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Darum nimmt die EU so viele Produkte vom Markt

Gefahr für den Verbraucher Darum nimmt die EU so viele Produkte vom Markt

Der Rauchmelder schweigt, der Teddy kann zur Erstickungsfalle werden und die Tattootinte Krebs auslösen: Die EU-Kommission hat im vergangenen Jahr 2072 Produkte als gefährlich für den Verbraucher eingestuft. Gegen die Hersteller vorzugehen, ist aber nicht einfach.

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Dieser Teddybär ist gefährlich: Weil er eines seiner Knopfaugen verloren hat, besteht Erstickungsgefahr. Die EU-Kommission spricht jedes Jahr Produktwarnungen aus.

Quelle: Anja Mia Neumann/Archivbild

Brüssel. Am häufigsten wurden Warnungen für Spielzeug (27 Prozent) und Kleidung (17 Prozent) ausgesprochen, wie EU-Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourova am Montag in Brüssel sagte. Und wie schon in den Jahren zuvor kommen viele der gefährlichen Waren oft aus China – in 2015 waren es 62 Prozent aller Fälle. Das geht aus dem Bericht hervor, den die EU-Kommission am Montag in Brüssel vorstellte. Gegen die Risiko-Produkte vorzugehen, ist gar nicht so einfach.

Hersteller können schwer zurückverfolgt werden

"Ich bin nicht zufrieden", sagt EU-Verbraucherkommissarin Vera Jourova. Zwar informieren die Europäer die chinesischen Behörden mittlerweile über jedes auffällige Produkt. Doch das löst das Problem noch nicht: "Sie sagen uns, dass sie das Produkt in einem Drittel der Fälle nicht dorthin zurückverfolgen können, wo es hergestellt wurde – also wissen sie nicht, wen sie bestrafen können", beklagt Jourova. Im Juni will sie nach China reisen und Druck ausüben, damit sich die Lage verbessert.

Dennoch ging die Gesamtzahl der gefährlich eingestuften Produkte im Vergleich zu 2014 zurück. In Europa wachen nationale Behörden darüber, dass gefährliche Produkte vom Markt genommen werden. Bedenkliche Waren (Lebensmittel ausgenommen) melden sie einander über die EU-Datenbank Rapex. 2072 solcher Hinweise gab es im vergangenen Jahr, 1703 davon wegen schwerer Verstöße gegen Sicherheitsstandards.

Weichmacher im Spielzeug

Gefahr lauert demnach vor allem im Kinderzimmer: Die meisten Produktwarnungen richteten sich gegen Spielzeug. Wie etwa bei der brandgefährlichen Schweinchenmaske oder der rosa Plastikeule. Letztere enthält nicht nur Weichmacher, die die Fruchtbarkeit gefährden können. Ebenso könnte sich der Quietschmechanismus lösen und zum Ersticken führen.

Doch auch für Jugendliche und Erwachsene können Produkte zum Risiko werden. Wegen Brandgefahr durch Überhitzung wurde ein sogenanntes Hoverboard vom Markt genommen – eine Art Skateboard mit Akkuantrieb. 80.000 Exemplare seien in der Weihnachtszeit in Großbritannien zurückgerufen worden, hieß es bei der EU-Kommission.

Blei im Modeschmuck

Die Kontrolleure haben auch fehlerhafte Rauchmelder gefunden. Und auch in Kleidung, Textilien und Modeaccessoires – diese Waren lösten 17 Prozent aller Rapex-Hinweise aus – wurden gefährliche Substanzen gefunden. In Kleidungsstücke entdeckten Kontrolleure Weichmacher und in Modeschmuck sogar Schwermetalle wie Nickel und Blei. Andere Produktgruppen wie motorisierte Fahrzeuge (10 Prozent), Elektrogeräte (9 Prozent) und Schmuck (6 Prozent) waren seltener betroffen.

Sorgen macht den Aufsichtsbehörden inzwischen nicht mehr in erster Linie die Gefahr von Verletzungen sondern eine oft schleichendere Schädigung durch Chemikalien. Das sei bei 25 Prozent der gemeldeten Produkte der Fall gewesen. Die Verbraucher könnten die Gefahr der Chemikalien nicht ohne weiteres erkennen, sagte Jourova.

Im Vergleich zu 2014 sank jedoch der Anteil der aus China importierten und als gefährlich eingestuften Produkte im vergangenen Jahr leicht. Das ergab die Jahresstatistik des europäischen Frühwarnsystems Rapex, deren Jahresbilanz Jourova vorstellte. Im Rekordjahr 2014 waren über Rapex noch 2435 Warnmeldungen ausgegeben worden. Damit ist 2015 erst das zweite Jahr, in dem die Warnmeldungen seit den ersten Statistiken von Rapex in 2004 zurückgegangen sind. Die größte Gefahr bildeten im vergangenen Jahr unerlaubt verwendete Chemikalien.

Deutschland hinter Spanien und Ungarn

Aus Deutschland wurden 208 Warnmeldungen an Rapex geschickt. Das bedeutet Platz drei in der EU-Länderstatistik hinter Spanien mit 239 und Ungarn mit 238 Meldungen. Jourova appellierte zugleich an die Rapex-Teilnehmerstaaten, mehr auf den Online-Handel achten. 65 Prozent der Europäer würden heutzutage über das Internet einkaufen. Die Produkte, die nur im Internet angeboten würden, müssten besser überprüft werden.

Das Rapex-System gibt es seit 2003. Es wurde auf Grundlage der europäischen Produktsicherheitsrichtlinie von 2001 eingeführt. Bei Rapex geht es um die meisten Arten von Produkten für Verbraucher und den Beruf. Die zu meldenden Risiken sind nicht auf die Gesundheit beschränkt: Auch Umweltgefahren fallen darunter. Nicht erfasst werden von Rapex Lebensmittel, Pharmazeutika und medizinische Geräte, für die es eigene Kontrollsysteme bei der EU gibt. An Rapex nehmen neben den 28 EU-Mitgliedstaaten auch Island, Norwegen und Liechtenstein teil.

dpa/afp

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