwirtschaftet die größte Sparte im Konzern operative Umsatzrenditen von 20 Prozent und hat sich einen Wachstumsplan verordnet, an dessen Ende 2025 der Aufstieg unter die Top drei der Reifen-Weltliga stehen soll. Heute ist Conti – mit deutlichem Abstand zum Führungstrio – auf Platz vier. Bis 2018 fließen dafür mehr als 1,6 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und den Ausbau alter Werke. Unter anderem wurde vor zwei Jahren in Hannover-Stöcken wenige Jahre nach der Schließung der Lkw-Reifenfertigung eine neue Anlage zur Runderneuerung alter Lkw-Reifen in Betrieb genommen. Weltweit will der Konzern die Kapazitäten um ein Fünftel auf 140 Millionen Stück steigen.

Für die 1300 Reifenentwickler in Stöcken bedeutet das eine zunehmende Komplexität. Immer mehr Produkte müssen an lokale Märkte angepasst werden, komplett neue kommen hinzu. Zwischen 1000 und 2000 Pneus ganz unterschiedlicher Dimensionen jährlich werden inzwischen in der Forschungszentrale entwickelt. O’Donnell will deshalb die lokalen Wünsche künftig stärker vor Ort bedienen. 400 Spezialisten sind damit schon beschäftigt – vor allem in den USA und China, wo Conti je ein neues Werk gebaut hatte. „Die Plattformen müssen aus Stöcken kommen, alles aufwärts davon eher aus den Regionen“, umschreibt es der Maschinenbauingenieur.

Je größer der Reifen, desto mehr Wachstum

Contis Reifensparte ist bis heute stark auf Europa fokussiert. Auf dem Heimatkontinent sind die Hannoveraner Marktführer, statten jeden dritten Neuwagen mit ihren Reifen aus. Die neuen Werke in USA, China und Russland sowie ein verstärktes Engagement in Indien sollen das Geschäft regional besser verteilen. Zumal der europäische Reifenmarkt sich seit längerem kaum rührt.

Wachstum kommt hier fast nur noch von den großen, breiten Schlappen für Gelände- und Sportwagen. In den Größen zwischen 19 und 23 Zoll rechnet der Konzern mit Steigerungsraten von jährlich 9 Prozent. Dabei gilt: Je größer der Reifen, desto mehr Wachstum. Gerade hat die Conti den „SportContact 6“ auf den Markt gebracht, der diese Klientel bedienen soll.

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