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Deutschland / Welt Deutsche schicken 250 Millionen Pakete zurück
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Deutsche schicken 250 Millionen Pakete zurück
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00:24 09.10.2015
Hin und her: Die Zustelldienste profitieren von den vielen Rücksendungen – die Händler stöhnen zuweilen.  Quelle: Stephanie Pilick
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Hannover

Eine halbe Stunde auf dem Sofa, ein paar Klicks, eine gedeckte Kreditkarte, und schon kommen die Einkäufe per Paket nach Hause. Genauso einfach wie das Bestellen ist mittlerweile die Retoure: Was nicht gefällt, wird einfach wieder zurückgeschickt. Dafür haben die Versandhändler zum großen Teil komfortable Bedingungen geschaffen. Viele akzeptieren eine Rückgabe über die gesetzlich vorgeschriebene Frist von 14 Tagen hinaus, sie legen dem Paket schon den passenden Retourenschein als Aufkleber bei und bezahlen auch noch den Versand. Nur zur Post bringen muss der Kunde das Paket noch selbst.

Die Rücknahmeregelungen und der anziehende Onlinehandel haben dafür gesorgt, dass im Jahr 2013 bundesweit rund 250 Millionen Pakete als Retouren zum Versandhandel zurückgeschickt wurden. Das geht aus einer aktuellen Studie der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg hervor. Heruntergerechnet bedeutet das, dass pro Tag deutschlandweit rund 6000 vollgepackte Lieferwagen ausschließlich Retourenpakete transportieren.

Für die Umwelt ist das keine besonders gute Nachricht: Forscher gehen davon aus, dass pro Paket 500 Gramm Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Luft geblasen werden. Insgesamt sind das 125 000 Tonnen CO2 nur für Retourenpakete. „Dafür könnte ein Pkw jeden Tag 1200-mal von Hamburg nach Moskau fahren“, sagt der Leiter der Forschungsgruppe Björn Asdecker.

Am häufigsten werden der Studie zufolge Kleidung (32 Prozent) und Schuhe (37 Prozent) zurückgeschickt. Und weil die meisten Kunden gleich mehrere bestellen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Paket - mehr oder weniger prall gefüllt - zurückgeht, noch höher. Fast jedes zweite muss am Ende im Lager bearbeitet werden. Dabei sind Frauen wählerischer als Männer. Asdecker vermutet: „Männer kaufen eher Artikel, die sie schon mal erworben haben - weiße T-Shirts, Markenjeans, Socken, da kann dann nicht viel schiefgehen.“ Wer dagegen mit der Mode geht und Neues ausprobiert, leistet sich auch eher mal einen Fehlgriff. Besser haben es deshalb Händler, die Ware versenden, die der Kunde nicht anprobieren muss. Im Bereich Unterhaltungselektronik werden nur knapp 5 Prozent der Artikel zurückgeschickt, ähnlich ist es bei Möbeln.

Pro zurückgesendetem Artikel rechnet Asdecker mit einem finanziellen Aufwand für den Händler von rund 4,50 Euro - 2,47 Euro für den Transport und 1,99 Euro für die Bearbeitung im Lager. In Bereichen mit vielen Retouren sind für Verbraucher kaum noch Schnäppchen drin. „Besonders bei Mode und Schuhen bezahlt man im Internet meist genauso viel wie im stationären Handel“, sagt Asdecker. Kleidung, die zurückgesendet wird, landet laut der Studie mit großer Wahrscheinlichkeit (87 Prozent) in einem neuen Paket für einen anderen Kunden. Der Rest geht als B-Ware weg oder wird entsorgt.

Trotz des großen Aufwands lohnt sich der Onlinehandel gegenüber dem stationären Handel meist. Grund dafür sind die teuren Mieten in Einkaufspassagen und das Tarifgehalt für Beschäftigte im Einzelhandel. Ungelernte Lagerkräfte bekommen weit weniger Lohn, und ein Logistikzentrum kann irgendwo auf der grünen Wiese entstehen. Lukrativ ist es bis zu einer bestimmten Grenze: „Ab einer Rücklaufquote von 50 bis 60 Prozent wird es für den Versandhandel zu teuer“, hat der Wissenschaftler ausgerechnet.

Artikel, die ständig zurückkommen, werden meist schnell aus dem Sortiment genommen. Der Branchenriese Zalando fordert Kunden schon mal per E-Mail auf, bewusster einzukaufen. Noch deftiger kam es für Amazon-Kunden: Wer dem Konzern zu teuer wurde, wurde einfach aussortiert. „Wir müssen Sie darauf hinweisen, dass wir aufgrund der Überschreitung der haushaltsüblichen Anzahl an Retouren zukünftig leider keine weiteren Bestellungen entgegennehmen können und Ihr Amazon-Konto mit sofortiger Wirkung schließen“, hieß es etwa in einem Schreiben.

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