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EU senkt die Fangquote für Dorsche deutlich

Auch Angler betroffen EU senkt die Fangquote für Dorsche deutlich

Die deutschen Fischer dürfen 2017 deutlich weniger Dorsch aus der Ostsee ziehen. Im westlichen Teil sinkt nach einer Entscheidung der EU-Fischereiminister die Fangmenge um 56 Prozent im Vergleich zum laufenden Jahr, in der östlichen Ostsee sind es 25 Prozent. Erstmals werden auch Obergrenzen für Freizeitfischer eingeführt.

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Fürchten um ihre Existenz: Fischern wie in Timmendorf auf der Ostseeinsel Poel steht eine schwierige Zeit bevor.

Quelle: dpa

Luxemburg/Kiel. Mittlerweile fischen Freizeitfischer ähnlich viel Dorsch aus der Ostsee wie Berufsfischer. In der Laichsaison im Februar und März dürfen sie höchstens drei Dorsche pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf.

Der Direktor des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, bezeichnete die Quoten als tragbaren Kompromiss. Dadurch, dass auch die Freizeitfischerei mit Begrenzungen belegt werde, würden die Lasten verteilt und der Fischereidruck insgesamt gesenkt. Mit der neuen Quote käme die EU-Entscheidung in die Nähe der Empfehlung des Wissenschaftlichen Rates für Meeresforschung, die eine Quotensenkung im Westen um 88 Prozent vorsah.

Welcher Verzehr ist erlaubt?

Dorsch aus der Ostsee kommt meist nur bei Hobbyanglern in die Pfanne – im Verkauf landen dagegen Exemplare aus dem Nordatlantik, Kabeljau genannt. Die Umweltorganisation Greenpeace und der WWF geben regelmäßig aktualisierte Empfehlungen, welchen Fisch umweltbewusste Verbraucher essen dürfen und welchen nicht.

Als „gute Wahl“ empfiehlt der WWF Hering und Sprotte, Karpfen und Bio-Forellen aus Aquakulturen. Greenpeace ist strenger: Für uneingeschränkt empfehlenswert hält die Organisation nur den Karpfen; für „überwiegend vertretbar“ Hering und Wels. Bei beiden Arten gelten demnach aber Ausnahmen für in bestimmten Regionen gefangene Exemplare, die besser nicht auf den Tisch kommen sollten.

Noch komplizierter wird es bei beliebten Arten wie Lachs und Thunfisch: Von beiden Arten raten Umweltschützer ab; allerdings gibt es Ausnahmen: Lachs oder Thunfisch aus dem Westpazifik oder Wildlachs aus Ostalaska seien okay.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sprach von einer schmerzhaften, aber angesichts der Bestandssituation erforderlichen Quotenreduzierung: „Die Dorschbestände werden sich weiter erholen können, und unsere Ostseefischer haben eine wirtschaftliche Perspektive.“ Abwrackprämien für Fischer, die Kutter aufgeben oder vorübergehend stilllegen, sollten weiter gezahlt werden.

Der Landesfischereiverband Schleswig-Holstein forderte eine finanzielle Unterstützung für die Betriebe. Die Fischer im Land tragen zu etwa drei Viertel zum deutschen Dorschfang bei. Sie seien bereit, ihren Teil zur Schonung der Bestände zu übernehmen, sagte der Vize-Vorsitzende Benjamin Schmöde. Um dieses Tal der Tränen durchschreiten zu können, bräuchten sie aber Unterstützung.

Die Kürzung sei trotz der Härten für die Fischer erforderlich, um die Bestände zu schonen, sagte der Kieler Agrarminister Robert Habeck (Grüne). Allerdings seien nun Hilfen aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds nötig. „Wir setzen uns dafür ein, dass Gelder für die dauerhafte und vorübergehende Stilllegung gezahlt werden können.“ Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Till Backhaus (SPD) betonte, dass die Fischer in der aktuellen Situation nicht alleingelassen werden dürften.

Kritik kam von der Umweltorganisation Greenpeace. Erneut hätten sich die Fischereiminister bei der Quotenvergabe den Interessen der Fischereiindustrie gebeugt, anstatt den wissenschaftlichen Vorgaben zu folgen, sagte Greenpeace-Experte Thilo Maack. Damit werde weder dem Dorschbestand noch der Ostseefischerei ein Gefallen getan.

Die Fangquote sinkt jedoch nur beim Dorsch, bei anderen Fischarten können sich die Fischer über Zuwächse freuen. Für die Scholle verdoppelt sich die Fangmenge für die gesamte Ostsee nahezu. Die Heringsquote steigt im Westen um 8  Prozent. Beim Lachs ändert sich wenig, die Sprottenquote steigt um 29 Prozent.

Von Martina Herzog

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