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Kleinbauern könnten weltweite Hungersnot stoppen

Grüne Revolution Kleinbauern könnten weltweite Hungersnot stoppen

Trotz wachsender Weltbevölkerung soll die Zahl der Hungernden sinken. Landtechnikhersteller entdecken die Kleinbauern in den Entwicklungsländern als Chance, um der allgemeinen Hungersnot entgegenzuwirken.

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Ist sie möglich, die „Welt ohne Hunger“? Darüber diskutierten Experten auf der Agritechnica. Unser Bild zeigt indische Schulkinder in Jammu, die gerade ein kostenloses Mittagessen erhalten haben.

Quelle: dpa

Hannover. Der Landmaschinenhersteller AGCO hat unlängst seine Sicht auf die Welt verändert. Vorher hatte der US-Konzern „High-Tech-Lösungen für professionelle Farmer, die die Welt ernähren“ im Angebot - heute habe man auch jene Bauern im Blick, die zuallererst sich, ihre Familie und vielleicht noch ihr Dorf versorgen, sagte Vorstandschef Martin Richenhagen am Dienstag bei der Diskussion „Eine Welt ohne Hunger“ auf der Agritechnica. Daher wurde die Einschränkung „professionell“ aus der Beschreibung der eigenen Mission gestrichen: „Manchmal reicht ein schon kleiner Schritt, um die große Perspektive zu verändern.“

Erträge könnten in kürzester Zeit deutlich steigen

Eine Unterscheidung zwischen Agrar-Profis und vermeintlichen Amateuren kann auf Dauer nicht nur die Geschäfte von Anbietern wie AGCO gefährden - sie wirke auch dem Ziel der Vereinten Nationen entgegen, den weltweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden, sagte Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller. In Ländern mit dem größten Nahrungsmangel würden rund 80 Prozent der Agrarfläche von Kleinbauern bewirtschaftet: „Deshalb brauchen wir eine grüne Revolution von unten.“

Theoretisch können sich auch die Entwicklungsländer selbst ernähren. Während jedoch in Deutschland zwischen fünf und acht Tonnen Getreide je Hektar geerntet werden, sind es in Afrika nur 0,3 bis 1,5 Tonnen. Durch Ausbildung sowie ein besseres Management des Bodens und des Anbaus könnten die Erträge in kurzer Zeit deutlich steigen, sagte der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, Carl-Albrecht Bartmer. Früher wäre dafür eine Ausweitung der Fläche oder ein vermehrter Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln nötig gewesen, heute reiche häufig die Nutzung neuer Landwirtschaftstechnik: „Wir müssen den Know-how-Transfer verbessern.“

In Afrika gibt es "die größten Reserven an Ackerflächen"

Selbst wenn das gelingt, sind die Herausforderungen immens: Die Weltbevölkerung nimmt jeden Tag um 230 000 Menschen zu, auf das Jahr gerechnet entspricht das globale Wachstum der Einwohnerzahl von Deutschland. Bis 2050 rechnen die Vereinten Nationen mit einem Anstieg von derzeit 7,5 auf zehn Milliarden Menschen. Seit 1990 ist die Zahl der Hungernden um 216 Millionen gesunken, aktuell haben aber immer noch 815 Millionen Menschen zu wenig zu essen - 98 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern.

Es wäre jedoch ein Fehler, nach einem Hilfsmodell für alle Staaten zu suchen, sagte Prof. Joachim von Braun, Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn: „Der Hunger ist komplexer geworden, es gibt eine Vielzahl von Ursachen.“ Es gelte politische, ökologische und technische Probleme zu lösen - bei Letzteren könne auch der Fortschritt bei den Landmaschinen helfen.

Sollte das gelingen, kann nach Einschätzung von AGCO auch Afrika zum Brotkorb werden. „Dort gibt es die größte Reserve an Ackerflächen“, sagte Konzernchef Richenhagen. Wenn die Länder entlang der Sahelzone ihre Bevölkerungen ernähren könnten, werde das auch die Flüchtlingsströme verringern: „So kann man Gutes tun und die Aktionäre erfreuen.“

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