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Der Garantiezins schrumpft gegen null

Lebensversicherung Der Garantiezins schrumpft gegen null

Das Wort „Garantiezins“ war einmal eine Art Gütesiegel. Unter diesen Wert - darauf soll sich der Käufer einer Lebensversicherung verlassen können - wird die Verzinsung des angesparten Geldes nicht fallen. Doch für Neuverträge schrumpft dieses Versprechen immer weiter zusammen. Fragen und Antworten zum Thema.

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Policen unter der Lupe: Die neuen Verträge ohne einen Garantiezins sind schwer zu vergleichen. Foto: dpa

Quelle: Jens Büttner

Hannover. Es waren einmal 4 Prozent. Jetzt sind es noch 1,25 Prozent - und vom nächsten Jahr an sollen die Versicherer in ihren Neuverträgen nur noch 0,9 Prozent versprechen. Dies plant das Bundesfinanzministerium, das den Garantiezins festlegt. Damit ist das Ministerium vorsichtiger als die Mathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung, die eine Senkung auf ein Prozent ab 2018 empfehlen.

Welche Verträge sind betroffen?

Es geht nicht um die reine Risikolebensversicherung, die allein für den Todesfall gedacht ist. Bei ihr spielt die Verzinsung keine große Rolle. Wichtig ist der Garantiezins dagegen bei kapitalbildenden Lebensversicherungen, in denen oft über Jahrzehnte eine Altersvorsorge angespart wird. Beim Abschluss des Vertrags gilt ein sogenannter Höchstrechnungszins oder Garantiezins, der für die gesamte Laufzeit gültig bleibt.

Warum ist der Garantiezins wichtig?

Mit dieser Verzinsung können Kunden sicher rechnen. Ändert sich der Garantiezins, beeinflusst dies nur Verträge, die danach abgeschlossen werden. Wer eine Lebensversicherung mit einem Garantiezins von beispielsweise 4 Prozent hat, kann mit der Rendite bei den Minizinsen im Moment also zufrieden sein.

Bekomme ich nur den Garantiezins?

Es gibt weitere Bestandteile wie die Überschussbeteiligung, die jedes Jahr neu festgelegt wird. Nach Berechnungen der Ratingagentur Assekurata sinkt die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung in der privaten Rentenversicherung in diesem Jahr von durchschnittlich 3,16 auf 2,86 Prozent. Auch bei der Neuanlage erzielten Lebensversicherer im vergangenen Jahr noch eine Verzinsung von mehr als 2 Prozent. Die laufende Verzinsung bezieht sich allerdings nur auf den Sparanteil der Beiträge - also nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten.

Warum sinkt die Verzinsung?

Die Versicherer dürfen Geld aus Lebensversicherungen nur vorsichtig am Kapitalmarkt anlegen, und dort gibt es für sichere Anlagen im Moment kaum Rendite. Weil gleichzeitig die hohen Zinsversprechen aus früheren Jahren eingehalten werden müssen, dringt die Finanzaufsicht Bafin auf Zurückhaltung im Neugeschäft: Die Versicherer sollen nicht im Kampf um Kunden Renditen versprechen, die sie am Ende nicht zahlen können. Vor allem aber müssen sie Reserven bilden, um eine längere Niedrigzinsphase zu überstehen. Diese sogenannte Zinszusatzreserve belastet die Unternehmen derzeit besonders. Nach Berechnungen von Assekurata mussten sie seit 2011 mehr als 30 Milliarden Euro in Rückstellungen stecken.

Was sagen die Versicherer?

Die vom Finanzministerium angepeilten 0,9 Prozent ab Anfang 2017 hält man in der Branche für übertrieben. Zudem sei eine Anpassung zu kurzfristig, da die Unternehmen ihre Produkte neu kalkulieren müssten. Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten hält die geplante Senkung des Höchstrechnungszinses ebenfalls für falsch: „Das schwächt die Garantien, ohne die Unternehmen nachhaltig zu entlasten.“

Gibt es Alternativen?

Die klassischen Lebensversicherungen mit Zinsgarantie verschwinden zusehends. Der Allianz-Konzern bietet sie zwar weiter an, kann sie nach eigener Aussage aber „angesichts höherer Renditechancen bei anderen Vorsorgekonzepten nicht empfehlen“. Konkurrenten wie Generali, Talanx und Ergo wollen sich von diesen Produkten verabschieden. Immer mehr Unternehmen bieten Lebensversicherungen ohne Garantiezins an. Hier sind sie freier in der Geldanlage und wollen so höhere Zinsen erwirtschaften. Verbraucherschützer kritisieren allerdings, dass die Konditionen dieser Produkte kaum noch zu vergleichen seien.

Von Friedeike Marx und Stefan Winter

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