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Deutschland / Welt Europäisches Benzin weltweit gefragt
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15:25 21.08.2015
Auf dem Gelände einer Recyclingfirma in Hamburg sind Ölfässer gestapelt, um sie später zu reinigen und neu zu befüllen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hamburg

 Öl erlebt einen neuen Boom. Während Klimaschützer und -politiker den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen fordern, wird so viel Öl gefördert und verbrannt wie noch nie. Tag für Tag werden nach einer Prognose der US-Energiebehörde EIA in diesem Jahr 93,6 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öl verbraucht. Was klimapolitisch eine Sackgasse sein mag, ist wirtschaftlich kein Problem: Die Produktion liegt mit 95,7 Millionen Barrel ebenso auf Rekordniveau und deutlich über der Nachfrage. „Die faktische Überversorgung des Ölmarktes ist zu einer Ölschwemme geraten“, kommentiert der Marktbeobachter Tecson, ein Hersteller von Tankmesstechnik.

Folglich fallen die Ölpreise auf immer neue Tiefstände. Die Nordsee-Sorte Brent steht bei 46 Dollar und damit auf dem Niveau vom Frühjahr 2009. Damals war der Ölpreis wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise steil abgestürzt. Ein paar Dollar fehlen nur noch, dann sind die Ölpreise wieder im Jahr 2004 oder 2005 angekommen. Danach sieht es tatsächlich aus.

Die USA fördern viel und immer mehr Öl, die Länder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) halten sich auch nicht zurück, ebenso wenig wie Russland und andere Förderländer außerhalb der Opec. Das Ölkartell ist handlungsunfähig, das Angebot scheint unerschöpflich. Vielleicht kommt bald auch wieder mehr Öl aus dem Iran, wenn die Sanktionen gegen das Land nach der Einigung im Atomstreit wie geplant zurückgefahren werden. Schon schreiben Bankanalysten von Ölpreisen um die 30 Dollar.

Davon profitieren die Verbraucher in Deutschland und Europa, wenn auch nicht alle in gleichem Maße. Entspannt können sich die Benutzer von Ölheizungen die Preisentwicklung anschauen. 100 Liter Heizöl kosten im bundesweiten Durchschnitt 54,50 Euro (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt). Das entspricht dem Preisniveau von 2009. Vor einem Jahr betrug der Preis noch um die 80 Euro. Damit liegen für Mieter deutliche Rückerstattungen bei der nächsten Abrechnung der Nebenkosten drin.

So ähnlich sieht es bei den Autofahrern mit Diesel-Modellen aus. Ein Liter Diesel kostet ungefähr 1,13 Euro und damit im langfristigen Vergleich eher wenig. Im Januar lag der Preis aber schon einmal unter 1,10 Euro je Liter. Dass der Dieselpreis für die Verbraucher noch nicht auf dieses Niveau gesunken ist, liegt vor allem am schwachen Euro. Er verteuert alle Einfuhren, auch die von Öl.

Vor einer besonderen Situation stehen dagegen die Autofahrer mit Benzinern. Der Preis für einen Liter Superbenzin E10 ist zwar auch auf 1,38 Euro je Liter gefallen. Er liegt aber deutlich höher als der Tiefpunkt im Januar mit 1,26 Euro und um beachtliche 25 Cent über dem Dieselpreis. „Wir erleben einen großen Nachfragesog aus den USA“, sagt Prof. Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Berlin. In den USA hat sich das Benzin für die Verbraucher viel stärker verbilligt als in Europa, weil kaum Steuern darauf liegen, und es keine Währungseinflüsse gibt. Folge: Die US-Amerikaner kaufen wieder größere Autos und fahren längere Strecken.

Das Benzin dafür kommt zum Teil aus Europa und lässt bei den Raffinerien die Kassen klingeln. Der Energie-Informationsdienst EID ermittelte für eine deutsche Muster-Raffinerie eine Marge von mehr als 106 Euro je Tonne - so viel wie noch nie seit dem Beginn der Berechnungen vor 20 Jahren. „Die Margen schießen durch die Decke“, schreibt der Fachdienst in seiner jüngsten Ausgabe. „Die Raffinerien haben sich vom Sorgenkind zum Goldesel gewandelt.“ Dabei helfe ihnen die enorme Nachfrage nach Ottokraftstoffen aus Übersee.

Verbandsmanager Küchen räumt ein, dass es den Raffinerien in Deutschland gegenwärtig gut geht. Gleichzeitig bemüht er sich, Wasser in den Wein zu gießen. „Die Raffinerien haben jahrelang kaum Gewinne oder manchmal sogar Verluste gemacht, weil es in Europa strukturelle Überkapazitäten gibt“, sagt er. „Da kommen auch wieder schlechtere Zeiten.“ Im Herbst, wenn die Fahrsaison in den USA zu Ende geht, könnte die Exportnachfrage wieder erlahmen. Für die deutschen Autofahrer wäre dann ein weiterer Rückgang der Benzinpreise möglich.

dpa

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