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„Eine zweite Chance bekommt VW nicht“

VW-Markenvorstand Herbert Diess „Eine zweite Chance bekommt VW nicht“

VW-Markenvorstand Herbert Diess spricht im Interview über den Umbruch in der Autoindustrie, das Effizienzprogramm für die Marke Volkswagen - und die Frage, wo das Unternehmen in fünf Jahren stehen soll.

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VW-Markenvorstand Herbert Diess ist im Juli 2015 vom BMW-Konzern nach Wolfsburg gewechselt.

Quelle: Manfred Hensel

Herr Diess, in Genf haben Sie gerade das Jahr des Neuanfangs für Volkswagen ausgerufen. Was meinen Sie damit?
Wir haben in den vergangenen Monaten ein umfangreiches Reformprogramm für die Marke Volkswagen auf den Weg gebracht. So haben wir mit einem Zwölf-Punkte-Plan die Schwerpunkte festgelegt und damit die Neuausrichtung eingeleitet. Und unter dem Stichwort „New Volkswagen“ arbeiten wir bereits am Auto der Zukunft: vollelektrisch, vernetzt und zum Teil autonom fahrend. Themen wie Elektromobilität und Digitalisierung werden Volkswagen stark verändern.

Derzeit fährt Volkswagen noch im Krisenmodus. Die Kosten des Abgas-Skandals sind noch immer nicht abzusehen, die Aufarbeitung und die Bewältigung der Krise binden viele Kapazitäten. Was macht Sie da so optimistisch?
Ich bin überzeugt davon, dass der Volkswagen-Konzern insgesamt stark genug ist, um die Diesel-Krise zu meistern. Die Wahrnehmung der Marke Volkswagen hat natürlich schon gelitten. Mit der Umrüstaktion der ersten Dieselfahrzeuge kommen wir aber sehr gut voran. Angefangen haben wir mit dem Amarok - davon waren bereits mehr als 10 000 Fahrzeuge in den Werkstätten, und es hat so gut wie keine Kundenbeschwerden gegeben. In wenigen Tagen folgt dann der Passat. Ich bin der Meinung, dass wir gute Chancen haben, in den nächsten Monaten eine Übereinkunft mit den Behörden in den USA zu erzielen. Dann bleibt aber noch die große Aufgabe, Volkswagen zukunftsfähig zu machen.

Was meinen Sie damit? Ohne die Diesel-Krise hätte Volkswagen doch im Ergebnis gerade das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte abgeschlossen.
Der Konzern hat in den vergangenen Jahren echte Erfolge eingefahren: Seat und Skoda haben ordentlich aufgeholt, Audi brilliert mit Technik und Modellen, Porsche fährt Rekorde ein. Die Marke Volkswagen muss dagegen noch einiges tun, um in den nächsten Jahren profitabler zu werden. Nur so können wir uns die Zukunft leisten. Und ich bin sicher: Wir werden keine zweite Chance bekommen. Das starke Wachstum in China hat da in den vergangenen Jahren solche Themen überstrahlt. Der Umbruch in der Automobilindustrie wird dramatisch werden. In den nächsten Jahren werden wir es mit völlig neuen Wettbewerbern zu tun haben. Darauf müssen wir uns einstellen. Nicht alle Unternehmen, die wir heute in der Automobilindustrie sehen, werden diesen Wandel langfristig überleben.

Können Sie der Belegschaft denn vermitteln, wie groß der Handlungsbedarf ist? Die vorherrschende Meinung ist doch, dass Volkswagen total erfolgreich unterwegs ist.
Mir ist wichtig, dass wir hierzu zwischen der Marke Volkswagen und dem Volkswagen-Konzern differenzieren. Ich sage ganz klar: Die Marke Volkswagen muss sich bewegen, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Genau deshalb haben wir ein unternehmensweites Effizienzprogramm aufgelegt, das wir noch einmal beschleunigen. Wir werden mit weniger Kosten mehr Autos bauen und damit die Produktivität verbessern.

Droht weiterer Krach mit den Arbeitnehmern? Betriebsratschef Bernd Osterloh hält Ihre Produktivitätsziele für dieses Jahr für unrealistisch.
Ich nehme Herrn Osterloh als unternehmerisch denkenden Betriebsrat wahr. Er weist selbst immer wieder auf Handlungsbedarf im Management hin. Wo gibt es einen Betriebsratschef, der ein Effizienzprogramm über mehrere Milliarden vorschlägt? Ich gehe auch davon aus, dass er meine grundsätzliche Einschätzung zur Lage des Unternehmens teilt und dass wir ein gemeinsames Interesse haben, die Marke Volkswagen zukunftsfähig zu machen.

Viele Mitarbeiter sorgen sich wegen des Abgas-Skandals um ihre Arbeitsplätze. Sind die Jobs bei VW noch sicher?
Wenn es uns gelingt, das Vertrauen unserer Kunden zurückzugewinnen, werden wir bald die Trendwende in Europa schaffen. Das ist aber nur der erste Schritt. Darüber hinaus müwssen wir unsere Kosten in den Griff bekommen. Wir werden über profitables Wachstum unsere Stammarbeitsplätze sichern. Ich werde alles daran setzen, dass dies gelingt.

Wo sehen Sie Volkswagen denn in fünf Jahren?
In einigen Jahren wächst Volkswagen wieder - auch auf den Krisenmärkten außerhalb Chinas. Dann sollten wir auch in den USA wieder Fuß gefasst und unsere Marktposition in Südamerika und Russland gestärkt haben. Ich bin optimistisch, was die nächsten Jahre betrifft, denn wir haben viele tolle Modelle in petto.

Vor Kurzem wollte der VW-Konzern noch die Nummer eins der Welt werden. Konzernchef Matthias Müller hat das schon ein Stück weit revidiert. Was denken Sie, muss das Ziel der Marke VW sein?
Der langfristige Anspruch der Marke Volkswagen muss es sein, den hohen Stellenwert, den wir uns in Deutschland und Europa erarbeitet haben, weltweit zu erreichen. Ich spreche von einer Positionierung zwischen den Premium- und den Volumenmarken, verbunden mit dem Anspruch, Premiumqualität und Innovationen einem breiten Kundenkreis zugänglich zu machen. Dann ist die Marke profitabel, auch in der neuen digitalisierten Welt.

Interview: Florian Heintz

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