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Deutschland / Welt Energiesiegel sollen realistischer werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Energiesiegel sollen realistischer werden
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05:00 07.07.2017
Gerade Waschmaschinen sind oft nicht so sparsam, wie das Energiesiegel den Kunden vorgaukelt. Quelle: Foto: HAZ
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Berlin

Haushaltsgeräte ziehen im täglichen Gebrauch oft mehr Strom, als die Hersteller angeben. Die Verbrauchswerte für die bisher gültigen Energie- und Effizienzsiegel wurden meist unter praxisfremden Bedingungen ermittelt. Nach der Kritik von Verbraucherschützern soll das nun anders werden. Das haben die EU-Kommission und das Europäische Parlament beschlossen.

Innerhalb der kommenden acht Jahre sollen die Effizienzklassen gestrafft und die Prüfbedingungen verbrauchernäher gestaltet werden. Mit einer großen Verbraucherstudie, durchgeführt durch das Freiburger Öko-Institut in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn, hat das Bundeswirtschaftsministerium als Auftraggeber jetzt erste Richtgrößen erarbeitet.

Energiesparende Waschprogramme sollen nur drei Stunden laufen

Das Ergebnis, so wie es Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zusammenfasst, läuft auf die schlichte Erkenntnis hinaus: Ein neues Wäschewaschverhalten braucht das Land. Die Waschmaschine ist einer der größten Energieschlucker im Haushalt. Allein bei Waschmaschinen ließe sich durch eine Anwendung der neuen Waschempfehlungen der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Waschgang um bis zu 8 Prozent und der Energieverbrauch um 15 Prozent senken.

Eine der zentralen Schlussfolgerungen auf Basis der neuen Ökostudie lautet, eine Waschzeit von allerhöchstens drei Stunden für energiesparende Waschprogramme einzuführen. Empfohlen werden soll deshalb, so Baake, ein neues Waschprogramm „Eco 30 bis 60 Grad“ für leicht verschmutzte Wäsche sowie ein Programm „Eco 40 bis 60 Grad“ für normal verschmutzte Wäsche. Gleichzeitig werden die Verbraucher ermuntert, die Maschinen mit mehr Schmutzwäsche und auch mit unterschiedlichen Wäschesorten zu füllen.

Schnellprogramme werden doppelt so oft genutzt

Diverse Ökowaschprogramme gibt es zwar längst. Sie bilden auch die Grundlage für die Berechnung der Energieeffizienz. Die Sache hat allerdings einen Haken: Bei reduzierter Waschtemperatur brauchen die Ökoprogramme meist bis zu vier Stunden und länger, um eine Trommel Wäsche zu waschen. Deshalb nutzen Verbraucher die teureren und weniger sparsamen Schnellprogramme rund doppelt so oft wie die Ökowaschgänge. Das ergab die Verbraucherstudie.

Der Apfelsinentrick – oder: Wann ist die Maschine voll?

Pro Jahr verbraucht jeder Bundesbürger laut Verband der Energie- und Wasserwirtschaft rund 5840 Liter Wasser fürs Wäschewaschen. Das entspricht einem täglichen Verbrauch von 16 Liter – oder 12 Prozent des direkten, persönlichen Wasserkonsums.

Bereits mit einfachen Mitteln lässt sich der Wasserverbrauch senken. So sollte man eine Waschmaschine erst dann in Betrieb nehmen, wenn diese auch tatsächlich voll ist. Ein Blick in das Datenblatt einer Waschmaschine genügt, um herauszufinden, für welche Wäschemenge das Gerät geeignet ist. Moderne Geräte arbeiten energieeffizient, wenn die Wäschetrommel vollständig ausgefüllt ist. Dies ist erst dann der Fall, wenn gerade noch eine Orange in die volle Wäschetrommel passen würde.

Routinemäßig wählen viele Menschen eine Waschtemperatur von 40 Grad Celsius oder mehr. Bei normal verschmutzter Wäsche genügt jedoch meist eine Temperatur von 30 Grad Celsius, um dasselbe Waschergebnis zu erzielen. Wer so handelt, kann viel Strom sparen.

„Die Anforderungen an die Messverfahren müssen sich stärker am tatsächlichen Verbraucherverhalten orientieren und gleichzeitig zusätzliche Anreize für die Energieeinsparung setzen“, verlangt deshalb Baake. Die bisherigen Kategorisierungen hätten sich an idealisierten Verbraucherverhalten orientiert und deshalb in der Praxis oft ein Energiesparpotenzial nur vorgegaukelt.

Firmen vergeben Siegel unkontrolliert an sich selbst

Neue Orientierungsgrößen mit dem zukünftigen EU-Energiesiegel sollen deshalb den Verbrauchern helfen, sich umwelt- und kostenbewusster bei den größten Energiefressern im Haushalt wie Waschmaschinen, Kühlschränken, Geschirrspülern, Fernsehgeräten und Beleuchtung zu verhalten.

Immerhin orientiere sich mehr als die Hälfte der Verbraucher beim Kauf von Elektrogeräten auf die Angaben der Öko- und Effizienzlabel, wie eine Forsa-Umfrage ergeben. Kaum jemand weiß freilich, dass die Firmen die Prüfzeugnisse unkontrolliert an sich selbst vergeben.

Beseitigt werden soll aber zumindest der bisherige Wildwuchs mit einer Fülle von undurchschaubaren Plusklassen bei den Labels. Künftig werde es nur noch klar verständliche Kennzeichnungen geben auf der Skala zwischen A und G, wobei A für „grün und sehr effizient“ und G für „rot und wenig effizient“ stehen soll.

Von Dieter Wonka/RND

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