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Deutschland / Welt Ebola erfasst die Wirtschaft
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10:40 05.09.2014
Kaum jemand traut sich noch in Monrovia vor die Tür. Quelle: dpa
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Monrovia

Normalerweise ist Vai Town eine quirlige Drehscheibe für die zahlreiche Import-Export-Unternehmen in Liberias Hauptstadt Monrovia. Aus dem ganzen Land und Nachbarstaaten kommen die Händler, um Waren anzubieten oder zu kaufen. Doch an diesem Vormittag liegt das sonst so belebte Viertel verlassen da. Die Straßen sind leer, die meisten Geschäfte geschlossen.

Seit die Regierung von Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf wegen des Ebola-Ausbruchs die Bewegungsfreiheit im Land eingeschränkt und die Grenzen geschlossen hat, sind Tausende Geschäfte zum Erliegen gekommen. „Die Lage ist ziemlich schwierig für uns“, sagt ein Ladenbesitzer aus Vai Town. „Wir können uns gerade mal so über Wasser halten.“

Der Ausbruch von Ebola droht all die wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte in den drei am schwersten betroffenen Staaten Liberia, Sierra Leone und Guinea zunichtezumachen, die es dort in den vergangenen zehn Jahren gab. Die Epidemie wird die drei Staaten bis zu 1,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts kosten, schätzt die Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB). Das Wirtschaftswachstum könnte sich um bis zu vier Prozent verringern.

Ebola habe ökonomische und soziale Auswirkungen auf die drei ohnehin anfälligen Staaten, sagt auch Gerry Rice, Direktor für Kommunikation beim Internationalen Währungsfonds. Schon jetzt sei abzusehen, dass sich das Wachstum deutlich zu verringern drohe und voraussichtlich ein signifikanter Finanzierungsbedarf entstehe. Ganz zu schweigen von einer möglichen Verschärfung der Ernährungs- und Sicherheitslage sowie den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Möglicherweise bekomme die gesamte Region die wirtschaftlichen Folgen von Ebola zu spüren, warnt AfDB-Präsident Donald Kaberuka. „Die Umsätze sind im Keller, die Wechselkurse sind unten, Märkte funktionieren nicht, Fluggesellschaften können nicht fliegen, Vorhaben werden abgesagt und Geschäftsleute sind abgereist“, sagt Kaberuka. „Das ist sehr, sehr schädlich.“

Die meisten internationalen Firmen und Hilfsorganisationen haben ihre ausländischen Mitarbeiter aus Liberia, Sierra Leone und Guinea abgezogen. Oft hält nur noch eine Notbesetzung den Betrieb aufrecht.
 In Liberia ist einer der wichtigsten Devisenbringer betroffen: der Bergbau. Seit Beginn des Ausbruchs ist die Produktion in beträchtlichem Umfang zurückgegangen. Stahlkonzerne wie Arcelor Mittal, OAO Severstal und China Union haben ihren Betrieb auf ein Minimum zurückgefahren.

In Monrovia bleiben die Hotels verwaist, Wohnungen stehen zum Verkauf und die Immobilienpreise sind im Sinkflug. Tausende Liberianer haben wegen des eingeschränkten Handels ihren Arbeitsplatz verloren. Die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen ist landesweit erschwert, Supermarktregale bleiben leer und viele Menschen wissen nicht, wie sie ihre Familie mit dem Nötigsten versorgen sollen.

Eine nächtliche Ausgangssperre hat Restaurants und Bars gezwungen, die Arbeit einzustellen. Menschen meiden den öffentlichen Verkehr. Ohnehin sind in Taxis und Bussen auf einmal doppelte Fahrpreise zu entrichten: Die Arbeit dort gilt nun als Hochrisiko-Job.

dpa

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