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Conti investiert 45 Millionen Euro in Reifenfabrik

Korbach Conti investiert 45 Millionen Euro in Reifenfabrik

Der Reifenhersteller Continental hat im nordhessischen Korbach eine Entwicklungs- und Produktionsanlage für Hochleistungsreifen in Betrieb genommen. Das Unternehmen investierte rund 45 Millionen Euro in das High Performance Technology Center (HPTC). 

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Ein Mitarbeiter von Continental trägt einen Hightech-Reifen bei der Eröffnung der Vorzeigefabrik in Korbach.

Quelle: dpa

Korbach. Grelles Scheinwerferlicht und Nebelschwaden fluten die Halle. Doch als sich der Vorhang öffnet, tritt kein Popstar hervor, sondern ein Reifenbäcker. Auf seiner Schulter: der erste Supersportreifen aus der neuen Vorzeigefabrik von Continental im hessischen Korbach.

Im nordhessischen Korbach gehört so viel Glamour sicher nicht zum Alltag. Aber auch bei der Conti versteht man sich inzwischen aufs Eventmanagement. Der Produktionsstart für das „High Performance Technology Center“ (HPTC) war allerdings auch für die Reifendivision des Zulieferkonzerns kein alltägliches Erlebnis. In seinen 20 Jahren bei der Conti habe er keine so hohe Einzelinvestition der Sparte in Deutschland erlebt, räumte Reifenchef Nikolai Setzer vor mehr als 200 Gästen ein. Und wenn man die 45 Millionen Euro, die in den vergangenen zwei Jahren geflossen sind, auf die 350 000 Reifen umrechne, die künftig pro Jahr mehr vom Band liefen, dann sei es wahrscheinlich sogar die teuerste aller Zeiten.

Aber um diese Zahlen geht es diesmal gar nicht bei den sonst so auf die Kosten bedachten Reifenmanagern. Das HPTC ist so etwas wie die verlängerte Werkbank der Entwickler in Hannover-Stöcken. Am mehr als 100 Jahre alten Standort Korbach sollen künftig neue Fertigungsverfahren und Prozessoptimierungen ausprobiert werden.

Das Technologiezentrum wird zwar Hochleistungsreifen für die Porsches und Lamborghinis dieser Welt liefern, doch die andere Hälfte seiner Kapazität sollen die Entwickler als Spielwiese nutzen. „Wenn wir technologische Sprünge machen wollen, müssen wir auch bei den Prozessen weiterkommen“, sagte Setzer der HAZ. Für die Reifenentwickler sei das „wie ein Traum, der in Erfüllung geht“.

Neun Millionen Reifen pro Jahr

Der Standort Korbach ist abgesehen von Aachen das letzte große Reifenwerk von Continental in Deutschland. Gegründet wurde es bereits 1907 von dem örtlichen Unternehmer Louis Peter, 1929 übernahm die Conti dessen Firma und die Fabrik. Sie ist mit mehr als 3500 Beschäftigten mit Abstand der größte Arbeitgeber in der Region. In Korbach fertigt die Conti mehr als neun Millionen Reifen im Jahr. Die Bandbreite ist so groß wie in kaum einer anderen Fabrik des Konzerns.

Außer klassischen Pneus zählen dazu beispielsweise Winterreifen jeglicher Art – selbst mit Spikes für nordische Länder. Gleichzeitig sind die Korbacher Spezialisten für Zweiradreifen. Von der Entwicklung bis zum Vertrieb kümmern sie sich um Motorradreifen. Und Korbach ist das einzige Werk für Fahrradreifen in Deutschland – alle Profis der Tour de France fahren auf Pneus aus Korbach. Hinzu kommt die Schlauchfertigung: Conti-Tech fertigt am größten europäischen Standort dieser Art 185 Kilometer Schläuche – am Tag.

Korbach ist der dritte deutsche Standort, der von der Investitionsoffensive der Reifensparte profitiert. Am Standort Hannover-Stöcken hatte die Conti unlängst die Entwicklung erweitert und modernisiert, gleichzeitig wurde eine Anlage für Recycling und Runderneuerung von Nutzfahrzeug-Reifen gebaut. Gut 200 Jobs entstanden. Das Contidrom in Jeversen bekam eine vollautomatische Testanlage, auf der die Autos von Geisterhand gesteuert auf unterschiedlichsten Belägen fahren können. In naher Zukunft soll das Contidrom zudem erweitert werden.

Die „Forschungsabteilung in der Fabrik“ wurde auf 12 000 Quadratmetern mit Anlagen der neuesten Generation ausgestattet – alle mit Sensoren versehen und untereinander vernetzt, wie das von Maschinen der vierten industriellen Revolution üblich ist. Die Conti-Manager sprechen deshalb auch ganz unbescheiden von der weltweit modernsten Reifenproduktions- und Forschungsanlage. Von ihr sollen am Ende alle Standorte und alle Reifen des Konzerns profitieren. „Der Technologietransfer muss von hier aus in die Masse gehen“, forderte Setzer.

Mehr als 80 neue Jobs sind an dem Traditionsstandort entstanden. Sie fallen weniger ins Gewicht als der Know-how-Gewinn, den sich die Nordhessen auf die Fahne schreiben können. Mit gut einer Handvoll Werken in der Conti-Welt haben sie gewetteifert um das Technologiezentrum – auch die Entwicklungszentrale in Stöcken war unter den Konkurrenten. Ihr fehlt es nach den Produktionsschließungen des vergangenen Jahrzehnts aber an Reifenproduktion, die gerade für das Tüfteln an Prozessoptimierungen dringend erforderlich sei, sagte Setzer. Die relative Nähe zu Stöcken wiederum war am Ende aber auch ein Grund, warum Korbach osteuropäischen Konkurrenten vorgezogen wurde.

Seit Jahren sind Werksschließungen in der Reifensparte kein Thema mehr. Setzer hat der Sparte ein ambitioniertes Wachstumsprogramm verschrieben, das insgesamt zehn neue Werke bis 2025 vorsieht. Seit dem Start des Programms vor fünf Jahren hat die Conti 2 Milliarden Euro in die Expansion gesteckt und vier komplett neue Standorte gebaut oder in Vorbereitung – in China, Russland und den USA. Weitere Investitionen wurden bereits vorgezogen. „Wir werden schon bald wieder an Grenzen stoßen“, sagte Setzer. Vor allem in China und den USA holen die Hannoveraner derzeit auf.

Langfristig kann sich der Reifenchef sogar im Stammmarkt Europa wieder ein neues Werk vorstellen. Wenn es um Millionen-Stückzahlen geht, dürfte der Standort Deutschland aber weniger gute Karten haben. Dann zählt bei der Conti doch wieder das Kosten-Argument.

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