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Deutsche Urlauber trotzen der Griechenland-Krise

Reise-Boom Deutsche Urlauber trotzen der Griechenland-Krise

Griechenland steht vor der entscheidenden Abstimmung über sein Sparprogramm - die Staatspleite droht. Deutsche Urlauber zeigen sich unbeeindruckt: Sie bescheren dem Land einen Tourismus-Boom. Derweil ärgern sich deutsche Unternehmer über griechische Finanzämter.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Berlin. Deutsche Urlauber trotzen der griechischen Schuldenkrise: In diesem Sommer reisen deutlich mehr Menschen nach Griechenland als im Jahr zuvor. „Griechenland liegt bei den Buchungszahlen zweistellig über der Entwicklung des Vorsommers“, sagte Volker Böttcher, Chef des Marktführers Tui Deutschland, der „Wirtschaftswoche“. Für deutsche Pauschalurlauber gebe es in Griechenland aktuell „keine relevanten Leistungseinschränkungen“, betonte Tui-Sprecher Mario Köpers. „Friedliche Demonstrationen oder auch Streiks halten deutsche Urlauber nicht ab.“

Auch der Reiseveranstalter FTI meldet ein deutliches Wachstum: „Kein Kunde hat seine Reise aufgrund der aktuellen Berichterstattung in den Medien annulliert“, zitierte die „Wirtschaftswoche“ FTI-Geschäftsleiterin Heike Niederberghaus. Die zur Rewe-Gruppe gehörende Dertour verzeichnet demnach ein „hohes“ zweistelliges Umsatzplus. Immerhin „gut einstellig“ ist das Buchungsplus bei Thomas Cook laut Angaben des Unternehmens.

Der Tourismus ist einer der wenigen Bereiche der griechischen Wirtschaft, der derzeit nicht leidet: Laut neuesten Zahlen kamen etwa im April 24 Prozent mehr Besucher als im Vorjahr in das Land.

Unterdessen beklagen Wirtschaftsvertreter den Umgang griechischer Finanzämter mit deutschen Unternehmen. Immer häufiger bekämen deutsche Firmen, die in Griechenland tätig seien, von den Finanzämtern ihre Umsatzsteuer nicht erstattet: „Die Finanzämter in Griechenland haben oft einfach nicht mehr das Geld, um den Unternehmen ihre Steuern zurück zu erstatten. Dazu gehören auch Firmen aus Deutschland, die in Griechenland tätig sind“, sagte der Geschäftsführer der Außenhandelskammer, Martin Knapp, der „Bild“-Zeitung (Samstag).

Die Praxis der griechischen Behörden beklagt auch der Außenhandelsverband: „Deutsche Unternehmen, die in Griechenland tätig sind, haben große Probleme, die ihnen zustehende Umsatzsteuer zurück erstattet zu bekommen“, sagte Verbandspräsident Anton Börner der Zeitung. „Wir halten es als Verband für problematisch, wenn Deutschland durch Milliardenzahlungen Griechenland hilft, aber griechische Finanzämter jetzt die Auszahlungen an deutsche Firmen verweigern.“

In der kommenden Woche stimmt das griechische Parlament über das neue harte Sparprogramm ab - nur bei einem Ja sind die nächsten Hilfszahlungen sicher, die den Staatsbankrott abwenden sollen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler appellierte am Wochenende an die Griechen, strikt am Reformkurs festzuhalten. „Entscheidend wird sein, Staatsunternehmen in einem hohen Maß zu privatisieren. Auf diesem Feld muss noch mehr passieren. Das steigert die Wettbewerbsfähigkeit“, sagte der FDP-Politiker dem „Hamburger Abendblatt“.

Auch das Land Nordrhein-Westfalen hat in der Griechenland-Krise einiges zu verlieren: In der Versorgungsrücklage für Beamtenpensionen des Landes befinden sich griechische Staatspapiere im Volumen von rund 220 Millionen Euro, wie eine Sprecherin des NRW-Finanzministerium in Düsseldorf am Samstag bestätigte. Der Anteil der Griechenland-Anleihen an der gesamten Versorgungsrücklage liege bei 6,5 Prozent. Die Papiere seien 2004 und 2005 erworben worden.

dpa

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