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Bahn zahlt hohe Strafen für Verspätungen

Ärger im Regionalverkehr Bahn zahlt hohe Strafen für Verspätungen

Die Verspätungen im Regionalverkehr kommen der Deutschen Bahn teuer zu stehen: Das Unternehmen muss hohe Vertragsstrafen zahlen - rund eine halbe Milliarde Euro.

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Weit von den Vorgaben entfernt: Nicht mal 92 Prozent der Nahverkehrszüge der Bahn haben weniger als sechs Minuten Verspätung.

Quelle: Volker Emersleben

Berlin. Wegen Defiziten bei der Qualität und Zugausfällen muss die Deutsche Bahn hohe Vertragsstrafen zahlen. Allein zwischen 2012 und 2014 summierten sich die Zahlungen im Regionalverkehr auf rund 500 Millionen Euro, wie aus internen Unterlagen hervorgeht, die der HAZ vorliegen. Offiziell bestätigen will das Unternehmen diese Zahlen nicht. „Aus Wettbewerbsgründen“ werde man dazu keine Stellung nehmen, sagte eine Bahn-Sprecherin. Auch im abgelaufenen Jahr belasteten Vertragsstrafen den Staatskonzern massiv. Zur letzten Aufsichtsratssitzung Mitte Dezember teilte Konzernchef Rüdiger Grube seinen Kontrolleuren mit, dass 2015 voraussichtlich weitere Strafzahlungen von knapp 92 Millionen Euro die ohnehin bröckelnden Erträge im Nahverkehr belastet haben. Fast 54 Millionen Euro mussten wegen Qualitätsmängeln in den Zügen gezahlt werden, der Rest wegen Unpünktlichkeit.

Anders als im Fernverkehr (ICE, IC, EC), den die Bahn auf eigene Rechnung fährt, geben im hoch subventionierten Regionalverkehr seit der Bahnreform 1994 die bundesweit 27 staatlichen Aufgabenträger die Maßstäbe vor. Wer den Zuschlag für Verkehrsaufträge der kommunalen und landeseigenen Gesellschaften erhält, muss strikte Vorgaben erfüllen. So darf die Pünktlichkeit von Regionalzügen zum Beispiel nicht unter 95 Prozent liegen.

"Wir erbringen derzeit die notwendige Basisqualität nicht"

Davon ist die Bahn ein ganzes Stück entfernt. Zuletzt kamen nicht einmal 92 Prozent der Nahverkehrsbahnen mit weniger als sechs Minuten Verspätung an. „Wir erbringen derzeit die notwendige Basisqualität nicht“, heißt es selbstkritisch im vertraulichen Sanierungskonzept „Zukunft Bahn“. Zudem erziele die Konzerntochter DB Region in Qualitätsrankings „nicht verlässlich Spitzenplätze“.

Das soll sich ändern. Zuverlässigkeit solle wieder „zum Kern des Kundenversprechens der Eisenbahn“ werden, betont die Bahn-Spitze in ihrem Sanierungskonzept. Das sei „oberstes Ziel“. Der Nachholbedarf ist dabei so groß wie der Zeitdruck. Denn seit mehr als zehn Jahren verliert die DB Regio als einstiger Platzhirsch kontinuierlich Marktanteile an Wettbewerbsbahnen - und diese Entwicklung könnte sich noch verschärfen.

Regionalverkehr: Marktanteil bald unter 50 Prozent?

Das befürchten auch die Bahn-Experten. Aktuell beherrscht der Konzern zwar noch 71 Prozent des Regionalverkehrs auf der Schiene. Doch in den nächsten Jahren werden viele lukrative Regionalbahn- und S-Bahn-Netze ausgeschrieben, für die bisher die DB meist Zehnjahresverträge hatte. Schon im vergangenen Jahr hat der Marktführer bereits weniger als 40 Prozent der Neuvergaben gewonnen. Für bedeutende Aufträge wie den Rhein-Ruhr-Express, die Stuttgarter Netze und die S-Bahn Nürnberg bekamen Konkurrenten den Zuschlag. Der langjährige Chef von DB Regio, Ulrich Homburg, wurde im vorigen Sommer abgelöst und durch Jörg Sandvoß ersetzt.

Schon im nächsten Jahrzehnt könnte der Marktanteil des Konzerns im Regionalverkehr auf nur noch 50 Prozent fallen, heißt es in internen Krisenszenarien. Der Kosten- und Produktivitätsnachteil gegenüber schlanker aufgestellten Konkurrenten liege je nach Region bei bis zu 20 Prozent.

Von Thomas Wüpper

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