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Deutschland / Welt Discounter liefern sich neue Preisschlacht
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Discounter liefern sich neue Preisschlacht
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07:42 22.07.2015
Lange hat Aldi vor allem auf Eigenmarken gesetzt, doch Markenartikel werden für das Unternehmen immer wichtiger. Quelle: Oliver Berg
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Düsseldorf

Markenprodukte vom Energydrink Red Bull über Lenor-Weichspüler bis zu O.B.-Tampons sind heute in vielen Läden deutlich billiger zu haben als noch vor einigen Wochen und das könnte auch so bleiben. „Der Konflikt zwischen Aldi und Lidl verschärft sich, weil Aldi jetzt immer mehr Markenprodukte anbietet. Bislang war das die Domäne von Lidl. Jetzt macht Aldi dem Rivalen hier mit Kampfpreisen Konkurrenz“, erläutert Denise Klug vom Handelsanalysten Planet Retail.

Tatsächlich ist die über lange Jahre gepflegte Rollenverteilung zwischen den Discountern ins Wanken geraten. Mit seinen preisgünstigen Eigenmarken stand Aldi lange Zeit für billigen Einkauf in guter Qualität. Lidl hob sich vom Konkurrenten nicht zuletzt durch sein Angebot an günstigen Markenartikeln ab. Damit konnten beide gut leben. Doch seit auch bei Aldi immer häufiger Markenartikel in den Regalen zu finden sind, ist es vorbei mit dem Burgfrieden. Lidl scheint entschlossen, sein angestammtes Territorium zu verteidigen, und greift dabei selbst immer wieder beherzt zum Rotstift. So kommt eine Preisspirale in Gang.

„Aldi muss auf Markenebene Gas geben"

Beispiel: Red Bull. Als Aldi im Frühjahr die Marke in die Regale stellte, ließ der Wettbewerb zwischen den Discountern den Preis für die 0,25-Liter-Dose innerhalb kürzester Zeit von 1,49 Euro auf 95 Cent schrumpfen. Und der Energy­drink blieb nicht das einzige betroffene Produkt. Auch die Preise von Funny-Frisch-Kartoffelchips, Lenor, O.B.-Tampons oder Wrigley-Kaugummis gerieten unter Druck. Das Fachblatt „Lebensmittel Zeitung“ sprach von einem „regelrechten Erdbeben“, das die Markenlistungen von Aldi ausgelöst hätten. „Aldi hat gemerkt, dass er auf der Markenebene Gas geben muss, um sein Preisimage zu verteidigen“, urteilt der Handelsexperte Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Lange Zeit habe der Discounter vor allem auf Preissenkungen bei seinen Handelsmarken gesetzt. Aber das habe zuletzt nicht mehr ausgereicht, um das Preisimage wie gewollt zu schärfen.

Ein Beispiel: Als Aldi vor zweieinhalb Jahren erstmals Coca-Cola verkaufte, verzichtete das Unternehmen noch auf Kampfpreise. „Aber das hat sich für Aldi nicht ausgezahlt, denn die Konkurrenz hat den Discounter danach mit zahlreichen Sonderangeboten vorgeführt. Das hat dem Image von Aldi nicht gutgetan“, sagt Klug. Auch deshalb trete der Discounter jetzt aggressiver auf, wenn er neue Marken ins Regal nehme.

Doch können auch andere Überlegungen die Preissenkungen von Aldi und Lidl bei Markenprodukten beflügelt haben: Denn für die Discounter eröffnet sich so die Möglichkeit, auch den großen Supermarktketten wie Edeka oder Rewe Kunden abspenstig zu machen. Etwas Rückenwind könnten die Unternehmen durchaus brauchen. Denn nach einer aktuellen GfK-Untersuchung haben die Billiganbieter in den ersten fünf Monaten dieses Jahres spürbar Marktanteile an die „klassischen Supermärkte“ verloren.

Kampf auf Kosten der Markenhersteller

Konsumgüterhersteller wie Unilever (Langnese, Knorr, Axe) ärgern sich über den aggressiven Preiskampf. „Der Wahnsinn muss ein Ende haben“, sagte Deutschland-Chef Ulli Gritzuhn der „Welt“. Die Preiskämpfe auf Konten der Markenhersteller könnten die Unternehmen auf Dauer nicht verkraften. „Wir als Industrie und auch der Handel müssen einen Weg finden, wie wir die Wertvernichtung bei den Markenartikeln beenden können“, verlangte Gritzuhn.

Doch ein Ende der Preisnachlässe ist nicht in Sicht. „Ich denke, die Kunden können mit weiteren Preissenkungen rechnen. Der Kampf ist nicht vorbei“, prognostiziert Handelsexpertin Klug. Aldi werde sein Angebot an Markenartikeln Schritt für Schritt weiter ausbauen, um neue Kundengruppen zu erschließen – und dabei wahrscheinlich auch weiterhin die Konkurrenz mit aggressiven Preisen unter Druck zu setzen. Lidl und die anderen würden das nicht einfach hinnehmen. „Alle sind auf Krawall gebürstet.“

Von Erich Reimann

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