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Deutschland / Welt Conti droht Millionenstrafe wegen illegaler Preisabsprachen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Conti droht Millionenstrafe wegen illegaler Preisabsprachen
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00:16 30.10.2016
Von Lars Ruzic
Quelle: dpa (HAZ-Collage)
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Hannover

Die EU-Kommission ist offenbar einem verbotenen Kartell der beiden weltgrößten Automobilzulieferer Continental und Bosch auf der Spur. Nach HAZ-Informationen sollen die Konzerne Preise bei elektronischen Brems- und Steuersystemen abgesprochen haben. Allein Continental rechnet mit einer Geldbuße von bis zu 100 Millionen Euro und hat vor wenigen Tagen entsprechende Rückstellungen in der Bilanz für 2016 getroffen. Das tun Unternehmen nur, wenn sie ein Bußgeld als sehr wahrscheinlich einschätzen.

Sprecher von Continental und Bosch wollten die Informationen mit Verweis auf laufende Untersuchungen nicht kommentieren. Man kooperiere bei der Aufklärung seit Jahren eng mit der EU-Kommission, sagte ein Bosch-Sprecher, ohne ins Detail gehen zu wollen. Die europäischen Wettbewerbshüter sind seit 2011 illegalen Preisabsprachen in der Zulieferindustrie auf der Spur und haben bereits in mehreren Verfahren teils drastische Strafen verhängt - etwa im Fall eines Wälzlager-Kartells, dem auch die Conti-Schwester Schaeffler angehörte. In dem Fall wurde insgesamt eine Milliarde Euro an Bußgeldern fällig.

Continental und Bosch sind im Zusammenhang mit diesen Untersuchungen bislang kaum in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Dabei hat die Kommission bereits im September 2014 Büros von Continental durchsucht, wie der Konzern in seinem Geschäftsbericht einräumt. Nach HAZ-Informationen handelte es sich um den Sitz der Bremsen-sparte „Chassis & Safety“ in Frankfurt. Unklar ist bislang, über welchen Zeitraum die Kommission in diesem Fall Absprachen vermutet und ob es noch weitere Beteiligte gab. Conti und Bosch dominieren den Markt der Bremssysteme. Ist ein Kartell erst einmal abgestraft, drohen im Anschluss hohe Schadensersatzforderungen der geschädigten Kunden.

In Hannover hofft man offenbar noch, das Bußgeld drücken zu können. In der vergangenen Woche, als der Konzern seine Gewinnziele um nahezu eine halbe Milliarde Euro nach unten korrigieren musste, verschleierte er deshalb bewusst, welche Malaise ihn genau wie viel kostet. Es war lediglich die Rede davon, dass Belastungen von 390 Millionen Euro auf Rückrufe und „mögliche Aufwendungen für anhängige Kartellverfahren“ entfallen. Durch diese Sonderfaktoren dürfte das operative Ergebnis von Hannovers einzigem Dax-Konzern 2016 bestenfalls stagnieren. Eine Steigerung der Dividende für die Aktionäre - allen voran die Familie Schaeffler - steht damit in den Sternen.

Rückstellungen für Rückrufe kann ein Autozulieferer erst treffen, wenn ihm die Rechnungen der betroffenen Hersteller ins Haus flattern. Bei der Conti kamen nach HAZ-Informationen gleich drei Schadensfälle aus der Vergangenheit zusammen, die den Konzern nun allein 300 Millionen Euro kosten könnten: Dabei geht es um Probleme mit Airbags, Steuergeräten und Zündschlössern. Der letzte Fall betraf Hunderttausende Modelle des Fiat-Chrysler-Konzerns, bei denen der Zündschlüssel zurück in die „Aus“-Position springen konnte. Im Gegensatz zu einem vergleichbaren Fall bei General Motors - ohne Conti-Beteiligung - soll es hier aber zu keinen dramatischen Unfällen gekommen sein.

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