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EZB steht vor weiteren historischen Schritten

Änderungen in 2015 EZB steht vor weiteren historischen Schritten

Mini-Zinsen, Strafzinsen, Kauf von Kreditpaketen - die EZB kämpft mit allen Mitteln gegen die gefährlich niedrige Inflation und die Konjunkturflaute. Weitere weitreichende Entscheidungen stehen an. 

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Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden.

Quelle: dpa

Frankfurt/Main. Europas Währungshüter werden auch 2015 auf etlichen Feldern Neuland betreten. Ein Überblick von A bis Z:

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt - und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert.
Schon Anfang Dezember betonte EZB-Präsident Mario Draghi, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien. Im Handelsblatt-Interview (Freitag) sprach Draghi von laufenden „technischen Vorbereitungen“. Solche Maßnahmen müsse der EZB-Rat nicht notwendigerweise einstimmig beschließen, hatte er schon vorher klargemacht. Das heißt konkret: Die Mehrheit im EZB-Rat könnte solche Käufe gegen den Widerstand der Bundesbank beschließen.

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen - ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen - und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens am 1. Januar in Kraft.
Kritiker befürchten dabei einen Machtverlust für Deutschland. „Deutschland trägt ein Viertel der Last und ist völlig unterrepräsentiert“, meldete sich am Freitag der Ökonom Wolfgang Gerke im WDR zu Wort. Faktisch ändert sich aber nichts, denn schon im alten System vertritt Weidmann zwar Europas größte Volkswirtschaft, seine Stimme hat jedoch genauso viel Gewicht wie diejenige der Notenbankchefs aus kleineren Eurostaaten wie Zypern oder Malta.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. „Die Zinsen sind seit langem sehr, sehr niedrig - und das wird wahrscheinlich noch eine Zeit so bleiben“, sagte Draghi dem „Handelsblatt“. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

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