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Kein Hormonfleisch auf deutschen Tellern

Freihandelsabkommen TTIP Kein Hormonfleisch auf deutschen Tellern

In den USA ist die Behandlung von Rindern mit Mitteln zur Wachstumsförderung üblich – in Europa ist diese Methode verboten. Das wird sich mit dem Freihandelsabkommen TTIP nicht ändern. Teil 1 einer mehrteiligen Serie über die gravierenden Unterschiede in der Lebensmittelproduktion.

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Implantat im Ohr: Die Rinder von Farmer John McDonald im US-Bundesstaat Nebraska bekommen darüber Wachstumshormone verabreicht. Foto: Grüneberg

Hannover/Grand Island. Auf der Farm von John McDonald stehen zu dieser Zeit im Jahr rund 3600 Rinder. Die Tiere sind das ganze Jahr über draußen, in einer langen Reihe stecken sie ihre mächtigen Köpfe durch den Zaun in den Futtertrog. Die Mastbullen sind nach Alter sortiert - sieben Monate, neun Monate, zwölf Monate. Mit ungefähr 15 Monaten haben sie ihre Schlachtreife erreicht. Schon als junge Kälber werden die Bullen kastriert und bekommen ein Implantat ins Ohr gesetzt, das über längere Zeit sogenannte Wachstumshormone abgibt. Das Rind setzt dadurch in kürzerer Zeit mehr Fleisch an. Für den Farmer lohnt sich das: Die Injektion kostet nur ein paar Dollar, die er mit dem Zugewinn an Fleisch schnell wieder eingespielt hat.

Eine Methode, die in den USA üblich ist. Schätzungen zufolge bekommen dort 80 Prozent der Rinder sogenannte leistungssteigernde Hormone verabreicht. In der Europäischen Union ist der Einsatz dagegen generell verboten. Der Grund sind mögliche Nebenwirkungen für die Tiere und nicht abschließend erforschte Folgen für die menschliche Gesundheit beim Verzehr des Fleischs. Eine erhöhte Hormonbelastung im Fleisch steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Deshalb ist auch der Import von Hormonfleisch in der EU verboten. Das zuständige Landwirtschaftsministerium der USA hält Wachstumshormone für Rinder dagegen für unbedenklich. Das Fleisch sei genauso gesund, heißt es.

Das Thema ist seit Langem ein Streitpunkt: Schon 1988 hat die EU die Einfuhr von Hormonfleisch aus den USA verboten. Die Vereinigten Staaten reagierten auf die Beschränkungen ihrerseits mit Strafzöllen auf wichtige EU-Export-Waren wie zum Beispiel französischen Roquefort-Käse. Ein Einlenken gab es 2009, als die EU - auch in Hinblick auf ein mögliches Freihandelsabkommen - den USA die zollfreie Einfuhr von rund 45 000 Tonnen Rindfleisch erlaubte. Für dieses Fleisch müssen die USA allerdings Hormonfreiheit zusichern.

Gemessen an der US-Gesamtproduktion von 11 Millionen Tonnen Rindfleisch im Jahr ist dieses Kontingent relativ klein. Die amerikanischen Farmer könnten viel mehr Rindfleisch nach Europa verkaufen. Deshalb bemüht sich die US-Regierung seit Jahrzehnten um eine Aufhebung des Hormon-Verbots.Kritiker befürchten, dass die Zeit dafür mit einem transatlantischen Freihandelsabkommen nun gekommen sein könnte. Die Europäische Kommission allerdings wiegelt in einem Positionspapier ab: „Hormonbehandeltes Rindfleisch ist in der EU nicht zugelassen. Daran wird sich im Rahmen der TTIP-Vereinbarungen nichts ändern.“

Aus diesem Grund müssten deutsche Rinderhalter auch nicht fürchten, dass amerikanisches Rindfleisch den europäischen Markt überschwemmen könnte, sagt Janine Pelikan vom Thünen-Institut für Marktanalyse, eine Bundesforschungseinrichtung des Landwirtschaftsministeriums. In einer Modell- rechnung hat Pelikan untersucht, was sich für den Handel mit landwirtschaftlichen Gütern durch TTIP verändern würde. „Deutschland bezieht derzeit nur knapp 3 Prozent der Rindfleischimporte aus den USA“, sagt die Wissenschaftlerin. Zwar würden bisher noch relativ hohe Zölle auf Rindfleisch erhoben, die das zollfreie Kontingent von 45 000 Tonnen übersteigen. „Die Abschaffung der Zölle führt nach unseren Modellrechnungen aber nur zu einem Importanstieg von Rindfleisch im Wert von rund 54 Millionen Euro. Für die deutsche Produktion ergäbe sich damit ein Rückgang von 0,5 Prozent.“

Und der Grund für den geringen Handelsanstieg sei eben das Verbot von Hormonfleisch. „In den USA erhöhen sich die Produktionskosten für Fleisch, das ohne Wachstumsförderer produziert wird, um rund 10 Prozent. Wenn man dann noch die Transportkosten dazurechnet, sind die Exportanreize gering“, prognostizieren Pelikan und ihre Kollegen.

Was kommt mit TTIP?

Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP wird ein großes Thema sein, wenn US-Präsident Barack Obama am 24. April zur Hannover Messe nach Deutschland kommt. Ziel des Abkommens ist nicht nur der Abbau von Zöllen sondern auch die Harmonisierung von Vorschriften – Handelshemmnisse aller Art sollen beseitigt werden. Vor allem die Industrie und der Dienstleistungssektor könnten von TTIP profitieren.

TTIP-Kritiker in Europa befürchten, dass Verbraucher das Nachsehen haben werden, weil in den USA andere Vorschriften in der Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit gelten. Ob mit TTIP tatsächlich europäische Standards aufgegeben werden, wird erst das fertige Abkommen zeigen. Fakt ist aber, dass es gravierende Unterschiede in der Lebensmittelproduktion gibt. Wie diese aussehen, beleuchtet die HAZ in einer mehrteiligen Serie.

Von Anne Grüneberg

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TTIP-Abkommen
Symbolbild

Mais, Soja und Zuckerrüben kommen in den USA kaum noch in ihrer natürlichen Form vor. In der EU gibt es derzeit rund 50 Importzulassungen für gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel. mit dem Inkrafttreten eines Transatlantischen Freihandelsabkommens könnte die Zahl noch größer werden.

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