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Deutschland / Welt Frankreich heizt sich arm
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07:56 09.02.2012
Von Margit Kautenburger
Die Atomnation Frankreich braucht jetzt ausgerechnet aus Deutschland Ökostromhilfe. Quelle: dpa (Archivbild)
Paris/Berlin

Wenn die sibirische Kälte komme, drohe Großstädten wie Hamburg oder Frankfurt der Blackout, sagten Experten voraus. Doch der Zusammenbruch bleibt in der Frostperiode aus. Deutschland produziert auch nach dem Atomausstieg sogar Stromüberschüsse, die exportiert werden – ausgerechnet ins Atomstromland Frankreich.

Bei unseren Nachbarn hat der kalte Winter trotz der 55 Atomkraftwerke im Land Versorgungsengpässe hervorgerufen. Das liegt vor allem an den in Frankreich üblichen Elektroheizungen. Wenn die Franzosen in diesen Tagen von der Arbeit nach Hause kommen, klettert ihr Energieverbrauch auf Rekordwerte. Am Dienstagabend stieg er auf mehr als 100 Gigawatt – ein Wert, der der Leistung von 80 Atomkraftwerken entspricht. Deutschland hingegen kommt bei 15 Millionen Einwohnern mehr mit der Hälfte aus. Statt mit Strom wird hierzulande vorwiegend mit Gas, Öl oder Wärme aus Blockheizkraftwerken geheizt.

Wegen der Engpässe sollen die Franzosen nun ihre Heizungen drosseln oder auf das Wäschewaschen am Abend zu verzichten. Doch das alleine hilft nicht. Die Franzosen müssen Strom importieren. Und der kommt bei dem sonnigen Winterwetter bevorzugt aus deutschen Wind- und Sonnenernergieanlagen. Dass die Stromhilfe nun ausgerechnet aus dem wegen des Atomausstiegs belächelten Deutschland kommt, dürfte die Franzosen besonders wurmen. Energieminister Eric Besson erklärte eilig, es handele sich um eine „Ausnahmesituation“. Fachleute indes verweisen darauf, dass auch vernachlässigte Netze zu den Versorgungsschwierigkeiten beitragen. 

Deutsche Atomkraftgegner sehen sich bestätigt. „Die Warnungen vorm großen Stromausfall erweisen sich als hanebüchen“, sagt Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedel. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht die Kritiker der Energiewende widerlegt: „Gerade die jetzigen Tage mit klirrender Kälte zeigen, dass die erneuerbaren Energien ihren Beitrag zur Versorungssicherheit und Netzstabilität leisten“

Völlig problemlos ist die Versorgung hierzulande aber offenbar auch nicht. „Die Lage ist angespannt, aber beherrschbar“, sagt Rudolf Boll. Der Sprecher der Bundesnetzagentur hält Warnungen vor einem Blackout nach wie vor für berechtigt. Bisher habe man Glück gehabt, es müsse aber immer mit dem schlimmsten Fall gerechnet werden. Dieser trete ein, wenn es sehr kalt sei, kein Wind wehe und keine Sonne scheine. Auch sei es schwierig, die Einspeisung des unsteten erneuerbaren Stroms zu regeln. „Wir müssen wesentlich öfter ins Netz eingreifen“, erklärt Boll. „Mit mehr Atomstrom war es leichter, das Netz stabil zu halten.“

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