Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Ehemaliger VW-Vorstand fordert: Autoindustrie soll radikal umdenken
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ehemaliger VW-Vorstand fordert: Autoindustrie soll radikal umdenken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:46 18.10.2010
Automanager Daniel Goeudevert. Quelle: dpa

Der frühere VW-Vorstand Daniel Goeudevert wirft der Autobranche vor, mehr auf Konkurrenten zu achten als auf die Kunden. „Die deutschen Autobauer denken, sie sind im Markt für Luxusgüter tätig. Das ist falsch. Ihr Produkt ist Mobilität“, äußerte der ehemalige VW-Vorstand. In China oder Indien gebe es ein riesiges Bedürfnis nach Mobilität. Dies erfordere jedoch neue Konzepte.

Goeudevert rechnet damit, dass die weltweite Autoproduktion in den kommenden zwanzig Jahren von derzeit rund 65 Millionen auf 120 Millionen Fahrzeuge steigt. In Europa gebe es heute 500 Autos je 1000 Einwohner, in China und Indien seien es acht bis 15. „Sie werden nicht auf unsere Verhältnisse kommen, aber sie werden kräftig aufholen.“

Die Chinesen versuchten nicht länger, die konventionellen Superautos der Amerikaner und Europäer nachzubauen, sondern arbeiteten an Lösungen vor allem für die staugeplagten Megastädte. „Mir ist es ein Rätsel, warum die erfinderischen Deutschen sich mit dem Problem Stau noch nicht intensiver beschäftigt haben.“ Dabei sei das Ruhrgebiet die am dichtesten besiedelte Region in Europa mit permanenter Staugefahr.

„Wir haben wahnsinnig viel Zeit verloren“, sagte Goeudevert. Seit der Ölkrise in den siebziger Jahren seien Effizienzgewinne durch Technikspielereien aufgefressen worden. „Heute sind die Autos 300 Kilo schwerer, und es gibt Technologien in meinem Auto, die habe ich noch nie benutzt – und ich werde sie nie brauchen.“

Als größten Fehler der deutschen Autobauer machte er eine zu einseitige Orientierung an der Konkurrenz aus. „Sie beobachten andere Hersteller, nicht die Kundschaft.“ Verändern würden sich jedoch vor allem die Kunden. „In der Pariser Innenstadt haben nur noch 40 Prozent der Menschen ein Auto.“ Der ehemalige Automanager sieht den Zwang zur Umkehr: „Wir haben bisher immer Mehr-Auto gebaut. Nun müssen wir Weniger-Auto bauen – das ist schwer.“ Um in den Wachstumsmärkten mithalten zu können, müssten schleunigst neue Ideen her. „Warum setzen sich die Autobosse nicht einmal mit den Stadtplanern zusammen?“

Goeudevert war Deutschland-Chef von Ford und Renault sowie bis 1993 VW-Vorstandsmitglied. Der vor 68 Jahren in Frankreich geborene Wahlschweizer gilt als Querdenker, der schon in den neunziger Jahren für ökologischere Autos stritt.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Fünf Millionen Fahrzeuge hat der Autobauer VW von Januar bis September 2010 verkauft. Es könnte ein Rekordjahr für die Wolfsburger werden.

15.10.2010

Der Volkswagen-Konzern stärkt seine drei größten deutschen Werke mit Investitionen im hohen dreistelligen Millionenbereich. In Wolfsburg, Hannover und Kassel sollen die Kapazitäten erweitert werden, um dem erwarteten Absatzplus bei den Modellen Tiguan, Amarok und dem Doppelschaltgetriebe Herr zu werden.

Lars Ruzic 11.10.2010

Festigung des Nachfrage-Booms: In Wolfsburg und Kassel baut der Autokonzern Volkswagen die Fertigung des Geländewagens Tiguan aus. Anstelle von 700 Fahrzeugen sollen künftig 1000 täglich vom Band laufen.

11.10.2010

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) warnt vor einem Kollaps der deutschen Stromnetze. Der Grund: Bei einem ungebremstem Ausbau der Solarenergie drohe einer Überlastung.

17.10.2010

Seit der Einführung der neuen Kundenrechte ist bei der Deutschen Bahn eine Flut von Anträgen auf Entschädigung wegen verspäteter Züge eingegangen. Das „Servicecenter Fahrgastrechte“ bearbeitete von Juli 2009 bis zum 31. August 2010 eine Million Anträge.

17.10.2010

Die Löhne sollen steigen: Zu entsprechenden Abschlüssen drängt die Koalition die Tarifpartner angesichts der rosigen Konjunkturaussichten immer stärker. Ökonomen sind teils skeptisch.

17.10.2010