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Deutschland / Welt Billig-Konkurrenz aus China: Solarworld ist wieder pleite
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Billig-Konkurrenz aus China: Solarworld ist wieder pleite
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00:28 31.03.2018
Dunkle Wolken ziehen über den Thüringer Standort der Solarworld AG. Der Solarzellen-Hersteller Solarworld ist abermals pleite. Quelle: dpa
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Bonn

 Nur acht Monate nach seinem Neustart aus der Insolvenz ist Deutschlands letzter großer Solarzellen-Hersteller Solarworld erneut pleite. Ein Unternehmenssprecher bestätigte am Mittwoch, dass beim Bonner Amtsgericht ein Insolvenzantrag gestellt wurde. Betroffen sind rund 600 Mitarbeiter in den Werken im sächsischen Freiberg, in Arnstadt in Thüringen und in der Bonner Verwaltungszentrale mit etwa 45 Beschäftigten.

 Der Bonner Insolvenzanwalt Christoph Niering wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Er muss entscheiden, ob die Produktion vorläufig weiterläuft. Dafür ist aber eine positive Perspektive für die Fortführung des Betriebs erforderlich. Aktuell produziert Solarworld nach Einschätzung von Branchenkennern mit roten Zahlen und eine Wende ist vorläufig nicht absehbar. 

 Solarworld leidet unter den extrem niedrigen Preisen der chinesischen Konkurrenz für Solarmodule. Solarworld und der Verband europäischer Solarhersteller „EU ProSun“ sprechen von staatlich gefördertem Preisdumping. Zwar gelten EU-weit Mindest-Importpreise. Sie würden aber bei mehr als der Hälfte der Importe unterlaufen, sagte ein ProSun-Sprecher. Zudem plane die EU, die Anti-Dumpingmaßnahmen im September auslaufen zu lassen. „Das Antidumpinginstrumentarium der EU ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Es fehlen Kontrollen und es fehlt der politische Wille“, sagte der Sprecher. 

 Zusätzlich belastet wurde der Solarworld-Start durch neue US-Importzölle. Seit Jahresbeginn würden 30 Prozent auf Solarimporte erhoben, und anders als beim Stahl gebe es für die Solarproduzenten keine Ausnahmeregelungen, sagte der ProSun-Sprecher. 

 Solarworld hatte bereits im vergangenen Mai unter dem Druck der China-Konkurrenz Insolvenz anmelden müssen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten noch gut 3000 Menschen in dem Unternehmen, das einst als Vorzeigebetrieb der deutschen Energiewende galt und von vielen umweltbewegten Privatinvestoren unterstützt wurde. Firmengründer Frank Asbeck – lange als „Sonnenkönig“ gefeiert – hatte 2017 mit eigenem Geld und finanzieller Unterstützung aus Katar die deutschen Werke aus der Insolvenz übernommen und so vorläufig gerettet. Nun sieht es aber auch für den letzten Rest von Solarworld düster aus. 

 Die vorherige Insolvenz habe dem Ruf von Solarworld geschadet, hieß es in Branchenkreisen. Vertriebsmitarbeiter mit guten Kontakten seien zur Konkurrenz gewechselt, Lieferanten hätten auf Vorkasse bestanden. Angesichts der erneut „abgeschmierten Preise“ auf dem Weltmarkt habe das Management offenbar keine Chance mehr gesehen. 

 Solarworld-Zellen gelten als hochwertig und teuer. Bei privaten Bauherren gebe es ausreichend Nachfrage nach ihnen, hieß es. Bei gewerblichen Solarparks, die stärker auf den Preis schauten, sei Solarworld aber zu wenig zum Zug gekommen. 

 Die Zukunft des Unternehmens gilt als offen. Möglich ist die Übernahme durch einen Konkurrenten, möglicherweise sogar aus China, oder die Schließung und der Verkauf des Know-hows und der modernen Anlagen in den Fabriken in Sachsen und Thüringen. 

 Ein Verschwinden des Unternehmens wäre ein Rückschlag für den Standort Deutschland. „Ohne eigene Fertigung wären wir in ein paar Jahren abhängig von China“, sagte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme, Professor Andreas Bett, vor Kurzem. Die wenigen verbleibenden deutschen Solarmodulhersteller sind deutlich kleiner als Solarworld.

Von Rolf Schraa

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