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Dax-Unternehmen stellen nur 54 Flüchtlinge ein

Wirtschaft Dax-Unternehmen stellen nur 54 Flüchtlinge ein

Die Erwartungen waren offenbar zu groß: Deutschlands große börsennotierte Unternehmen haben nur 54 Flüchtlinge fest eingestellt und 2700 Praktikumsplätze geschaffen. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies auch auf die Verantwortung des Mittelstands und der kleinen Betriebe bei der Integration.

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Ein Flüchtling konjugiert in einem Sprachkurs das Verb arbeiten. Dax-Unternehmen haben bislang 54 Flüchtlinge angestellt.

Quelle: dpa

Berlin. Gut ein Dreivierteljahr nach Öffnung der Grenzen für viele Flüchtlinge fragte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die 30 größten Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax), wie viele Flüchtlinge sie seitdem eingestellt haben. Die Antworten ergaben: exakt 54. Davon sind allein 50 bei der Deutschen Post untergekommen, zwei weitere jeweils beim Softwarekonzern SAP und beim Pharmahersteller Merck.

Von den knapp 2700 zusätzlichen Praktikumsplätzen für Flüchtlinge sind laut Umfrage gut 500 besetzt. Die Deutsche Post liegt auch hier vorn: Sie bietet rund 1000 Praktikumsplätze an, jeweils ein paar hundert sind es beim Autobauer Daimler, bei ThyssenKrupp und bei BMW. Zusätzliche Ausbildungsplätze haben die Dax-Konzerne laut Umfrage etwas mehr als 300 geschaffen. Davon sei bislang aber erst ein kleiner Teil besetzt.

Die Mehrheit der Unternehmen verweist laut "FAZ" auch auf Aktivitäten zur Unterstützung von Stiftungen und Verbänden, die sich um Flüchtlinge kümmern. Zahlreiche Dax-Vertreter beteiligen sich demnach am Netzwerk "Wir zusammen" im Namen der deutschen Wirtschaft.

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Im vergangenen Spätsommer hatten die Unternehmen noch deutlich optimistischer geklungen, Flüchtlinge beschäftigen zu können. Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa sagte der "Bild"-Zeitung Anfang September, sein Unternehmen wolle in Flüchtlingszentren nach Arbeitskräften suchen und für den Autobauer werben. Viele Flüchtlinge seien jung, gut ausgebildet und hoch motiviert. "Genau solche Leute suchen wir doch."

Regierungssprecher Seibert betonte in Berlin, die deutsche Wirtschaft sei "viel mehr als die Dax-Konzerne". Sie und auch der Mittelstand stünden dem Ziel "Integration durch Arbeit" sehr unterstützend und positiv gegenüber. "Man kann auch viele Beispiele aus Handwerksbetrieben und aus dem Klein- und Mittelstand nehmen, wo Integration durch Arbeit schon jetzt sehr tatkräftig mit vielen Flüchtlingen geleistet wird."

Im Juni waren laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt 300.000 Menschen, die durch die aktuelle Flüchtlingskrise nach Deutschland gekommen sind, arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr war dies eine Verdoppelung. Derzeit gibt es laut BA einen Anstieg von 10.000 bis 15.000 arbeitslosen Flüchtlingen pro Monat, weshalb sich die Flüchtlingskrise womöglich im nächsten Jahr am Arbeitsmarkt bemerkbar machen wird.

Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gibt es derzeit zwar rund 154.000 freie Jobs für Flüchtlinge - das sind aber vor allem Jobs als Helfer, etwa im Reinigungsgewerbe, in der Verkehrs- und Logistikbranche sowie auf dem Bau. Das IAB forderte kürzlich verstärkte Anstrengungen bei der Sprachförderung, Qualifikation und Bildung von Flüchtlingen. Nur so könnten "weitere Segmente im Arbeitsmarkt mit stärkerem Arbeitskräftebedarf, höheren Löhnen und größeren Entwicklungsmöglichkeiten" erschlossen werden.

afp

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