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So gängelt ein bosnischer Patriarch VW

Fragen und Antworten So gängelt ein bosnischer Patriarch VW

Der Streit von Volkswagen mit einem Zulieferer hat immer größere Konsequenzen: Nach der Kurzarbeit in Emden stehen bald auch Bänder in Wolfsburg still. Worum geht es bei dem Streit eigentlich? Und wie kann es sein, dass ein verärgerter Zulieferer aus Bosnien einen Weltkonzern lahmlegt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Auch die Golf-Produktion in Wolfsburg wird durch den Streit mit dem Zulieferer beeinträchtigt.

Quelle: dpa

Hannover. Ein Betriebsrat hat es beim Namen genannt: Es sei ein „Wirtschaftskrimi“, der sich da zwischen Volkswagen und einem Zulieferer abspielt, sagte Guido Mehlhop. Ob es ein Happy End geben wird - und wie dies für beide Seiten überhaupt noch möglich sein kann, steht in den Sternen. Eine Rekapitulation der Ereignisse.

Wer legt sich da mit Volkswagen an?

Ein Firmenkonglomerat mit dem Namen Prevent, das von einem bosnischen Unternehmer aufgebaut wurde und seit vielen Jahren mit Volkswagen zusammenarbeitet. Beide sind beispielsweise Partner bei Volkswagen Sarajevo; das dortige Unternehmen produziert mit rund 250 Beschäftigten Motor- und Achskomponenten. Prevent hat seine Kernkompetenz im Bereich der Sitzbezüge. Damit ist die Firma zum größten privaten Arbeitgeber in Bosnien gewachsen. Gut die Hälfte der 12.000 Beschäftigten arbeitet in der Heimat des Gründers Nijaz Hastor. Der Patriarch hat die Verantwortung über die Gruppe bosnischen Medien zufolge vor Kurzem an seine Söhne übergeben. Gleichzeitig will sich der Konzern breiter aufstellen. Er hat deshalb im April den sächsischen Sitze-Zulieferer Car Trim und im November den Gussteilspezialisten ES Automobilguss ebenfalls in Sachsen übernommen. Die deutsche Prevent-Zentrale ist in Wolfsburg.

Was hat den Lieferstopp ausgelöst?

Dazu ist offiziell wenig zu erfahren. Beide Seiten halten sich auch wegen des Rechtsstreits bedeckt. Dem Vernehmen nach soll Volkswagen ein Entwicklungsprojekt mit Car Trim beendet haben und zu einem Konkurrenten gewechselt sein. Für finanzielle Ausfälle etwa durch Vorinvestitionen, die nun nicht zum Tragen kommen, wollten die Wolfsburger einstehen. Daraufhin soll der Zulieferer „vollkommen unplausible Forderungen“ gestellt haben - so heißt es jedenfalls in VW-Kreisen. Von Prevent war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Als der Autobauer die Forderungen nicht erfüllen wollte, soll die Prevent-Tochter die Lieferung eingestellt haben.

Wieso droht jetzt massenhaft Kurzarbeit?

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Das Ausbleiben von Sitzbezügen hat bisher vor allem das VW-Werk in Emden getroffen, weil Car Trim offenbar vor allem für den VW Passat liefert. Da inzwischen aber auch die Prevent-Gussteil-Tochter ES Lieferungen verweigert, sind deutlich mehr Werke betroffen. ES stellt Komponenten für diverse Getriebetypen her - vor allem für Golf und Passat. Damit ist die Prozesskette im Konzern in Gefahr: vom Getriebewerk in Kassel über die Golf- und Passat-Standorte in Wolfsburg, Emden und Zwickau bis zum Komponentenwerk in Braunschweig, das wiederum unter Produktionsstopps der Autofabriken leiden könnte. Der Standort Hannover, an dem Transporter und der Pick-up Amarok gebaut werden, ist nicht betroffen. Es gebe „aktuell keine Produktionsabsagen“, sagte ein Sprecher.

Wie könnte der Ausweg aussehen?

Bislang streitet man vor allem vor Gericht. Dort hatte VW Erfolg. Gegen Car Trim soll der Autobauer einen wirksamen Vollstreckungstitel in der Hand haben. Ware erhalten hat er aber noch nicht. In der Auseinandersetzung mit dem Getriebeteil-Zulieferer erließ das Landgericht Braunschweig eine einstweilige Verfügung zugunsten von VW. Da die Entscheidung jedoch ohne mündliche Verhandlung fiel, konnte ES Widerspruch einlegen. Und über den wird erst Ende August verhandelt. Einigen sich beide Seiten nicht auf bilateralem Weg, droht eine wochenlange Hängepartie.

Wie kann ein Riese wie VW so abhängig von einem kleinen Zulieferer sein?

So engmaschig geknüpft ist inzwischen die Wertschöpfungskette in der Autoindustrie. Fachleute kritisieren jedoch, dass VW die jeweiligen Aufträge nicht auf mehrere Lieferanten verteilt hat. Dies sei „eine katastrophale Leistung“ der Beschaffungsabteilung unter Führung von Konzernvorstand Francisco Javier Garcia Sanz, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Wenn man einen Auftrag an nur einen Zulieferer vergebe, müsse man sich auch dessen Stabilität gewiss sein.

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Streit mit Zulieferer

Der Konflikt mit einem Zulieferer zwingt Volkswagen dazu, die Golf-Produktion in Wolfsburg vorübergehend zu stoppen. Von Sonnabend an stehen die Bänder im Stammwerk voraussichtlich neun Tage lang still. In einer internen Mitteilung hat der Konzern die Mitarbeiter bereits darüber informiert, wie ein VW-Sprecher am Donnerstagabend bestätigte.

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