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Deutschland / Welt Gluten- und laktosefrei: So machen die Hersteller Kasse
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00:16 01.09.2016
Symbolbild Quelle: dpa
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 31 Prozent der 2015 in Deutschland neu eingeführten Lebensmittel und Getränke werben laut einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Mintel mit der Aufschrift „frei von“. Dabei gehören glutenfreie Produkte zu den Spitzenreitern bei den Neueinführungen.

Die Zahlen bestätigen den Eindruck aus deutschen Supermärkten. Nudeln, Kekse, Aufbackbrötchen, Tiefkühlpizza und Bier gibt es mittlerweile häufig auch als glutenfreie Variante. Die Zeiten, in denen Menschen mit einer Weizenunverträglichkeit ihren Einkauf im Reformhaus erledigen mussten, sind damit vorbei. Doch die Lebensmittelhersteller profitieren auch von einem Trend: „Eine glutenfreie Ernährung ist in den westlichen Ländern quasi zu einer Frage des Lebensstils geworden, vor allem unter jüngeren Verbrauchern“, sagt Mintel-Analystin Alex Beckett.

Nur knapp ein Prozent der Deutschen leidet tatsächlich unter Weizenunverträglichkeit, der sogenannten Zöliakie. Betroffene reagieren überempfindlich auf Klebereiweiße, das sogenannte Gluten, das hauptsächlich in Getreideprodukten vorkommt. Der Verzehr führt bei ihnen zu einer Entzündung des Darms.

Viele andere Verbraucher kaufen glutenfreie Produkte hingegen, weil sie der Meinung sind, Gluten sei nicht gut für die Gesundheit. Laut einer Studie im Auftrag von „Spiegel Online“ meiden
9 Prozent der deutschen Verbraucher Gluten, weil sie meinen, es nicht gut zu vertragen. Verbraucherschützer warnen allerdings vor falscher Vorsicht: „Glutenfreie Produkte sind ein Plus nur für Betroffene, allen anderen Käufern bietet die Eigenschaft glutenfrei keine Vorteile“, heißt es vonseiten der Verbraucherzentrale.

Im Gegenteil: Glutenfreie Produkte haben oft mehr Kalorien, weil die Hersteller anstelle von Weizen Fett hinzugeben, um das Produkt geschmacklich aufzuwerten. Oft ist auch die Zutatenliste von glutenfreien Produkten länger, weil die Hersteller versuchen, die Eigenschaften des Weizens mit Ersatzstoffen zu imitieren.

Außerdem schlägt die Lebensmittelindustrie beim Preis zu: Glutenfreie Produkte sind genauso wie laktosefreie Lebensmittel oft um ein Vielfaches teurer. So kosten – laut einer Stichprobe der Verbraucherzentralen – zum Beispiel glutenfreie Cornflakes zweieinhalbmal so viel wie herkömmliche Marken-Cornflakes. Bei Schokokeksen ist der Unterschied noch größer. In dem Fall kostet die glutenfreie Variante fast viermal so viel wie die herkömmlichen Kekse eines Markenherstellers.

Der Preis und der gute Absatz bringen den Herstellern ordentliche Summen ein: Mit glutenfreien Produkten werden in Deutschland rund 105 Millionen Euro umgesetzt, haben die Marktforscher von Nielsen ausgerechnet. Das marktführende Unternehmen Dr. Schär meldet Jahr für Jahr ein Plus von etwa 20 Prozent. Lag der Umsatz 2004 noch bei 47 Millionen Euro weltweit, ist er bis 2015 auf 320 Millionen Euro geklettert. Auch der Nudelhersteller Barilla, der Cornflakesgigant Kellogg’s und der Pizzamacher Wagner bieten neben ihrem herkömmlichen Sortiment auch glutenfreie Alternativen an. Die Supermarktkette Rewe hat vor drei Jahren die Eigenmarke „Frei von“ eingeführt, unter der sie mittlerweile 23 glutenfreie und elf laktosefreie Produkte listet.

Allerdings lockt der Trend auch Unternehmen mit fragwürdigen Werbeversprechen an: So preisen manche Hersteller auch Wasser und Tiefkühlgemüse als glutenfrei an – obwohl beides ohnehin nie Getreide und somit auch kein Gluten enthält. Ähnlich ist es bei laktosefreien Produkten wie Wurst. Aufschnitt, der als laktosefrei gekennzeichnet ist, war im Vergleich der Verbraucherzentrale im Schnitt 95 Prozent teurer, obwohl Schinken, Kochschinken und Putenbrust schon von Natur aus keine Laktose enthalten.

Von Sophie Hilgenstock

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