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Der Bund kann sich billiger verschulden

Zehnjährige Bundesanleihen Der Bund kann sich billiger verschulden

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dürfte es freuen, denn der Staat kann Schulden machen und bekommt sogar noch Geld dafür. Aber für Sparer ist es eine schlechte Nachricht: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ins Minus gerutscht. 

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Zum ersten Mal überhaupt ist die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen am Dienstag unter Null gefallen.

Quelle: Uwe Anspach/dpa

Berlin. Wachsende Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union führt in Deutschland zu einer historisch einmaligen Situation: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist am Dienstag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in den negativen Bereich gerutscht. Bis auf minus 0,03 Prozent ging es bergab. Der Staat kann dadurch langfristig Schulden aufnehmen und dafür Geld kassieren, statt Zinsen zu zahlen. Für die Steuerzahler ist das gut, die Sparer dagegen gucken in die Röhre. Fragen und Antworten dazu:

Was bedeutet es, wenn die Rendite auf Staatspapiere negativ ist?

Wenn der deutsche Staat Schulden macht, nimmt er – anders als Privatpersonen – in aller Regel keine Bankkredite auf. Stattdessen verkauft er an seine Gläubiger sogenannte Staatsanleihen. Deren Rendite ist vereinfacht gesagt das, was bei einem Kredit der Zins ist. Eine Rendite unter Null bedeutet also, dass sich der Staat Geld leihen kann, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Im Gegenteil: Er bekommt von den Gläubigern dafür sogar noch eine Art Gebühr bezahlt.

Warum ist gerade die zehnjährige Rendite so wichtig?

Schon seit Anfang des Monats sind die Renditen von Bundesanleihen mit bis zu neunjähriger Laufzeit negativ. Dass nun aber auch künftige Verkäufe zehnjähriger Papiere dem Staat Geld einbringen könnten, ist ein Meilenstein. Denn in dieser Laufzeit hat der Staat mit weitem Abstand den größten Anteil am gesamten Schuldenberg aufgenommen – mit 44 Prozent fast die Hälfte. Auf Platz zwei folgen die fünfjährigen Papiere mit einem Anteil von rund 20 Prozent. Für den Staat ist es wichtig, langfristig planen zu können. Auch an den Finanzmärkten sieht man eine psychologisch wichtige Schwelle überschritten.

Warum fällt die Rendite gerade jetzt unter Null?

Das liegt vor allem an der Angst vor einem Brexit. Der Termin des Referendums am 23. Juni rückt immer näher. "Zur jetzigen Bewegung massiv beigetragen haben die sich verstärkten Unsicherheiten um einen möglichen Brexit, die die Investoren in den sicheren Hafen der Bundesanleihen treibt", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Die Anleger flüchten also wegen der momentan großen Unsicherheit in sichere Papiere und nehmen dafür niedrigere Zinsen in Kauf. Als sichere Häfen gelten an den Finanzmärkten vor allem stabile Staaten. Deutschland steht dabei auf der Favoritenliste weit vorne.

Wer profitiert von negativen Renditen und wem schaden sie?

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sind negative Renditen eine gute Nachricht, denn mit neu aufgenommenen Schulden verdient der Fiskus Geld. "Aus Sicht des Steuerzahlers sind die niedrigen Renditen sicher erfreulich, da sie die Zinsausgaben im Bundeshaushalt reduzieren", heißt es von der Deutschen Finanzagentur, die die Staatsschulden verwaltet. Schlecht sind die Negativrenditen dagegen für die Sparer. Zinsen bekommen sie auf ihr Erspartes ohnehin schon lange kaum noch. Jetzt könnte auch noch der Druck auf Banken steigen, Negativzinsen an ihre Kunden weiterzugeben.

Wie sollten Sparer reagieren?

Der Kauf von deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit lohnt sich für Anleger derzeit kaum. Der Zinssatz fiel am Dienstag auf minus 0,004 Prozent. "Von einem Neukauf würde ich in einer solchen Situation abraten", sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Anleger, die bereits vor Jahren Bundesanleihen gekauft haben, sollten diese nun behalten, rät er und nennt ein Beispiel: Wer im November 2008 in zehnjährige Staatsanleihen investiert hat, bekam 3,75 Prozent Zinsen. Hat der Anleger die Papiere für 1000 Euro gekauft, erhält er immerhin 37,50 Euro Zinsen pro Jahr.

Braucht man dringend Geld, lohnt sich jetzt der Verkauf älterer Bundesanleihen, die in der Vergangenheit noch besser verzinst angeboten wurden. "Der Kurs liegt derzeit über 100 Prozent, da das Zinsniveau gesunken ist", sagt Scherfling. Ein Beispiel: Beträgt der ursprüngliche Nennwert 100 Euro, würde der Anleger dafür derzeit 111 Euro bekommen – als Ausgleich für die Zinsen der kommenden Jahre, die er durch einem Verkauf verliert.

dpa/afp/RND

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