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Erneut Kartellverdacht gegen Stahlbranche

Salzgitter betroffen Erneut Kartellverdacht gegen Stahlbranche

Die deutsche Stahlbranche steht erneut im Verdacht, gegen Wettbewerbsregeln verstoßen zu haben. Das Bundeskartellamt hat Ende August insgesamt sieben Stahlunternehmen sowie drei Privatwohnungen durchsuchen lassen. Auch bei Salzgitter gab es Durchsuchungen.

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„Unterlagen zur Verfügung gestellt“: Stahlunternehmen stehen unter starkem Wettbewerbsdruck.

Quelle: Jochen Lübke

Bonn/Salzgitter. Das teilte ein Sprecher der Behörde am Montag mit. Es gehe um mögliche Preisabsprachen im Bereich Flachstahl. Zuvor hatten die „Rheinische Post“ und das „Manager Magazin“ über die Durchsuchungen berichtet.

Das Bundeskartellamt nennt bis zum Abschluss der Verfahren keine Unternehmensnamen. Der Stahlkonzern Salzgitter bestätigte aber für sein Unternehmen die Durchsuchungen. Man habe alle gewünschten Unterlagen zur Verfügung gestellt, erklärte Salzgitter am Montag auf Anfrage. Weitere Angaben wollte das Unternehmen nicht machen. Die Salzgitter AG ist der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller. Das Land Niedersachsen hält 26,5 Prozent der Anteile.

Ermittelt wird nach unbestätigten Angaben auch gegen Deutschlands größten Stahlkonzern Thyssenkrupp. Dort soll es aber keine Durchsuchungen gegeben haben. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. „Wir nehmen die Vorgänge sehr ernst und unterstützen die Ermittlungen der Behörde, können aufgrund der laufenden Verfahren derzeit jedoch keine weiteren Angaben machen“, hieß es.

Deutschlands Stahlunternehmen stehen seit Jahren unter massivem Wettbewerbsdruck durch Überkapazitäten vor allem aus China. Immer wieder geht das Bundeskartellamt vor diesem Hintergrund dem Verdacht illegaler Preisabsprachen nach.

Branche seit Jahren im Visier

So läuft seit Ende November 2015 ein Verfahren zu möglichen Absprachen bei Edelstahlprodukten. In einem weiteren Verfahren durchsuchten die Kartellwächter Mitte Juni 2016 sechs Unternehmen. Hier ging es um den Stahleinkauf für die Autoindustrie. Ermittelt wird außerdem seit Juni dieses Jahres gegen drei Schmiedeunternehmen, die Preise für Antriebs- und Getriebeteile für die Autoindustrie abgesprochen haben sollen.

Laut „Manager Magazin“ ermittelt das Bundeskartellamt aktuell auch gegen die Interessenvertretung der Branche, die Wirtschaftsvereinigung Stahl mit Sitz in Düsseldorf. Die Geschäftsräume seien bereits im Januar durchsucht worden. Die Ermittlungen richteten sich auch gegen den Chef des Verbandes. „Der Verband setzt sich intensiv und verantwortungsvoll mit den eingeleiteten Verfahren auseinander“, teilte die Wirtschaftsvereinigung auf Anfrage mit.

Theoretisch kann das Bundeskartellamt Bußgelder in Höhe von zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen, dieser Rahmen wird jedoch normalerweise nicht ausgeschöpft. Im Jahr 2014 erreichten die insgesamt verhängten Strafen die Rekordhöhe von 1,12 Milliarden Euro. Betroffen waren damals unter anderem Produzenten von Wurst, Bier und Zucker. Im Jahr 2016 kamen nur 125 Millionen Euro zusammen. Zeigt ein Unternehmen sich selbst beim Kartellamt an, erhält es einen Nachlass.

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