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Wird die Deutsche Post zum Automobilkonzern?

Herstellung des "Streetscooter" Wird die Deutsche Post zum Automobilkonzern?

Die Deutsche Post will die Produktion seines elektrischen Zustellfahrzeugs „Streetscooter“ massiv ausbauen. Dabei steht nicht nur der Klimaschutz im Mittelpunkt - das Unternehmen überlegt, den Elektrotransporter auch für Dritte herzustellen.

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Jährlich will die Post 10 000 Streetscooter bauen.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Aachen. Er kommt auf leisen Sohlen daher und ist ein Zusteller der besonderen Art: Der elektrogetriebene Transporter der Deutschen Post, kurz Streetscooter genannt, gehört zu den Lieblingsprojekten von Jürgen Gerdes. Der umtriebige Manager aus dem Unternehmensvorstand der Post hat Großes vor. Er will nicht nur den gesamten Fuhrpark der Zusteller des Unternehmens auf E-Transporter umstellen - bis zu 70 000 Fahrzeuge könnten das werden. Er denkt auch darüber nach, den Streetscooter anderen Firmen anzubieten. „Es gibt noch keine finale Entscheidung, dass wir an Dritte verkaufen“, sagte Gerdes bei der Präsentation des 1000. Streetscooters in Aachen. „Aber ich persönlich würde mich wundern, wenn wir es nicht täten.“

Die Deutsche Post - jetzt auch ein Autobauer? Konzernchef Frank Appel winkt ab: Ein Automobilkonzern wolle die Post nicht werden. Aber er sei überzeugt von dem Produkt, sagte er vor wenigen Wochen, als der Streetscooter als Vorreiter für den Klimaschutz mit dem ersten Preis der „Klima-Expo NRW“ ausgezeichnet wurde.

Das Unternehmen hatte einen einfachen, preiswerten und funktionalen E-Lieferwagen ohne viel Schnickschnack und Design gesucht - bei den Autobauern war Gerdes jedoch auf taube Ohren gestoßen. Dann entdeckte die Post eine junge Firma in Aachen. Gemeinsam mit Instituten der Uni RWTH entwickelten die Firmengründer Achim Kampker und Günther Schuh Elektrofahrzeuge nach den Vorgaben der Post. Vor zwei Jahren übernahm das Unternehmen die Streetscooter GmbH vollständig.

Bis Anfang 2017 will der Logistikkonzern entschieden haben, ob er den Streetscooter auch für Dritte baut. Die Nachfrage sei groß, so Gerdes. Noch ist das Fertigungsvolumen überschaubar, aber das Unternehmen will schon bald ein größeres Rad drehen. Nach dem Start der Serienfertigung folgt die Massenproduktion. Dort, wo einst Schienenfahrzeuge der Firma Talbot hergestellt wurden, laufen heute Streetscooter vom Band. Derzeit baut die Post die Kapazität aus - von 2017 an will sie jährlich 10 000 Elektrotransporter bauen, heißt es in Aachen. Ende des Jahres sollen rund 2000 Streetscooter im Einsatz sein.

Geschäftskunden im In- und Ausland sind potenzielle Abnehmer. Interessiert zeigten sich bereits Firmen, aber auch Kommunen, die ihre städtischen Fahrzeugflotten umstellen und die wachsende CO2-Belastung in den Innenstädten reduzieren wollen.

Auch die Konkurrenz ist mit E-Fahrzeugen am Start - ob UPS, Hermes oder DPD. Doch keiner tüftelt so intensiv wie die Post an Eigenentwicklungen. Sie setzen vielmehr auf Partner der Autobranche. Über eine Testphase mit E-Fahrzeugen der Autohersteller sei die Zustellung bisher aber noch nicht hinaus gekommen, heißt es beim Paketdienstleister DPD. Es mangelt vor allem an eines: an passenden Fahrzeugen.

Von Peter Lessmann

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