Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Gluten- und laktosefrei: So machen die Hersteller Kasse

Masche der Nahrungsmittel-Industrie Gluten- und laktosefrei: So machen die Hersteller Kasse

Frei von Laktose, ohne tierische Inhaltsstoffe, ohne Gluten: Um Produkte, die auf bestimmte Inhaltsstoffe verzichten, hat sich in den vergangenen Jahren ein Hype entwickelt. Die Ernährungsindustrie profitiert von diesem Trend – gesund ist das nicht immer.

Voriger Artikel
Betriebsrat prognostiziert Wegfall von Arbeitsplätzen
Nächster Artikel
"Banken bunkern Geld, das ihnen nicht zusteht"

Symbolbild

Quelle: dpa

 31 Prozent der 2015 in Deutschland neu eingeführten Lebensmittel und Getränke werben laut einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Mintel mit der Aufschrift „frei von“. Dabei gehören glutenfreie Produkte zu den Spitzenreitern bei den Neueinführungen.

Die Zahlen bestätigen den Eindruck aus deutschen Supermärkten. Nudeln, Kekse, Aufbackbrötchen, Tiefkühlpizza und Bier gibt es mittlerweile häufig auch als glutenfreie Variante. Die Zeiten, in denen Menschen mit einer Weizenunverträglichkeit ihren Einkauf im Reformhaus erledigen mussten, sind damit vorbei. Doch die Lebensmittelhersteller profitieren auch von einem Trend: „Eine glutenfreie Ernährung ist in den westlichen Ländern quasi zu einer Frage des Lebensstils geworden, vor allem unter jüngeren Verbrauchern“, sagt Mintel-Analystin Alex Beckett.

Nur knapp ein Prozent der Deutschen leidet tatsächlich unter Weizenunverträglichkeit, der sogenannten Zöliakie. Betroffene reagieren überempfindlich auf Klebereiweiße, das sogenannte Gluten, das hauptsächlich in Getreideprodukten vorkommt. Der Verzehr führt bei ihnen zu einer Entzündung des Darms.

Viele andere Verbraucher kaufen glutenfreie Produkte hingegen, weil sie der Meinung sind, Gluten sei nicht gut für die Gesundheit. Laut einer Studie im Auftrag von „Spiegel Online“ meiden
9 Prozent der deutschen Verbraucher Gluten, weil sie meinen, es nicht gut zu vertragen. Verbraucherschützer warnen allerdings vor falscher Vorsicht: „Glutenfreie Produkte sind ein Plus nur für Betroffene, allen anderen Käufern bietet die Eigenschaft glutenfrei keine Vorteile“, heißt es vonseiten der Verbraucherzentrale.

Im Gegenteil: Glutenfreie Produkte haben oft mehr Kalorien, weil die Hersteller anstelle von Weizen Fett hinzugeben, um das Produkt geschmacklich aufzuwerten. Oft ist auch die Zutatenliste von glutenfreien Produkten länger, weil die Hersteller versuchen, die Eigenschaften des Weizens mit Ersatzstoffen zu imitieren.

Außerdem schlägt die Lebensmittelindustrie beim Preis zu: Glutenfreie Produkte sind genauso wie laktosefreie Lebensmittel oft um ein Vielfaches teurer. So kosten – laut einer Stichprobe der Verbraucherzentralen – zum Beispiel glutenfreie Cornflakes zweieinhalbmal so viel wie herkömmliche Marken-Cornflakes. Bei Schokokeksen ist der Unterschied noch größer. In dem Fall kostet die glutenfreie Variante fast viermal so viel wie die herkömmlichen Kekse eines Markenherstellers.

Der Preis und der gute Absatz bringen den Herstellern ordentliche Summen ein: Mit glutenfreien Produkten werden in Deutschland rund 105 Millionen Euro umgesetzt, haben die Marktforscher von Nielsen ausgerechnet. Das marktführende Unternehmen Dr. Schär meldet Jahr für Jahr ein Plus von etwa 20 Prozent. Lag der Umsatz 2004 noch bei 47 Millionen Euro weltweit, ist er bis 2015 auf 320 Millionen Euro geklettert. Auch der Nudelhersteller Barilla, der Cornflakesgigant Kellogg’s und der Pizzamacher Wagner bieten neben ihrem herkömmlichen Sortiment auch glutenfreie Alternativen an. Die Supermarktkette Rewe hat vor drei Jahren die Eigenmarke „Frei von“ eingeführt, unter der sie mittlerweile 23 glutenfreie und elf laktosefreie Produkte listet.

Allerdings lockt der Trend auch Unternehmen mit fragwürdigen Werbeversprechen an: So preisen manche Hersteller auch Wasser und Tiefkühlgemüse als glutenfrei an – obwohl beides ohnehin nie Getreide und somit auch kein Gluten enthält. Ähnlich ist es bei laktosefreien Produkten wie Wurst. Aufschnitt, der als laktosefrei gekennzeichnet ist, war im Vergleich der Verbraucherzentrale im Schnitt 95 Prozent teurer, obwohl Schinken, Kochschinken und Putenbrust schon von Natur aus keine Laktose enthalten.

Von Sophie Hilgenstock

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Deutschland / Welt

Der Abgasskandal erschüttert den Volkswagen-Konzern. Lesen Sie hier alle Berichte und Hintergründe zur Diesel-Affäre. mehr

Aktienkurse regionaler Unternehmen

CEWE STIFT.KGAA... 81,13 +2,83%
CONTINENTAL 169,82 +2,54%
DELTICOM 17,03 +4,50%
HANNO. RÜCK 101,30 +1,81%
SALZGITTER 31,30 +1,78%
SARTORIUS AG... 69,53 +1,13%
SYMRISE 54,76 -2,72%
TALANX AG NA... 30,51 +2,02%
TUI 12,46 +0,87%
VOLKSWAGEN VZ 121,73 +2,84%
DAX
Chart
DAX 10.708,50 +0,22%
TecDAX 1.703,50 +0,15%
EUR/USD 1,0754 -0,06%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. BANK 15,45 +4,86%
BMW ST 82,41 +3,40%
THYSSENKRUPP 21,94 +3,21%
LINDE 156,28 +0,04%
Henkel VZ 106,88 +0,28%
BEIERSDORF 75,84 +0,45%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 154,79%
Polar Capital Fund AF 102,15%
Stabilitas GOLD+RE AF 93,39%
Morgan Stanley Inv AF 91,64%
First State Invest AF 89,33%

mehr