Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Erneut Kartellverdacht gegen Stahlbranche
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Erneut Kartellverdacht gegen Stahlbranche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:47 04.09.2017
„Unterlagen zur Verfügung gestellt“: Stahlunternehmen stehen unter starkem Wettbewerbsdruck. Quelle: Jochen Lübke
Anzeige
Bonn/Salzgitter

Das teilte ein Sprecher der Behörde am Montag mit. Es gehe um mögliche Preisabsprachen im Bereich Flachstahl. Zuvor hatten die „Rheinische Post“ und das „Manager Magazin“ über die Durchsuchungen berichtet.

Das Bundeskartellamt nennt bis zum Abschluss der Verfahren keine Unternehmensnamen. Der Stahlkonzern Salzgitter bestätigte aber für sein Unternehmen die Durchsuchungen. Man habe alle gewünschten Unterlagen zur Verfügung gestellt, erklärte Salzgitter am Montag auf Anfrage. Weitere Angaben wollte das Unternehmen nicht machen. Die Salzgitter AG ist der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller. Das Land Niedersachsen hält 26,5 Prozent der Anteile.

Ermittelt wird nach unbestätigten Angaben auch gegen Deutschlands größten Stahlkonzern Thyssenkrupp. Dort soll es aber keine Durchsuchungen gegeben haben. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. „Wir nehmen die Vorgänge sehr ernst und unterstützen die Ermittlungen der Behörde, können aufgrund der laufenden Verfahren derzeit jedoch keine weiteren Angaben machen“, hieß es.

Deutschlands Stahlunternehmen stehen seit Jahren unter massivem Wettbewerbsdruck durch Überkapazitäten vor allem aus China. Immer wieder geht das Bundeskartellamt vor diesem Hintergrund dem Verdacht illegaler Preisabsprachen nach.

Branche seit Jahren im Visier

So läuft seit Ende November 2015 ein Verfahren zu möglichen Absprachen bei Edelstahlprodukten. In einem weiteren Verfahren durchsuchten die Kartellwächter Mitte Juni 2016 sechs Unternehmen. Hier ging es um den Stahleinkauf für die Autoindustrie. Ermittelt wird außerdem seit Juni dieses Jahres gegen drei Schmiedeunternehmen, die Preise für Antriebs- und Getriebeteile für die Autoindustrie abgesprochen haben sollen.

Laut „Manager Magazin“ ermittelt das Bundeskartellamt aktuell auch gegen die Interessenvertretung der Branche, die Wirtschaftsvereinigung Stahl mit Sitz in Düsseldorf. Die Geschäftsräume seien bereits im Januar durchsucht worden. Die Ermittlungen richteten sich auch gegen den Chef des Verbandes. „Der Verband setzt sich intensiv und verantwortungsvoll mit den eingeleiteten Verfahren auseinander“, teilte die Wirtschaftsvereinigung auf Anfrage mit.

Theoretisch kann das Bundeskartellamt Bußgelder in Höhe von zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen, dieser Rahmen wird jedoch normalerweise nicht ausgeschöpft. Im Jahr 2014 erreichten die insgesamt verhängten Strafen die Rekordhöhe von 1,12 Milliarden Euro. Betroffen waren damals unter anderem Produzenten von Wurst, Bier und Zucker. Im Jahr 2016 kamen nur 125 Millionen Euro zusammen. Zeigt ein Unternehmen sich selbst beim Kartellamt an, erhält es einen Nachlass.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Seit Jahren werfen Airbus und Boeing sich gegenseitig vor, illegale Subventionen vom Staat zu kassieren. Nun musste die europäische Seite einen Rückschlag einstecken. Die Welthandelsorganisation (WTO) urteilte zugunsten der US-Amerikaner.

04.09.2017

Die EU-Kommission hat den Weg für den umstrittenen staatlichen Kredit über 150 Millionen Euro für Air Berlin frei gemacht. Die Zahlung stehe im Einklang mit EU-Recht, teilten die Brüsseler Wettbewerbshüter mit – allerdings nur unter bestimmten Auflagen.

04.09.2017

Nächste Runde in der Operation sauberer Diesel: Drei Wochen vor der Wahl widmet sich die Kanzlerin den Kommunen, in denen die Luft besonders schmutzig ist. Die Opposition warnt schon vor einer „Show-Veranstaltung“.

04.09.2017
Anzeige