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Deutschland / Welt Energieversorger locken mit Sonderangeboten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Energieversorger locken mit Sonderangeboten
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00:15 21.09.2017
Von Jens Heitmann
Der Wettbewerb am Strommarkt hat sich zuletzt verschärft. Verbraucher können von lukrativen Angeboten von Versorgern profitieren. Foto: dpa Quelle: Armin Weigel
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Hannover

Wenn sich Kunden direkt beim Chef melden, gibt es in der Regel Grund zur Klage. Bei einem kleineren Stadtwerk aus der Region Hannover läuft es dieser Tage anders: „Die Leute rufen an, um sich zu entschuldigen“, berichtet der Geschäftsführer: „Sie würden uns ja gern treu bleiben - aber die Angebote der Konkurrenz seien einfach unschlagbar günstig.“

Der Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten hat sich zuletzt spürbar verschärft. Wer in den Preisportalen im Internet nach einem günstigen Versorger sucht, wird mit Sonderangeboten überhäuft. Die Ersparnisse im Vergleich zum örtlichen Energielieferanten können sich auf mehrere Hundert Euro addieren.

Auffällig ist, dass vor allem die Branchengrößen den Konkurrenzkampf anheizen: Eon, Vattenfall und die RWE-Tochter Eprimo finden sich häufig unter den Top-10- Angeboten. Kleinere Wettbewerber könnten da nicht mithalten, sagt der Stadtwerke-Chef aus dem hannoverschen Umland: „Wir würde gern zu den Preisen einkaufen, die hier den Endkunden angeboten werden.“ Versorger setzen darauf, die mit Discount-Tarifen, die sich für sie anfangs meist noch nicht rechnen, neu gewonnenen Kunden länger an sich zu binden.

Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass sich Lockvogel-Angebote oft nur im ersten Jahr lohnten. Ohne die einmaligen Boni seien diese Lieferverträge zuweilen sogar teurer als die Angebote des angestammten Versorgers. Einige Lieferanten würden im zweiten Jahr zudem die Preise anheben, heißt es.

Häufige Anbieterwechsel

Doch auch die Billigheimer der Branche könnten sich schnell verkalkulieren, sagt die Chefin der Stadtwerke Hameln, Susanne Treptow: „Wer als Kunde einmal auf Boni fixiert ist, der wechselt immer wieder.“ Langfristig zahle es sich deshalb nicht aus, den Absatz über Rabatte anzukurbeln, meint Treptow. Für Stadtwerke seien ein guter Service und der Verweis auf die „regionale Wertschöpfung“ im Wettbewerb oft hilfreicher als ein günstiger Preis, heißt es beim Verband kommunaler Unternehmen: „Kunden treffen eine bewusste Entscheidung dafür, dass ihr Geld in der Region bleibt.“

Im Vorteil sind offenbar auch Versorger in ländlichen Regionen. „Die meisten Kunden gewinnen wir auf dem Dorf“, sagt Treptow. Die Stadtwerke Hameln verteidigen nicht nur ihr heimisches Revier, sie haben auch die Gründung lokaler Versorger in ihrer Nachbarschaft vorangetrieben. Je größer und anonymer die Kommune, desto schwerer sei es, die Kunden zu halten, sagt Treptow.

Das zeigt sich auch in der Landeshauptstadt. Die Stadtwerke Hannover wollten sich lange Zeit nicht am Boni-Wettstreit beteiligen - nun vollziehen sie offenbar einen Schwenk: Neben einem Sofortbonus bietet Enercity neuerdings noch einen Neukundenbonus und eine einjährige Preisgarantie. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden Strom und 15 000 Kilowattwattstunden Gas kann sich die Ersparnis im Vergleich zum teuersten Enercity-Tarif laut Verivox auf rund 725 Euro belaufen.

Das Unternehmen stelle sich beim Kundenservice neu auf, sagt ein Stadtwerke-Sprecher. „Wir haben den Anspruch, auf unterschiedliche Kunden individuell zu reagieren.“

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