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Der neue Kampf der Agrarhändler

Agravis und BayWa Der neue Kampf der Agrarhändler

Die Agrarhändler Agravis und BayWa machen sich zunehmend Konkurrenz – auch auf ihren angestammten Kerngebieten. Die Verschärfung des Wettbewerbs ist die Folge des Preisverfalls für Getreide.

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Der Markt für Tierfutter ist umkämpft.

Quelle: Ingo Wagner

Hannover. Der Kampf um Marktanteile wird unter den Getreidehändlern immer heftiger geführt. Genossenschaften und Landhändler unterbieten sich gegenseitig bei Preisen und Konditionen, wie Clemens Große Frie, Chef von Deutschlands zweitgrößtem Agrarhändler Agravis der HAZ sagte. „Keiner gönnt dem anderen das Schwarze unter dem Nagel.“ Längst blicken die Agrarhändler über die Grenzen ihrer angestammten Absatzgebiete hinaus, allen voran die Münchner BayWa. Mit der Übernahme des Landhändlers Bohnhorst in Steimbke bei Nienburg macht sich Europas größter Agrarhändler im Kerngebiet von Agravis breit. Umgekehrt stößt Agravis mit einem neuen Futtermittelwerk in Straubing, das Mitte 2016 in Betrieb gehen soll, nach Süden vor. „Wir gucken nicht tatenlos zu“, so der Konzernchef.

Die Verschärfung des Wettbewerbs ist laut Große Frie die Folge des Preisverfalls für Getreide. Das treffe alle Händler. Auch Agravis muss sein für 2015 gestecktes Gewinnziel kassieren. Vor Steuern wollte der Konzern mit Sitz in Münster und Hannover ein Ergebnis von über 50 Millionen Euro einfahren. Jetzt werde es geringer ausfallen, aber „besser als 2014“, berichtet der Konzernchef. Damals waren es knapp 42 Millionen Euro.

Den Umsatz will Agravis trotz niedriger Getreidepreise bei 7 Milliarden Euro stabil halten. Andere Bereiche wie die Tiersparte, die unter anderem Herstellung und Handel von Spezialfutter und Tiermedizin umfasst, sind laut Große Frie gut gelaufen - und haben dank besserer Margen den Gewinnrückgang im Handelsgeschäft gebremst.

Auch mit Zukäufen und Beteiligungen stärkte der Agrarkonzern die Erlöse. Gerade ist Agravis mit 33 Prozent beim Hamburger Handelshaus Bögel eingestiegen. Abgegeben hat die Beteiligung der Wilmar-Konzern in Singapur, weltgrößter Raffineur und Vermarkter von Palmöl. Er hielt bisher zwei Drittel der Anteile. Dadurch bekomme Agravis Zugang zu den Beschaffungsmärkten in Asien, erläuterte der Konzernchef. Das über 125 Jahre alte Hamburger Unternehmen mit 200 Millionen Euro Umsatz sei stark im internationalen Handel mit Komponenten für Tierfutter. Für Agravis ist der Einstieg bei Bögel laut Große Frie strategisch wichtig, „weil wir damit den Handel mit Produkten für die Tierernährung und unser internationales Wachstum gezielt ausbauen können“. Anders als dem börsennotierte Konkurrenten aus Bayern fehlt Agravis die Kapitalkraft für Quantensprünge bei der Internationalisierung. „Wir machen Trippelschritte, da kann man auch nicht viel falsch machen“, meint Große Frie.

Dass Agravis sich dabei schon mal in der Rolle des Juniorpartners wiederfindet, sieht der Konzernchef nicht als Nachteil. Jedenfalls nicht mit „guten Partnern“. Zusammen mit Danish Agro und Vestjyllands Andel hat der Agrarkonzern mit der Übernahme des Handelsgeschäfts der Rendsburger Getreide AG immerhin seine bislang größte Einzelinvestition gestemmt. An der neuen Ceravis AG, in der jüngst die Aktivitäten mit einem Umsatz von 900 Millionen Euro gebündelt wurden, hält Agravis 25 Prozent, die Dänen 75 Prozent. Aber Agravis kann über Ceravis jetzt die Hafenplätze Rostock, Stralsund und Wolgast für den eigenen Getreideexport nutzen. Das ist laut Große Frie „ein entscheidender Vorteil für uns“.

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