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Der „Amazon-Effekt“ fordert ein weiteres Opfer

Insolvenz von Toys R Us Der „Amazon-Effekt“ fordert ein weiteres Opfer

Der Niedergang des klassischen Einzelhandels zieht in den USA weitere Kreise. Die Insolvenz der Spielzeugkette Toys R Us zeigt einmal mehr, wie die Branche unter der Übermacht von Online-Händlern wie Amazon ächzt. Ein Ende der Leidenszeit scheint nicht in Sicht.

Die Insolvenz des 1948 gegründeten Spielwarenriesen ist das jüngste Beispiel für den von Branchenexperten als „Retail Apocalypse“ bezeichneten Niedergang des klassischen US-Einzelhandels.

Quelle: dpa

Wayne. Erdrückende Konkurrenz aus dem Internet und hohe Schulden: Die angeschlagene US-Spielzeugkette Toys R Us kann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Der Konzern aus Wayne im US-Bundesstaat New Jersey kündigte in der Nacht auf Dienstag Anträge auf Gläubigerschutz für seine Geschäfte in den USA und Kanada an. Die Gesellschaften in Europa, Asien und Australien seien nicht betroffen.

Die Insolvenz des 1948 gegründeten Spielwarenriesen ist das jüngste Beispiel für den von Branchenexperten als „Retail Apocalypse“ bezeichneten Niedergang des klassischen US-Einzelhandels. Die Kundschaft wandert in Scharen ins Netz ab - vor allem zum Online-Riesen Amazon. In Amerika sind Kaufhäuser und Shopping-Meilen deshalb inzwischen zunehmend vom Aussterben bedroht.

64 000 Mitarbeiter weltweit

Allein in diesem Jahr haben mehr als ein Dutzend amerikanische Ketten wie Payless, Gymboree oder Perfumania Gläubigerschutz beantragt. Kaufhaus-Ikonen wie Macy's, Sears, JC Penney's oder Kohl's ächzen schon lange unter dem Trend zum E-Commerce. Das ist eine Bedrohung für die gesamte US-Wirtschaft, da zahlreiche Jobs am klassischen Einzelhandel hängen. Analysten haben einen eigenen Fachbegriff für die Entwicklung entworfen: Sie sprechen vom „Amazon-Effekt“.

Ein Ende der Leidenszeit ist nicht in Sicht: Nach Einschätzungen von Experten hat das Sterben der Einkaufszentren erst begonnen - das Analysehaus CoStarGroup geht davon aus, dass mehr als zehn Prozent der gesamten Einzelhandelsflächen in den USA in den kommenden Jahren überflüssig werden. Toys R Us operierte schon länger an der Schmerzgrenze: Im letzten Geschäftsquartal fiel ein Verlust von 164 Millionen Dollar an, seit 2013 gab es keinen Jahresgewinn mehr.

Das Unternehmen beschäftigt insgesamt etwa 64 000 Menschen. Die Gruppe hat 875 Filialen in den Vereinigten Staaten. Weltweit sind es über 1600, wenn man den Kinderausstatter Babies R Us mitrechnet, in Deutschland laut Internetseite 66. Die überwiegende Mehrzahl der Märkte arbeite weiter profitabel und setze ihren Betrieb fort, betonte Toys R Us in seiner Mitteilung zum Insolvenzantrag.

Die Zahlungsfähigkeit der europäischen Gesellschaften sei gesichert

Es gehe bei dem US-Verfahren zudem „weder um eine Geschäftsauflösung noch einen Konkurs nach deutschem Verständnis“, bekräftigte die deutsche Tochter von Toys R Us in Köln. Ziel sei es, die Schulden bei laufendem Betrieb zu senken – „zum Zweck der Rückkehr auf eine nachhaltige Erfolgsspur“. Die Zahlungsfähigkeit der europäischen Gesellschaften sei gesichert.

In Nordamerika sieht es hingegen kritisch aus. Nicht nur die verschärfte Konkurrenz aus dem Internet, auch Billiganbieter und andere große Ketten wie Walmart setzen Toys R Us hier zu. Nun dürften harte Einschnitte kommen. Die Schließung von Filialen sei definitiv Teil des Sanierungsplans, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Immerhin hat das 2005 für 7,5 Milliarden Dollar von einer Investorengruppe um die Private-Equity-Gesellschaften Bain Capital und KKR übernommene und in großem Stil mit Schulden aufgeladene Unternehmen sich einen dicken Kredit über drei Milliarden Dollar von der US-Großbank JPMorgan Chase und anderen Geldgebern sichern können.

Auch europäische Hersteller wie Lego und Playmobil sind betroffen

Mit den frischen Mitteln und dem beantragten Gläubigerschutz soll nun die Trendwende versucht werden. Dass eine Insolvenz nicht das Ende bedeuten muss, haben andere Einzelhändler schon bewiesen. Toys R Us hofft auf ein Comeback, das etwa durch die Schließung unrentabler Läden und den Ausbau des Online-Geschäfts gelingen könnte.

Der bange Blick der Anleger richtete sich zuletzt auch auf die Geschäftspartner der kriselnden Kette. So brachte die Aussicht auf eine Umschuldung vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft, das der Branche den Großteil der Umsätze bringt, die US-Spielzeugriesen Hasbro und Mattel kräftig an der Börse unter Druck.

Beide Konzerne sollen in den letzten Wochen bereits Lieferungen eingeschränkt haben, weil sie befürchten, Toys R Us könne seine Rechnungen nicht mehr begleichen. Auch europäische Hersteller wie Lego und Playmobil sind betroffen. Bei beiden steht das Unternehmen mit Millionen in der Kreide, wie aus dem US-Insolvenzantrag hervorgeht. Darüber berichtete auch die „Wirtschaftswoche“.

Eine Playmobil-Sprecher wollte sich nicht zu den Geschäftsbeziehungen äußern. Eine Sprecherin von Lego Deutschland sagte der „Heilbronner Stimme“ (Mittwoch): „Wir stehen mit Toys in engem Austausch, um sicherzustellen, dass eine optimale Lösung gefunden wird. Auf der anderen Seite müssen wir auch unser eigenes Risiko minimieren.“

Von Hannes Breustedt

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