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Deutsche Börse klopft erneut in London an

Fusionsbestreben Deutsche Börse klopft erneut in London an

Die beiden Betreiber der Börsen in London und Frankfurt führen nun doch wieder Gespräche über eine Fusion. Alle bisherigen Anläufe im Mai 2000 und im Frühjahr 2005 dazu waren gescheitert.

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Große Ambitionen: Die Deutsche Börse - hier Händler in Frankfurt - will auch bei ihrem Londoner Konkurrenten das Sagen haben. Foto: dpa (2)

Quelle: Frank Rumpenhorst

Frankfurt. Carsten Kengeter drückt aufs Tempo. Es gebe einige Projekte, die die Deutsche Börse unter seiner Führung „gebündelter und etwas dynamischer nach vorne treiben“ werde, betonte der seit Juni 2015 amtierende Konzernchef bei der Bilanzvorlage in der vergangenen Woche. Nur wenige Tage später überrascht der Dax-Konzern mit Plänen für eine Großfusion: Die Frankfurter loten mit der Londoner Börse (London Stock Exchange oder kurz: LSE) einen Zusammenschluss aus. Damit entstünde der mit Abstand größte europäische Börsenbetreiber.

Ein Selbstläufer freilich wird dies nicht. Eine Allianz mit der LSE hat die Deutsche Börse schon zwei Mal vergeblich angestrebt: Im Mai 2000 scheiterte der Plan zu einer Fusion mit den Londonern. Im Frühjahr 2005 torpedierten dann angelsächsische Hedgefonds den neuerlichen Griff nach der LSE und jagten den damaligen Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert aus dem Amt.

Nachdem Anfang 2012 auch noch die geplante Megafusion mit der New Yorker Börse NYSE am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter krachend gescheitert war, versuchte der Frankfurter Marktbetreiber unter Kengeters Vorgänger Reto Francioni, mit eher bescheidenen Schritten aus eigener Kraft zu wachsen. Doch mit der Zurückhaltung ist bei Kengeter Schluss: Kaum im Amt, untermauerte der gelernte Investmentbanker im Sommer mit zwei Übernahmen für zusammen mehr als 1,3 Milliarden Euro seine Ambitionen.

„Unser Ziel ist es, die Gruppe Deutsche Börse dorthin zu führen, wo sie hingehört - an die Weltspitze“, betonte der Manager jüngst. Auch in einem Gemeinschaftsunternehmen mit der LSE würden die Frankfurter nach den bisher veröffentlichten Plänen den Ton angeben. Kommt es zu dem Zusammenschluss, sollen die Aktionäre der Deutschen Börse mit 54,4 Prozent die Mehrheit halten.

Kengeter, der Ende März 49 Jahre alt wird, präsentiert sich in Aufbruchstimmung. Es gehe darum, mehr aus dem umfassenden Angebot des Unternehmens zu machen, das vom Handel mit Aktien über den Terminmarkt Eurex bis zur Verwahrung von Wertpapieren seinen Kunden ein einzigartiges Angebot mache. „Ich bin Manager und kein Politiker“, sagte der gebürtige Heilbronner unlängst. „Und als Manager gehört für mich eine Vision durchaus zur Unternehmensstrategie.“

Nun geht der Blick in Richtung von Europas wichtigstem Finanzplatz. Dass sich die Frankfurter auch schon auf einen möglichen Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union vorbereiten („Brexit“) wollen, weisen sie von sich. Es gehe vielmehr darum, als europäischer Champion im internationalen Ringen mit Börsenbetreibern in den USA und Asien verlorenes Terrain zurückzugewinnen, heißt es im Konzern. Die Deutsche Börse muss hoffen, dass Brüssel ihr nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

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