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Deutschland / Welt Deutsches Bier war jahrelang zu teuer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Deutsches Bier war jahrelang zu teuer
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00:16 12.05.2016
Von Lars Ruzic
Die Preise von Beck’s, Hasseröder und Franziskaner wurden jahrelang künstlich hoch gehalten – in Absprache mit der Brauerei. Quelle: dpa/M
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Hannover

Mit acht Handelskonzernen – darunter die Edeka Minden-Hannover, Kaufland und Metro – verständigte sich die Behörde auf eine „einvernehmliche Verfahrensbeendigung“, was den Delinquenten einen Bußgeld-Rabatt von 10 Prozent sichert. Gegen zwei weitere Ketten wird noch ermittelt. Der Lieferant Anheuser Busch Inbev (AB Inbev) und Deutschlands zweitgrößter Supermarkt-Konzern Rewe nutzten die Kronzeugen-Regelung und blieben straffrei.

„Die betroffene Brauerei hat mehrfach Erhöhungen der Ladenpreise mit den Händlern abgesprochen und die Einzelheiten zwischen ihnen koordiniert“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Montag. Beginnend 2006 hat es demnach allein innerhalb von drei Jahren sechs Preiserhöhungen gegeben. Grundlage des Vorgehens sei eine Vereinbarung von AB Inbev mit den Handelsriesen gewesen, wonach der Brauerreikonzern dafür sorgt, dass die Ketten bestimmte Mindestpreise nicht unterschreiten.

Das galt vor allem für bundesweit vertriebene Marken wie Beck’s, Hasseröder oder Franziskaner. Ob auch die hannoversche Regionalmarke Gilde, die zu dem Zeitpunkt zu dem weltgrößten Bierbrauer gehörte, Teil der Absprachen war, konnte ein Behördensprecher gestern nicht sagen. Der Brüsseler Konzern hatte die Gilde 2003 mitsamt ihrer Wernigeröder Tochter Hasseröder übernommen, die hannoversche Marke wurde Ende vergangenen Jahres jedoch wieder abgestoßen.

Dem Prinzip sogenannter vertikaler Preisabsprachen ist das Bundeskartellamt schon seit sechs Jahren auf der Spur. Das Verfahren zählt zu den größten, die die Behörde je in Angriff genommen hat. Die Bußgelder summieren sich inzwischen auf eine Viertelmilliarde Euro und trafen Hersteller und Händler in den Bereichen Süßwaren, Kaffee, Tiernahrung, Bier und Körperpflege. So straften die Kartellbehörden gestern auch den Discounter Lidl wegen Absprachen bei Haribo-Produkten ab. Damit sei der Komplex nun „nahezu abgeschlossen“, so das Kartellamt. Lediglich gegen drei Firmen bei Süßwaren und Bier liefen noch Verfahren.
Die Mechanismen waren immer die gleichen. Hersteller und Händler verständigten sich darauf, bestimmte Mindestpreisniveaus nicht zu unterschreiten. Die „Moderation“ der Preisfindung übernahm der Hersteller. Gleichzeitig achteten alle Beteiligten mit Argusaugen auf die Preisentwicklung am Markt.

Unterschritt ein Händler – etwa bei einer Werbeaktion – die vereinbarten Schwellen, drohte die Konkurrenz sofort mit Gegenmaßnahmen und stellte finanzielle Ausgleichsforderungen. Wer sich dagegen an die Vereinbarungen hielt, wurde beim Wareneinkauf beispielsweise mit höheren Rabatten oder einer gegenüber der Konkurrenz verspäteten Preisanhebung belohnt. „Leidtragende solcher systematischen Preisbindungspraktiken sind die Verbraucher“, so Mundt.

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