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"Die Menschen haben Angst vor dem Geldausgeben"

Interview mit Athanassios Kelemis "Die Menschen haben Angst vor dem Geldausgeben"

Prof. Athanassios Kelemis ist Geschäftsführer der Deutschen Auslandshandelskammer Athen. Im Interview verrät er, warum er trotz der politischen Unsicherheit weiterhin an den Wirtschaftsstandort Griechenland glaubt. 

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Herr Kelemis, wie ist die Stimmung im griechischen Wirtschaftsleben?

Schlecht, leider. Die Binnennachfrage leidet zurzeit extrem. Die Menschen halten das Geld, das sie noch haben, zurück. Ihre Angst vor dem Geldausgeben ist nicht so sehr der politischen Unsicherheit geschuldet. Vielmehr rechnen die Bürger fest mit weiteren steuerlichen Verpflichtungen und heben ihr Erspartes dafür auf. Das spürt natürlich die Konsumgüterindustrie besonders stark, aber auch die Anbieter von Industriegütern registrieren immer weniger Auftragseingänge.

Meiden deutsche Unternehmen deshalb Griechenland?

Das Gute ist: Trotz der sich zuspitzenden Lage halten die deutschen Unternehmen, die schon lange in Griechenland tätig sind, dem Land die Treue. Sie zeigen sich solidarisch, sie bleiben im Land. Und einige wenige schrecken selbst in Krisenzeiten nicht vor Investitionen zurück. Beispielsweise haben am Anfang der Wirtschaftskrise Siemens mit 157 Millionen Euro, Bosch mit 30 Millionen Euro, Allianz mit 134 Millionen Euro in Griechenland investiert, und im vergangenen Jahr hat der Discounter Lidl 120 Millionen Euro investiert und rund 200 Arbeitsplätze geschaffen. Derzeit sind in Griechenland etwa 119 deutsche Unternehmen und Unternehmen mit deutscher Beteiligung mit 29 000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund sieben Milliarden Euro tätig.

Der Vertrag zum dritten Kreditpaket für Athen sieht umfängliche Privatisierungen von Staatsbesitz ausdrücklich vor. Nehmen Sie nun ein gesteigertes Interesse deutscher Firmen wahr?

Es ist nicht so, dass mein Telefon ununterbrochen klingelt, aber ja: Da tut sich etwas. Über die Industrie- und Handelskammern in Deutschland sind zuletzt einige Anfragen deutscher Unternehmen gekommen, die wir vertraulich behandeln. Angesichts des bevorstehenden großen Privatisierungsprozesses möchten sich einige deutsche Firmen eine gute Startposition sichern – was angesichts des großen Potenzials beispielsweise im Tourismus und in der Lebensmittelindustrie und des enormen Investitionsstaus in der griechischen Industrie auch sehr klug ist.

Sie glauben also an den Wirtschaftsstandort Griechenland?

Aber ja! Und ich appelliere an deutsche Unternehmer, die Entwicklungen und Privatisierungspotenziale in Griechenland sorgfältig zu verfolgen und über Investitionen nachzudenken. Wissen Sie, wir haben im vergangenen Jahr den 90. Geburtstag der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer in Athen gefeiert. Das Verhältnis zwischen unseren Ländern ist keine flüchtige Bekanntschaft, es ist eine lange Beziehung von beinah 100 Jahren. Jetzt ist es an der Zeit, das Fundament zu legen für die nächsten 100 Jahre.

Interview: Marina Kormbaki

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